Sofortausstattungsprogramm : Wie kommen Tablets und Laptops zu den Kindern?

Alle Kinder sollen ein digitales Endgerät haben, damit sie am Fernunterricht teilnehmen können. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Bundesbildungsministerium ein Sofortausstattungsprogramm über 500 Millionen Euro aufgesetzt, das den Digitalpakt Schule ergänzt. Das Geld wird nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Länder verteilt. Die Länder entscheiden darüber, wer die Geräte beschafft und welche Schülerinnen und Schüler sie bekommen sollen. Das Schulportal hat in einigen Bundesländern nachgefragt, wie sie das Sofortprogramm umsetzen.

Annette Kuhn / 25. Mai 2020
Kinderhände auf Tablet
Mit den 550 Millionen Euro aus dem Sofortausstattungsprogramm soll sichergestellt werden, dass alle bedürftigen Kinder und Jugendlichen für den Fernunterricht digitale Endgeräte bekommen.
©Rolf Vennenbernd/dpa

Auch im neuen Schuljahr wird der Fernunterricht weiterlaufen. Wann der Unterricht in den Schulen wieder vollständig aufgenommen werden kann, ist derzeit noch nicht absehbar. Nicht jedes Kind verfügt aber über ein digitales Endgerät, um am Video-Unterricht teilzunehmen und Online-Aufgaben zu bearbeiten. Daher hat der Koalitionsausschuss bereits Ende April ein Sofortausstattungsprogramm beschlossen, um alle bedürftigen Schülerinnen und Schülern entsprechend auszustatten.

Das neue Programm ist eine Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt Schule. In einer gemeinsamen Pressekonferenz Mitte Mai haben Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sowie die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig (SPD), Details zur Umsetzung des Programms bekanntgegeben. Die 500 Millionen Euro werden demnach nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt und von ihnen durch einen Eigenanteil von zehn Prozent aufgestockt. Somit sollen 550 Millionen Euro für die Ausstattung bereitstehen. Einige Bundesländer haben angekündigt, dass sie ihren Anteil noch zusätzlich durch Landesmittel erhöhen.

Sofortausstattungsprogramm sieht vor, dass Schulen Kriterien festlegen

Das Geld wird nicht – wie ursprünglich angedacht – direkt an die anspruchsberechtigten Familien ausbezahlt, sondern die Schulträger und Schulen sind für die Beschaffung der Geräte zuständig. „Die Schulen können am besten beurteilen, nach welchen sozialen Kriterien, aber auch nach welchen pädagogischen Erfordernissen die Geräte eingesetzt werden sollen. Und deshalb sollen auch die Schulen selbst die Kriterien und die Verteilung  der Geräte an die Schülerinnen und Schüler festlegen“, sagte Anja Karliczek bei der Pressekonferenz. Eine schnelle und unbürokratische Hilfe versprach auch Stefanie Hubig bei der Vorstellung des Sofortprogramms: „Wir werden jetzt vor Ort dafür sorgen, dass das Geld schnell dorthin kommt, wo es in digitale Endgeräte umgesetzt werden kann.“

Geplant ist, dass die Tablets oder Laptops im Besitz der Schulen bleiben und an die entsprechenden Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden. Einen Zeitpunkt, wann die Geräte für den Fernunterricht zur Verfügung stehen, konnten Hubig und Karliczek allerdings noch nicht nennen. Da in einigen Bundesländern die Sommerferien bereits Ende Juni beginnen, wird es wahrscheinlich erst im kommenden Schuljahr so weit sein. Geklärt werden muss außerdem, wie sichergestellt wird, dass auch alle Kinder eine Netzanbindung haben. Dazu werde der Bund in Absprache mit den Ländern Lösungen mit Mobilfunkanbietern erarbeiten, versprach die Bundesbildungsministerin.

Das Schulportal hat in einigen Bundesländern nachgefragt, welche Details zum Sofortausstattungsprogramm und seiner Umsetzung schon jetzt bekannt sind.

Baden-Württemberg

Nach dem Königsteiner Schlüssel erhält Baden-Württemberg 65 Millionen Euro aus dem Sofortausstattungsprogramm. Das Land will die Summe mit Landesmitteln auf insgesamt 130 Millionen Euro verdoppeln. „Es darf nicht sein, dass ein Kind in Baden-Württemberg benachteiligt ist, weil es keinen Laptop zur Verfügung hat“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Sie schätzt, dass das Land mit den 130 Millionen Euro ungefähr 300.000 Geräte zur Verfügung stellen kann. Damit wären etwa 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg versorgt. Außerdem sollen mit dem Geld auch die technischen Programme und eine entsprechende Lehrkräftefortbildung finanziert werden. „Denn wichtig ist, dass Laptops, Tablets und Co nicht nur zur Verfügung stehen, sondern auch pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden“, so Eisenmann.

Das Kultusministerium erarbeitet dazu gemeinsam mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung ein Konzept.Die zusätzlichen Mittel müssen im Nachtragshaushalt noch beschlossen werden. Erste Vorgespräche zur Umsetzung laufen aber bereits mit den kommunalen Landesverbänden und der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen. Das Geld soll dann den Schulträgern zur Verfügung gestellt werden, die auch für die Beschaffung der Geräte zuständig sind. Sie wüssten am besten, welche Geräte in das jeweilige Schulkonzept passen und wie groß der Bedarf an der Schule ist, heißt es auf Nachfrage aus dem Kultusministerium.

Die Schulen sollen die Geräte dann an die Kinder und Jugendlichen ausleihen. Zum konkreten Zeitplan gibt es noch keine Details. „Schnellstmöglich“, sagte dazu ein Sprecher des Kultusministeriums dem Schulportal.

Hamburg

Die Hansestadt will 25.000 Tablets und Laptops für Schülerinnen und Schüler bestellen. 18.000 könnten mit den Bundesmitteln von 12,8 Millionen Euro aus dem Sofortausstattungsprogramm finanziert werden. Zusätzlich will der Stadtstaat noch weitere Geräte aus Landesmitteln finanzieren. Die Beschaffung solle zentral über die Schulträger laufen. Die Geräte sollten mit einer einheitlichen Software ausgestattet werden. Der Verleih an die Kinder und Jugendlichen sowie die Wartung der Geräte organisieren dann die Schulen. Ein „erheblicher Anteil“ der digitalen Endgeräte sollten den Schülerinnen und Schülern zu Beginn des neuen Schuljahres zur Verfügung stehen, heißt es in einer Mitteilung der Schulbehörde.

Niedersachsen

Niedersachsen erhält aus dem Sofortausstattungsprogramm 47 Millionen Euro für die Anschaffung von schulgebundenen mobilen Endgeräten. „Das Programm ist dabei nicht das Ende, aber ein guter Anfang“, sagte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in der vergangenen Woche. Zuständig für die Beschaffung von Tablets, Notebooks oder Laptops sind auch hier die kommunalen und privaten Schulträger. Die Geräte werden dann den Schülerinnen und Schülern mit entsprechendem Bedarf leihweise zur Verfügung gestellt. In der Corona-Krise habe man die Anschaffung von mobilen Endgeräten aus dem Digitalpakt Schule vereinfacht. Dadurch können Schulträger aktuell schneller mobile digitale Endgeräte beschaffen, heißt es in einer Mitteilung des Kultusministeriums.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz bekommt aus dem Sofortausstattungsprogramm 24 Millionen Euro zugeteilt. Von diesem Geld werden von den Schulen bzw. den Schulträgern Laptops, Notebooks und Tablets beschafft, die sich in die vorhandene Infrastruktur integrieren lassen. Neben diesem Programm gibt es im Land bereits Maßnahmen, um Schülerinnen und Schüler über Leihsysteme mit Endgeräten auszustatten. „Dazu gehört, dass das Land und die kommunalen Spitzenverbände 25.000 Laptops und 12.000 Tablets bereitgestellt haben“, teilte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums auf Anfrage dem Schulportal mit. Darüber hinaus gebe es auch Fördervereine an Schulen, die sehr schnell reagiert und schon von sich aus Leihgeräte für ihre Schülerinnen und Schüler angeschafft hätten.

Die Geräte sollen primär Schülerinnen und Schüler bekommen, die zu Hause nicht auf eine entsprechende Ausstattung zurückgreifen können. Entscheidend ist, ob es einen „besonderen Bedarf zum Ausgleich sozialer Ungleichgewichte gibt, die das Erreichen der Unterrichtsziele gefährden“, heißt es im Bildungsministerium. Die Entscheidung darüber treffen die Schulen. Die Endgeräte werden „für die Zeit des eingeschränkten Schulbetriebs durch Corona“ ausgeliehen.
Der Zeitplan sieht vor, dass die Geräte „so schnell wie möglich“ bei den Kindern und Jugendlichen ankommen. Die Mittel sollen 2020 ausgegeben werden, heißt es im Bildungsministeriums.

Sachsen

Den Schulen in Sachsen stehen nach dem Königsteiner Schlüssel rund 25 Millionen Euro aus dem Sofortausstattungsprogramm zur Verfügung. Die Mittel würden für 30.000 bis 40.000 Geräte reichen. Mit den bereits vorhandenen Geräten könne das Land so mehr als jedes zehnte Kind in der Schule mit einem Gerät ausstatten. Diese Quote schätzt das Kultusministerium als angemessen ein. Zuständig für die Wahl und die Beschaffung der Geräte sind – wie in den anderen Bundesländern – die Schulträger. „Die Medienpädagogischen Zentren haben dazu eine hohe Expertise und beraten“, heißt es auf Anfrage des Schulportals beim Kultusministerium. Die Schulen vor Ort entscheiden darüber, welchen Schülerinnen und Schülern die Geräte leihweise zur Verfügung gestellt werden. „Die Geräte bleiben im Eigentum des Schulträgers und sind nach Ende der Leihfrist zurückzugeben.

Das Kultusministerium zielt auf ein möglichst unbürokratisches Verfahren und auf Beschaffungen möglichst im Jahr 2020“, sagte eine Sprecherin dem Schulportals. Wenn die Schülerinnen und Schüler keinen Internetzugang haben, will Sachsen individuelle Lösungen finden, „die vom Austausch physischer Datenträger über Mobilfunklösungen bis hin zu Veränderungen des Lernortes gehen können“.

 Schleswig-Holstein

17 Millionen Euro fließen aus dem Sofortausstattungsprogramm nach Schleswig-Holstein. „Damit können wir einen entscheidenden Schritt weitergehen in Richtung Lernen mit digitalen Medien und zugleich mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen“, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) in der vergangenen Woche. Schleswig-Holstein will die Summe aufstocken und zusätzlich 15 Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung stellen. Eine Förderrichtlinie zur Umsetzung des Sofortprogramms sei in Arbeit. Wenn diese beschlossen sei, könne das Geld an die Schulträger gehen, die dann Beschaffung und Verteilung organisieren.

Auf einen Blick

  • Das Sofortausstattungsprogramm hat ein Volumen von 550 Millionen Euro. Das Bundesbildungsministerium stellt 500 Millionen Euro zur Verfügung, dazu kommt ein Pflichtanteil von zehn Prozent von den Bundesländern.
  • Das Programm ist eine Ergänzung zum Digitalpakt Schule. Mit ihm stellt der Bund bis 2024 insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung, um die Digitalisierung in den Schulen umzusetzen.
  • Auch beim Digitalpakt bringen die kommunalen und privaten Schulträger beziehungsweise die Bundesländer zusätzlich einen finanziellen Eigenanteil ein. Damit ergibt sich insgesamt eine Summe von 5,5Milliarden Euro.
  • Rein rechnerisch bedeutet dies für jede der etwa 40.000 Schulen in Deutschland im Durchschnitt einen Betrag von rund 138.000 Euro oder, umgerechnet auf die derzeit rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler, eine Summe von etwa 500 Euro pro Schüler.