Startchancen-Programm : Gute Startchancen – Schulen in herausfordernder Lage stärken
In Deutschland ist die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen und ethnischen Herkunft noch immer zu groß. Das soll sich ändern. Das Startchancen-Programm für mehr Bildungsgerechtigkeit unterstützt 4.000 Schulen in herausfordernder Lage. Die Fördermittel von Bund und Ländern sollen helfen, sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler besser zu fördern. Ziel ist es, die Basiskompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Das Schulportal begleitet die Umsetzung des Startchancen-Programms mit aktuellen Berichten, mit Praxistipps für die Unterrichtsentwicklung und mit Online-Veranstaltungen. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick.
Unsere Empfehlung
Aktuelles zum Startchancen-Programm
27. November – Hamburg: Hamburg stellt nach Angaben der Bildungsverwaltung die Kofinanzierung des Startchancen-Programms durch Umwidmung und Neupriorisierung von bereits vorhandenen Mitteln sich. Zudem werden mit Beginn des Programms zusätzliche Mittel in Höhe von jährlich rund 10 Millionen Euro aufgebracht, davon allein 8,1 Millionen Euro aus Mitteln für den Schulbau (Säule I des Programms). Jährlich verfügt das Startchancen-Programm in Hamburg über rund 43 Millionen Euro, 21,6 Mio. Euro davon bringt der Bund ein.
+++
15. November – Thüringen: Im Rahmen des Startchancen-Programms sollen sich mehrere Schulstandorte in Thüringen in den nächsten Jahren zu Familiengrundschulzentren mit einer stärkeren Einbindung der Eltern entwickeln. Dafür wurden 15 Grundschulen ausgewählt. Sie sollen voraussichtlich ab dem kommenden Schuljahr 2025 /26 nach einem bundesweit erprobten Konzept arbeiten, bei dem der Unterricht durch niedrigschwellige Angebote wie Elterncafé, Bastelkurse und Informationsabende ergänzt wird. Für den Aufbau dieser Zentren hat das Land eine Kooperation mit der privaten Wübben Stiftung Bildung geschlossen. Die ausgewählten Schulen erhalten laut Ministerium eine zusätzliche halbtägige Koordinierungsstelle.
+++
13. November – Bundesregierung: Nach dem Ampel-Aus übernimmt bis zur möglichen Neuwahl am 23. Februar Cem Özedemir (Grüne) das Bundesbildungsministerium. Die Verhandlungen zum Digitalpakt will Özdemir konstrruktiv weiterführen. Nach dem Bruch der Koalition fehlt eine Haushaltsplanung für das kommende Jahr. Wenn es zu einer Hängepartie beim Bundeshaushalt kommt, könnte das auch Auswirkungen auf das Startchancen-Programm haben, warnte Thüringens geschäftsführender Bildungsminister Helmut Holter (Linke).
25. Oktober – Niedersachsen: Niedersachsen startet in die zweite Phase des Startchancen-Programms. In Cuxhaven, Lüneburg, Lüchow (BBSen) sowie an der IGS Kronsberg in Hannover fanden die ersten Kick-Off-Veranstaltungen der regionalen Netzwerke mit den beteiligten Schulen statt. Das Niedersächsische Kultusministerium hat zusammen mit den Regionalen Landesämtern für Schule und Bildung (RLSB) und dem Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) 20 regionale Netzwerke der beteiligten allgemein bildenden Schulen gebildet. Die zehn beteiligten berufsbildenden Schulen bilden ein landesweites Netzwerk. Bis zum 12. Dezember finden weitere Kick-Off-Veranstaltungen statt. Dabei stehen den 21 Netzwerken jeweils Beratungsteams aus den Regionalen Landesämtern und dem NLQ zur Verfügung.
+++
26. September – Forschungsverbund: Der Forschungsverbund zur wissenschaftlichen Begleitung des Startchancen-Programms hat seine Arbeit aufgenommen. Dem DIPF als Sitz der Gesamtkoordination obliegt zudem die Entwicklung digitaler Lösungen für die Verbundarbeit und die Kommunikation der Ergebnisse. Zum Koordinationsteam am DIPF stößt auch Martina Diedrich, zuvor Direktorin des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) in Hamburg.
+++
5. September – Mittelverteilung: Recherchen von CORRECTIV.Lokal zeigen, dass mehrere Bundesländer kaum zusätzliche Gelder für das Startchancen-Programm bereitstellen. Stattdessen werden bereits bestehende Förderprogramme angerechnet. Außerdem startete das Programm chaotisch: Einige Bundesländer konnten zum Programmbeginn nicht einmal mitteilen, nach welchen Kriterien sie die Gelder an die einzelnen Schulen verteilen und wie viel Geld diese jeweils bekommen.
+++
12. September – Haushaltsdebatte: Der Bundestag hat am Donnerstag über die Haushaltspläne des Bildungs- und des Familienministeriums diskutiert. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger sagte: „Viele haben nicht dran geglaubt – wir haben es jetzt auf den Weg gebracht“, sagte die FDP-Politikerin. Der volkswirtschaftliche Nutzen der insgesamt 20 Milliarden Euro, die Bund und Länder in das Programm investieren, liegt bei 100 Milliarden Euro. Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Nadine Schön, erklärte wiederum, dass sich der „vermeintliche Aufwuchs des BMBF-Haushalts“ vor allem „durch Umbuchungen und die Verschleierung von Ausgaben“ ergebe.
Das Startchancen-Programm im Überblick
Was ist das Startchancen-Programm?
Mit dem Startchancen-Programm sollen 4.000 allgemein- und berufsbildende Schulen mit einem hohen Anteil an sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern speziell gefördert werden. Über zehn Jahre fließen 20 Milliarden Euro von Bund und Ländern in das Programm. Damit soll der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppelt werden. Investitionen sind in drei Bereichen geplant:
- Säule I: Investitionsprogramm für eine zeitgemäße und förderliche Lernumgebung (40 Prozent der Mittel),
- Säule II: Chancenbudget für bedarfsgerechte Lösungen zur Schul- und Unterrichtsentwicklung (30 Prozent),
- Säule III: Personal zur Stärkung multiprofessioneller Teams (30 Prozent).
Ziel ist es, an den geförderten Schulen den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Basiskompetenzen nicht erreichen, zu hablbieren.
Welche Schulen werden gefördert?
Vorgabe in der Bund-Länder-Vereinbarung war eine Auswahl der Schulen nach Sozialindex, der mindestens die Dimensionen Armut und Migration berücksichtigt.
Artikel zum Startchancen-Programm
Online-Veranstaltungen auf dem Campus
Auf dem Campus des Deutschen Schulportals finden Sie Fortbildungen und digitale Impulse aus der Praxis zu relevanten Fragen der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Hier ist eine Auswahl, die insbesondere für Schulen in herausfordernder Lage interessant ist:
Praxistipps zum Thema Unterrichtsentwicklung
Auf dem Schulportal finden Sie viele Artikel, die zeigen, wie Schulen es schaffen, Basiskompetenzen zu stärken. Beiträge zum Thema Basiskompetenzen, Lesen und Mathe haben wir in Dossiers gesammelt. In einem weiteren Dossier beleuchten wir in verschiedenen Beiträgen das Thema Deutsch als Zweitsprache, das für Startchancen-Schulen eine besondere Herausforderung ist.
Basiskompetenzen – Grundstein des Lernens
Wie können Schulen Basiskompetenzen besser vermitteln? Wie hängen Basiskompetenzen und Mindeststandards zusammen? Wie sind diese Begriffe überhaupt definiert? Das Dossier befasst sich mit diesen Fragen und lässt dazu Stimmen aus Bildungsforschung und Praxis zu Wort kommen.
Die Mathe-Wende: Wie Kinder besser Mathe lernen
Brauchen Schülerinnen und Schüler einen anderen Mathe-Unterricht, und welche neuen Ansätze gibt es da? Das Schulportal hat dazu Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft befragt, zeigt, wie forschendes Lernen an einer Grundschule aussieht und stößt Diskussionen an.
Wie lernen Kinder richtig Lesen?
Jeder fünfte 15-jährige Jugendliche kann nicht richtig lesen. Wie können Schulen darauf reagieren, und was machen andere Länder besser? Das Schulportal hat diese Fragen in verschiedenen Beiträgen beleuchtet und in diesem Dossier zusammengefasst.
DaZ-Unterricht – wie zugewanderte Schüler am besten Deutsch lernen
Wir stellen verschiedene Konzepte vor, die sich bewährt haben, und gehen der Frage nach, welche Voraussetzungen es braucht, damit die Sprachförderung besser gelingt.
Hier haben wir Artikel aus den Dossiers ausgewählt, die speziell für Startchancen-Schulen und anderen Schulen in herausfordernder Lage Impulse für die Unterrichtsentwicklung bieten:
Aus der Wissenschaft
Der Forschungsverbund zur wissenschaftlichen Begleitung des Startchancen-Programms hat am 26. September 2024 seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, dass die an dem Programm beteiligten Schulen sowie ihr Steuerungs- und Unterstützungssystem umfassend von wissenschaftlicher Expertise profitieren.
Der Verbund zur wissenschaftlichen Begleitung und Forschung für das Startchancen-Programm wendet sich vor allem an die Unterstützungssysteme von Schulen in sozial herausfordernden Lagen. Dazu gehören zum Beispiel die Schulträger, die Kommunen, die Schulaufsichten, die Verwaltung in den Ministerien und die Landesinstitute.
Ein weiterer Fokus wird auf Konzepten und Materialien für die Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie für das Arbeiten in Netzwerken liegen. Zudem wird der Verbund die pädagogischen Fachkräfte, die zum Beispiel in übergreifenden fachlichen Netzwerken aktiv sind, beraten und weiterqualifizieren.
Der Verbund umfasst insgesamt 20 wissenschaftliche Institute und Hochschulen mit einem breiten fachlichen Hintergrund. Ein erweiterter Leitungskreis setzt sich aus Forschenden des DIPF, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, des IPN – Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, der Universität Duisburg-Essen, der Universität Mannheim und der Universität Potsdam zusammen. Dem DIPF als Sitz der Gesamtkoordination obliegt zudem die Entwicklung digitaler Lösungen für die Verbundarbeit und die Kommunikation der Ergebnisse.
Die Arbeit des Verbunds wird in fünf Kompetenzzentren, zwei Transfer- und Transformations-Hubs sowie einem Governance-Zentrum organisiert. Das Governance-Zentrum konzentriert sich auf Steuerungsansätze und Kooperationsformate. In den Kompetenzzentren werden unter anderem Materialien und Qualifizierungen entwickelt, während die Transfer- und Transformations-Hubs Austausch- und Abstimmungsprozesse initiieren und begleiten.
Kooperationen im Verbund sind:
- Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Uta Klusmann)
- Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) – Wissenschaftliche Einrichtung der Länder an der Humboldt-Universität zu Berlin e.V. (Prof. Dr. Petra Stanat)
- IPN Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik Berlin (Prof. Dr. Susanne Prediger)
- Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Gabriele Bellenberg)
- Technische Universität Chemnitz (Prof. Dr. Michael Krelle)
- Technische Universität Dortmund (Prof. Dr. Daniela Götze)
- Universität Duisburg-Essen (Prof. Dr. Isabell van Ackeren-Mindl)
- Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Nina Bremm)
- Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Dr. Charlotte Dignath)
- Pädagogische Hochschule Freiburg (Prof. Dr. Frank Reinhold)
- Universität Hamburg (Jun.-Prof. Dr. Kira Weber)
- Universität zu Köln, Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (Prof. Dr. Jörg Jost)
- Universität Mannheim (Prof. Dr. Karina Karst)
- Deutsches Jugendinstitut (Prof. Dr. Susanne Kuger)
- Universität Münster (Prof. Dr. Marcus Nührenbörger)
- Universität Osnabrück (Prof. Dr. Hedwig Gasteiger)
- Universität Paderborn (Prof. Dr. Lena Wessel)
- Universität Potsdam (Prof. Dr. Hanna Dumont, Prof. Dr. Dirk Richter)
- Universität Siegen (Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer)
Evaluation des Startchancen-Programms
Die Evaluation des Startchancen-Programms wird von einem Konsortium unter der Leitung des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (infas) durchgeführt.
Konsortialpartner sind
- das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen,
- das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi),
- die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) Hamburg,
- die Universität Potsdam – Professur für empirische Wirtschaftsforschung,
- das Evaluation Office Caliendo & Partner,
- das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) und
- das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in beratender Funktion.
Das Startchancen-Programm wird nicht nur abschließend, sondern fortlaufend, also auch während der Programmlaufzeit, evaluiert. Erkenntnisse aus diesem Prozess fließen in die Steuerung des Programms ein.
Expert:innenforum Startchancen
Flankierend zu den Bund-Länder-Planungen haben das Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und die Robert Bosch Stiftung im Dezember 2022 gemeinsam eine Initiative gestartet, um Expertinnen und Experten aus Bildungsverwaltung, Wissenschaft, Schulpraxis und Zivilgesellschaft zusammenzubringen und das Startchancen-Programm kritisch zu begleiten: das Expert:innenforum Startchancen (ExSta). Auf einem Startchancen-Blog sind die Analysen, Berichte und Video-Vorträge gebündelt. Das Forum will den Aufbau der neuen Governance-Strukturen im Rahmen des Startchancen-Programms in den 16 Bundesländern abbilden und dabei die Landesebene, die kommunale Ebene und die Schulebene in den Blick nehmen. Die Fachöffentlichkeit ist eingeladen, den Blog mit eigenen Beiträgen oder Kommentaren zu bereichern und ihn somit Plattform für den Austausch von Erfahrungen bei der Umsetzung des Programms zu nutzen. Bei der jüngsten Veranstaltung des Expert:innenforums stand die Zusammenarbeit von multiprofessionellen Teams im Fokus.
Stimmen aus der Wissenschaft
Hier finden Sie Artikel, die sich aus wissenschaftlicher Sicht mit Schulen in herausfordernder Lage befassen. Wir lassen Expertinnen und Experten zu Wort kommen, beleuchten aktuelle Studien, spiegeln Debatten und schauen, was wir von anderen Ländern lernen können.