Buchtipp : So gelingt Mehrsprachigkeit in der Kita

Vielerorts entstehen immer mehr zwei- und mehrsprachige Kitas, doch die Qualitätskriterien sind oft unklar. Was ist unter dem Prinzip Immersion genau zu verstehen? Und welche Bedeutung spielt die Musik beim Erlernen einer zweiten Sprache? Das neue kostenlose Handbuch mit dem Titel „QITA – Qualität in zwei- und mehrsprachigen Kindertageseinrichtungen“ zeigt, wie Kinder in der Kita mehrere Sprachen lernen.

Florentine Anders / 14. Januar 2020

Immer mehr Kinder wachsen in Deutschland mehrsprachig auf. Mit der Förderung dieser Mehrsprachigkeit in den ersten Lebensjahren wird ein wesentlicher Grundstein für eine erfolgreiche Bildungsbiografie von Kindern gelegt. Darüber sind sich auch Eltern zunehmend bewusst. Viele wünschen sich eine Kita oder Schule, in denen die Mehrsprachigkeit der Kinder gefördert wird. Entsprechend wächst auch das Angebot an zwei- oder mehrsprachigen Kitas und Schulen.

Ein neues Handbuch  für pädagogische Fachkräfte definiert nun Qualitätskriterien für zwei- und mehrsprachige Kindertageseinrichtungen. Die Publikation mit dem Titel „QITA – Qualität in zwei- und mehrsprachigen Kindertageseinrichtungen“ von Nadine Kolb und Uta Fischer richtet sich vor allem an diejenigen, die in solchen Einrichtungen tätig sind. Dass der Bedarf an praktischer Handreichung, die auf wissenschaftlichen Kenntnissen beruht, groß ist, zeigten die regelmäßigen Fragen von Kita-Fachkräften und Trägern an den Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen (fmks). Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung, brachte der Verein das im November 2019 im Universitätsverlag Hildesheim erschienene Handbuch auf den Weg.

Fünf Kitas haben die Handlungsempfehlungen in der Praxis erprobt

Um das Buch so praxisnah wie möglich zu gestalten, arbeiteten Expertinnen und Experten eng mit fünf zwei- und mehrsprachigen Kindertagesstätten zusammen. Wichtig dabei war, dass die Kitas sich in Größe, den Sprachen und in ihren Konzepten unterschieden. Vier dieser Projektkitas arbeiten nach dem Prinzip der Immersion, bei dem die Kinder in ein sogenanntes Sprachbad eintauchen. Eine Kita folgt dem Prinzip Translanguaging. Bei diesem Ansatz geht es um einen situationsorientierten Gebrauch der Sprachen.

Die Beispiele zeigen: Kinder können in einer anregenden Umgebung innerhalb weniger Monate eine Zweitsprache so erlernen, dass sie sich in Alltagssituationen verständigen können. Dabei durchlaufen die Kinder verschiedene Phasen. Entscheidend sind Qualität und Quantität des sprachlichen Inputs.

Ausführlich wird in dem Buch ein Instrumentenkasten beschrieben, wie pädagogische Fachkräfte die sprachliche Entwicklung unterstützen können. Wichtig sind zum Beispiel Mimik und Gestik, wiederkehrende Rituale oder auch Musik, Bewegung und Rollenspiele.

Das Handbuch gibt Orientierung für die tägliche pädagogische Arbeit, die Qualitätsentwicklung oder für die Erstellung eines Sprachenkonzeptes einer Einrichtung. Dem Autorenteam ist es gelungen, auf 167 Seiten sehr praxisnahe Hilfestellungen zur Umsetzung der neun definierten Qualitätskriterien zu geben.

Auf einen Blick

Nadine Kolb und Uta Fischer, unter Mitarbeit von Eva Hammes-Di Bernardo, Annette Lommel, Ilka Maserkopf und Andreas Rohde: „QITA – Qualität in zwei- und mehrsprachigen Kindertageseinrichtungen. Kriterienhandbuch für den Bereich Sprache und Mehrsprachigkeit“, 167 Seiten. Erschienen 2019 im Universitätsverlag Hildesheim.

Das Handbuch kann kostenlos heruntergeladen werden.

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Deutsche Schule „Mariscal Braun“ La Paz (Bolivien)
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  • Anregungen zur Immersions-Methode für Kitas und Schulen das Schulportal mit dem Konzept der Deutschen Schule „Mariscal Braun“ in Bolivien: Von der Kita an bis zur Berufsausbildung erlernen auf dem Campus in La Paz spanischsprachige Kinder die deutsche Sprache. Unter dem Titel „Das ,Sprachbad` – Mit Immersion zur Bilingualität“ gibt es auf dem Schulportal ein anschauliches Video zur Methode sowie eine ausführliche Beschreibung zur Umsetzung an der Schule, die 2019 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde.
  • Im Dossier „Übergang von der Kita in die Grundschule“ finden sich verschiedene Beiträge, die zeigen, wie nach der Kita Bildungsbiografien in der Grundschule ohne Brüche fortgesetzt werden können.