News-Blog : Wie es an den Schulen jetzt läuft – und im neuen Schuljahr weitergeht

Viele Bundesländer sind aufgrund sinkender Infektionszahlen wieder zum Präsenzunterricht in voller Klassenstärke zurückgekehrt. Und die Kultusministerkonferenz (KMK) ist überzeugt, dass es auch im kommenden Schuljahr nicht mehr zu flächendeckenden Schulschließungen kommt. Das Schulportal informiert in diesem News-Blog täglich über Schulöffnungen, Corona-Testpflicht, Impfungen, Abschlussprüfungen, Corona-Aufholprogramm und über die Pläne für das neue Schuljahr. Teilen Sie dabei die Zuversicht der KMK, dass es dann nicht mehr zu Schulschließungen kommt? Machen Sie mit bei unserer aktuellen Umfrage.

Annette Kuhn / 12. Juni 2021
Schulöffnungen Federtasche mit Corona-Test
Mit der neuen Infektionsschutzverordnung gibt es an allen Schulen eine Corona-Testpflicht.
©Julian Stratenschulte/dpa

Neues Schuljahr, 11. Juni: Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) geht davon aus, dass es im kommenden Schuljahr nicht wieder zu Schulschließungen kommt. „Unser Wunsch ist: Das Schuljahr soll mit so viel Normalität wie möglich starten. Das bedeutet, dass wir von einem regelhaften Präsenzunterricht in allen Fächern und allen Jahrgängen ausgehen”, sagte die derzeitige Präsidentin und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Freitag nach dem Ende der Beratungen mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Ländern.

Es gebe die klare Perspektive, dass der Schulbetrieb im neuen Schuljahr mit allen Aspekten wieder aufgenommen werden könne, einschließlich Klassenfahrten, Exkursionen oder AGs, sagte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) sieht Deutschland „weit entfernt von den Zuständen, die wir vor einem Jahr nach den Sommerferien hatten.” Er verwies dabei auch auf den Impffortschritt. Maßnahmen wie eine Maskenpflicht oder Corona-Tests könnten allerdings weiter notwendig sein.

Natürlich wolle man irgendwann wieder Unterricht ohne Masken und Tests, sagte Lorz. Dieses „Arsenal” an Sicherheitsmaßnahmen müsse man sich aber vorbehalten, fügte er mit Blick auf die unklare Entwicklung in der Pandemie hinzu.

Auch vor einem Jahr im Sommer hatten die Kultusministerinnen und Kultusminister allerdings schon versichert, dass es möglichst nicht noch einmal zu Schulschließungen wie zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 kommen solle. Im Dezember war es schließlich angesichts der stark steigenden Infektionszahlen dann aber doch wieder soweit. Und diesmal dauerten die Schließungen sogar noch viel länger.

Die Bildungsgewerkschaft VBE kritisiert den Beschluss der KMK. „Es ist schwer vorstellbar, dass sich das Infektionsgeschehen davon beeindrucken lässt, dass die Kultusministerkonferenz die Pandemie anscheinend für beendet erklärt”, sagte VBE-Chef Udo Beckmann. Die KMK bleibe die Frage schuldig, welche Maßnahmen sie vorbereitet, wenn die Inzidenzen im Herbst doch wieder steigen sollten. Die Möglichkeit einer vierten Welle werde einfach ignoriert.

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Finden Sie es richtig, dass die KMK das neue Schuljahr nur für vollen Präsenzunterricht plant und sich nicht auf andere mögliche Szenarien vorbereitet?
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Aktueller Stand in den Bundesländern

In immer mehr Bundesländern sind die Schulen zum Präsenzunterricht für alle Kinder und Jugendliche in voller Klassenstärke zurückgekehrt. Wegen niedriger Inzidenzzahlen fällt sogar schon wieder die Maskenpflicht im Unterricht. Hier der aktuelle Stand in den Bundesländern zu Schulöffnungen, Corona-Teststrategien an Schulen, Impfungen, Aufholen von Lernrückständen und Abschlussprüfungen:

Chronik: Überregionale News, Entscheidungen und Reaktionen

Prüfungen, 9. Juni: Die Bundesschülerkonferenz warnt davor, die letzten Schulwochen vor der Sommerpause mit Tests und Prüfungen zu überfrachten. „Ich sehe eine große Gefahr, dass die oberste Priorität in den Schulen jetzt ist, Leistung abzuprüfen”, sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Klassenarbeiten, Tests, Klausuren und Prüfungen seien lange Zeit nicht möglich gewesen. Die Lehrerinnen und Lehrer stünden unter Druck, Zensuren zu vergeben. Dennoch müssten sich Kultusministerien, Schulen und Lehrkräfte fragen, welche Prüfungen wirklich nötig seien. „Ich appelliere an alle Beteiligten, aus den verbleibenden Schulwochen keine Pauk- und Prüfungscamps zu machen”, mahnte Schramm.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte dem RND, die meisten Bundesländer machten bei den schriftlichen Leistungserhebungen und Prüfungen in diesem Jahr deutliche Abstriche. Das sei auch richtig so. Weder beim Unterrichtsstoff noch bei Klassenarbeiten und Klausuren könne in kürzester Zeit nachgeholt werden, was sich durch die Pandemie an Aufholbedarf aufgestaut habe. Klar müsse aber auch sein, dass man nicht auf jegliche „Lernstandserhebungen” verzichtet werden könne, machte Meidinger deutlich.

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Kleinere Grundschulklassen, 5. Juni: Die Linke fordert als Konsequenz aus dem Corona-bedingten Wechselunterricht kleinere Grundschulklassen. Die kleineren Lerngruppen als Notlösung in der Pandemie seien von den Kindern positiv wahrgenommen worden, sagte Linke-Chefin Janine Wissler der Funke Mediengruppe. „Das Lernen fällt leichter, Inklusion funktioniert besser und Wohlbefinden ist höher”, befand Wissler. Sie schlug eine Klassengröße von 15 Kindern pro Grundschulklasse vor. Das sei nicht sofort erreichbar, aber auch nicht utopisch. Haupthindernis sei der Mangel an Lehrerinnen und Lehrern. Daher sei ein bundesweites Programm für mehr Lehramts-Studienplätze und die Umwandlung von befristeten in sichere Stellen notwendig.

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Corona-Testkonzepte für das neue Schuljahr, 3. Juni: Der Virologe Alexander Kekulé hat Schulen aufgefordert, sich schon jetzt eine Corona-Teststrategie für den Herbst zu überlegen. „Ich halte es für unrealistisch, dass im Herbst alle Kinder geimpft sein werden”, sagte der Professor an der Universität Halle-Wittenberg am Donnerstag im Podcast „Corona-Kompass” von „MDR Aktuell”. 20 bis 30 Prozent der Kinder werden dann noch nicht geimpft sein, so Kekulé. Dann komme man um Corona-Tests in den Schulen nicht herum.

Er rechne fest mit einer weiteren Corona-Welle im Herbst, so der Virologe. Trotz sinkender Corona-Fallzahlen mahnte er zur Vorsicht. „Wenn wir uns locker machen, nach dem Motto: Wird schon nicht so schlimm sein wie vor einem Jahr, dann ist das ein Automatismus, dass die Fallzahlen und die Sterblichkeiten wieder hochgehen.”

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Corona-Folgen für junge Menschen, 2. Juni: Die Corona-Pandemie hat nach Einschätzung der Sozialforscherin Ulrike von Wölfel viele junge Menschen aus der Bahn geworfen. Die Jugendämter in den Kommunen müssten auf diese Situation reagieren und die Hilfen zur Erziehung verlängern und aufstocken, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. In den Behörden würden Auswirkungen der Krise auf junge Menschen zu wenig beachtet.

Jugendämter seien in der Corona-Pandemie zur Improvisation gezwungen gewesen und personell ausgedünnt worden, weil sich Mitarbeiter um andere Aufgaben im Corona-Krisenmanagement kümmern mussten. Die Aufnahme und Unterbringung von Kindern im Fall von Notsituationen sei während der Pandemie bundesweit um 20 Prozent gestiegen. Eine fachlich fundierte Arbeit sei anfangs kaum noch möglich gewesen, sagte die Expertin. Manche Kommunen hätten eine Weiterführung der Hilfe nur gewährt, wenn eine Gefährdung des Kindeswohls zu erwarten gewesen sei.

„Die Krise hat eine Zuspitzung gebracht. Da gibt es nichts zu relativieren”, sagte von Wölfel und befürchtet nun starke Nachwirkungen. Die Benachteiligung betroffener Kinder und Jugendlicher bei der Bildung werde sich noch vergrößern: „Diejenigen, die es bitter nötig hatten, waren von Hilfen vorübergehend abgeschnitten. Psychische Erkrankungen werden zunehmen. Da ist eine Kluft entstanden, die man nur schwer überbrücken kann.” Für Kommunen dürfte es angesichts einer angespannten finanziellen Lage schwer werden, Angebote wie ambulante Hilfen oder Familientherapie in ausreichendem Maße zu finanzieren.

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Längere Unterrichtstage, 1. Juni: Eine Verlängerung der Schultage nach der Pandemie, wie in Großbritannien geplant, sehen Lehrervertreter und Bundesbildungsministerium in Deutschland eher nicht. „Jetzt ist vor allem wichtig, dass wir zum Normalbetrieb zurückkehren. Das allein ist schon eine Kraftanstrengung, auch weil der Infektionsschutz weiter beachtet werden muss”, sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Sie verwies auf das Aufholprogramm mit Nachhilfeangeboten, das Bund und Länder gerade auf den Weg bringen. „Dieses Aufholprogramm wird für viele Schülerinnen und Schüler zusätzliche Lernzeit bedeuten. Ob darüber hinaus eine Verlängerung der Unterrichtszeit um eine halbe Stunde sinnvoll und in Deutschland vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels kurzfristig umsetzbar wäre, müsste genau abgewogen werden.”

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, äußerte sich ebenfalls skeptisch. Die Situation sei mit der in Großbritannien nicht ganz vergleichbar, sagte er der dpa. Dort gebe es die Ganztagsschule, an die einfach eine halbe Stunde herangehängt werde. In Deutschland gebe es überwiegend Halbtagsschulen. „Wir brauchen für zusätzliche Angebote auch zusätzliche Lehrkräfte, die wir aufgrund des massiven Lehrermangels derzeit nicht haben.”

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Digitalisierung, 1. Juni: Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung in den Schulen zwar beschleunigt, doch es gibt weiterhin deutliche Lücken bei der technischen Ausstattung. Wie aus einer repräsentativen Studie der Universität Göttingen hervorgeht, stellt beispielsweise jede zweite Schule kein WLAN für Schülerinnen und Schüler bereit. Zudem habe sich eine deutliche Kluft zwischen einzelnen Schulen etwa in Sachen digitaler Kompetenz gebildet, erklärte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die am Dienstag erste Ergebnisse der Umfrage präsentierte. Auch die Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer sei noch einmal gewachsen.

„Das Lernen mit digitalen Medien und Tools wird an deutschen Schulen extrem ungleich umgesetzt”, hieß es. Diese digitale Kluft gefährde die Kompetenzentwicklung und die gleichberechtigte Teilhabe. Für die Studie waren Anfang 2021 bundesweit mehr als 2.000 Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe I und II befragt worden. Demnach sind etwa ein Drittel der Schulen sogenannte Nachzügler in Sachen Digitalisierung, zwölf Prozent sind „Vorreiter”.

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Luftfilter, 31. Mai: Der Bund wird nach Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) den Einbau von Luftfiltern in Klassenräumen jüngerer Schülerinnen und Schüler fördern. Sie sprach am Montag in Berlin von festinstallierten Filtern in Räumen, in denen unter 12-Jährige unterrichtet werden, die noch nicht geimpft werden könnten. „Da unterstützen wir jetzt nochmal die Länder oder beziehungsweise die Kommunen (…), dass sie über den Sommer jetzt feste Installationen einbringen können”, sagte Karliczek.

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Studie zu Aerosolen, 26. Mai: Kinder verbreiten beim Sprechen und Singen viel weniger der für eine Übertragung von Coronaviren relevanten Aerosole als Erwachsene. Das hat eine Untersuchung der Charité und der TU Berlin unter Federführung des Phoniaters Dirk Mürbe ergeben. „Kinder im Grundschulalter emittierten beim Sprechen eine Anzahl von Partikeln in der Größenordnung wie Erwachsene beim Atmen, und beim Singen emittierten sie ähnlich viele Partikel wie Erwachsene beim Sprechen”, sagte Mürbe, Direktor der Klinik für Audiologie und Phoniatrie an der Charité, der Deutschen Presse-Agentur. Die Anzahl der Aerosole hänge dabei stark von der Lautstärke ab. Der Befund könne nicht nur bei der Entscheidung für Präsenzunterricht an Schulen eine Rolle spielen, sondern auch für die Arbeit von Kinderchören.

Mürbe zufolge bedeutet das aber nicht, dass Schulunterricht oder Chorproben und -konzerte unabhängig von der Infektionslage und ohne Beschränkungen stattfinden können. Allerdings sei je nach äußeren Umständen wie Größe des Raumes, Anzahl und Aufenthaltsdauer der Kinder sowie den Lüftungskonzepten mehr möglich als bisher praktiziert.

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Umfrage zum Präsenzunterricht, 25. Mai: Knapp zwei Drittel der Bundesbürger sind unter Einhaltung von Test- und Hygienekonzepten für eine sofortige Rückkehr der Schulen zum Präsenzunterricht. 65,2 Prozent sind einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag der FDP-Bundestagsfraktion auf jeden Fall oder eher dafür. Die Umfrage liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. 24,7 Prozent sind auf jeden Fall oder eher dagegen. Jeder Zehnte ist unentschieden. Die Mehrheit für die sofortige Rückkehr zum Präsenzunterricht reicht von 78,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 55 Prozent in Bremen.

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Lernstandserhebungen, 22. Mai: An den Schulen soll der Lernstand der Schülerinnen und Schüler nach den Worten von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek noch vor den Sommerferien flächendeckend gesondert überprüft werden. Dies sei mit den Ländern vereinbart worden, erklärte die CDU-Politikerin im Deutschlandfunk. Damit sollten Nachhilfeprogramme im neuen Schuljahr passgenauer ausgerichtet werden können.

Mit den Programmen sollen coronabedingte Lernlücken geschlossen werden. Der Bund stellt für diesen Zweck eine Milliarde Euro bereit und für soziale Förderprogramme eine weitere Milliarde.

Die Tests sollten in den kommenden Wochen nicht als bundesweite Vergleichstests durchgeführt werden, sondern niedrigschwellig als Klassenarbeit, „aber ein bisschen standardisierter”, wie sie sagte. „Dafür gibt es Module, die jetzt länderübergreifend genutzt werden können.” Auf der Basis sollten die jeweiligen Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer dann individuelle Empfehlungen aussprechen, was nachzuholen sei.

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Studie zu Belastungen von Schulkindern, 21. Mai: Weniger Treffen mit Freunden, kein regulärer Schulunterricht: Die Corona-Pandemie belastet einer Studie zufolge viele Kinder und Jugendliche in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Mädchen und Jungen ist im vergangenen Jahr unglücklicher geworden, wie der am Freitag veröffentliche Präventionsradar 2021 der DAK-Gesundheit ergab. Die Lebenszufriedenheit sei im Schnitt aller befragten Kinder um rund 20 Prozent im Vergleich zu der Situation vor der Corona-Krise gesunken.

Jedes dritte Kind fühle sich zudem in der Schule nicht ausreichend vor dem Virus geschützt. 56 Prozent hielten die Corona-Regeln dort dagegen für angemessen. Gleichzeitig hätten die emotionalen Probleme stark zugenommen – vor allem bei Mädchen, wie die Krankenkasse mitteilte. In der aktuellen Befragung zeigen 23 Prozent Symptome depressiver Störungen wie Traurigkeit, geringes Selbstwertgefühl, Interessensverlust und sozialen Rückzug. Im Vorjahr waren es 18 Prozent. Den Angaben zufolge führt auch der Wegfall vieler Sportangebote zu Problemen: Insgesamt sei der Anteil der Befragten mit ausreichender Bewegung im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel gesunken. Die Mehrheit komme nicht auf die wissenschaftlich empfohlenen 90 Minuten täglich.

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Studie zu Schulschließungen, 20. Mai: Fast ein Drittel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland hat während der ersten coronabedingten Schulschließungen im Frühjahr 2020 keinen regelmäßigen Kontakt zu seiner Schule gehabt. Insbesondere in ländlichen Regionen gelang es nach der Schulleitungs-Studie „Leadership in German Schools” nicht, in Verbindung zu bleiben. Inzwischen hätten die Schulen aber dazugelernt. „Im Vergleich zu den Defiziten von damals ist von einer Verbesserung bei Digitalunterricht und Schulentwicklung auszugehen”, sagte der Tübinger Erziehungswissenschaftler Colin Cramer am Donnerstag.

Die Universitäten Tübingen und Lüneburg sowie die Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz hatten zwischen April und Juni 2020 insgesamt 306 zufällig ausgewählte Schulleitungen allgemeinbildender Schulen befragt. Nur etwa 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den ländlichen Regionen Deutschlands erhielten demnach während der Schulschließung Lernmaterialien über Lernplattformen – in Städten waren es etwa 60 Prozent.

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Aufholprogramm, 20. Mai: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat vor einer Überforderung von Schülerinnen und Schülern beim Aufholen von Lernstoff gewarnt. Es bringe nichts, „Schulstoff in Rekordzeit durchzunehmen, Klausuren und Klassenarbeiten durchzupeitschen. Das stresst nur Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, ohne dass wahrscheinlich nachhaltig Kompetenzen und Wissen gefördert werden”, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Jetzt gelte es, Druck rauszunehmen.

Die Schülerinnen und Schüler seien sehr unterschiedlich durch die Krise gekommen. Deshalb müsse auch individuell geschaut werden, wo Probleme liegen. Einige hätten durch die Pandemie psychische Probleme bekommen. Teilweise falle es ihnen schwer, sich auf schulische Arbeiten zu konzentrieren. Manche hätten auch große Lernrückstände.

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Unterrichtsausfall, 15. Mai: Die knapp elf Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben nach Angaben des Deutschen Lehrerverbandes seit Beginn der Corona-Pandemie auf rund die Hälfte der Schulstunden im Präsenzunterricht verzichten müssen. Seit März 2020 seien durchschnittlich zwischen 350 und 800 Stunden Präsenzunterricht für jede Schülerin und jeden Schüler ausgefallen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der „Bild” am Samstag. „Das ist im Schnitt wohl ein halbes Schuljahr.”

Meidinger verlangte differenzierte Lösungen, um die entstandenen Lücken wieder zu schließen. Nötig seien verpflichtende Zusatzangebote im nächsten Schuljahr, nachmittags, aber auch am Wochenende und in den Ferien. Noch wisse niemand, wo angesichts des Lehrermangels die zusätzlichen Kräfte für die Lernförderung herkommen sollen. „Ohne Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die schon in Rente oder Pension sind, wird es nicht gehen”, warnte er.

Für das kommende Schuljahr rechnet er damit, dass die Schulen zum normalen Unterricht zurückkehren können. „Ich rechne damit, dass der dritten Welle keine vierte mehr folgen wird und das nächste Schuljahr bei anhaltend sinkenden Inzidenzen und weiteren Impffortschritten im Regelbetrieb starten kann”, sagte Meidinger der „Welt”.

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Pöbeleien wegen Corona-Maßnahmen, 11. Mai: Viele Lehrerinnen und Lehrer berichten wegen der Umsetzung von Corona-Maßnahmen an Schulen von Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen. In einer repräsentativen Forsa-Befragung unter 1.500 Lehrkräften im Auftrag der Bildungsgewerkschaft VBE gaben 22 Prozent an, dass ihnen an der eigenen Schule entsprechende direkte Angriffe auf Lehrkräfte im „Zusammenhang mit der Durchsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen” bekannt sind. Von Beschimpfungen und Bedrohungen über E-Mail oder Chats berichteten 25 Prozent.

Zum allergrößten Teil (84 Prozent) gingen die Angriffe von Eltern aus, zum Teil kämen sie aber auch von Erwachsenen, die keine Kinder an der Schule hätten oder von Organisationen, die sich gegen die Corona-Maßnahmen aussprechen. Am häufigsten betroffen sind der Umfrage zufolge Grundschulen, am wenigsten Gymnasien.

Als Beispiele nannte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Dienstag Drohungen beim Elternabend, eskalierende Gespräche, Briefe und Anwaltsschreiben mit der Androhung von Strafanzeigen und Berufsverboten.

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Corona-Tests nach den Sommerferien, 11. Mai: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) rechnet damit, dass auch nach den Sommerferien in den Grundschulen noch Corona-Tests nötig sein werden. „Das neue Schuljahr wird wohl relativ normal starten, wenn sich das Infektionsgeschehen weiter so positiv entwickelt und die Impfbereitschaft weiterhin so gut bleibt. Ich rechne aber damit, dass auch im nächsten Schuljahr überall in den Schulen weiter auf die Einhaltung der grundlegenden Hygieneregelungen geachtet werden muss”, sagte sie der „Rheinischen Post”. Auch werde weiter getestet werden müssen. Das gelte vor allem für die Grundschulen. Im Verlauf des Sommers werde zwar allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot gemacht werden können, wenn der Impfstoff für diese Altersgruppe in den nächsten Wochen wie erwartet zugelassen werde. Bei den jüngeren seien die Studien aber noch nicht so weit.

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Corona-Aufholprogramm, 8. Mai: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat die Länder aufgefordert, eigenes Geld zum „Aufholprogramm” des Bundes für Kinder in der Corona-Krise beizusteuern. Das Bundesgeld sei nur der erste Schritt, um gerade die Lernrückstände abzubauen, sagte Karliczek der „Rheinischen Post”.

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch ein zwei Milliarden Euro schweres Corona-„Aufholprogramm” für Kinder und Jugendliche beschlossen. Rund eine Milliarde Euro sollen in Nachhilfe- und Förderprogramme für Schülerinnen und Schüler gesteckt werden. Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung sozialer Projekte vorgesehen, die Kinder, Jugendliche und Familien unterstützen, um auch in diesem Bereich Krisenfolgen abzufedern. Das Geld soll in diesem und im kommenden Jahr fließen.

Wenn nach den Sommerferien mit dem Programm begonnen werden soll, müssen die Vorbereitungen der Ministerin zufolge jetzt rasch starten. Die Länder seien nun gefragt. „Idealerweise sollten auch bereits die kommenden Sommerferien genutzt werden”, so Karliczek.

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Abitur-Jahrgang, 30. April: Trotz der anhaltenden Ausfälle im Pandemie-Schuljahr rechnet der Tübinger Bildungsforscher Richard Göllner nicht mit Nachteilen für angehende Abiturientinnen und Abiturienten in der Arbeitswelt. „Ich glaube nicht, dass Arbeitgeber systematische Defizite der diesjährigen Absolventen ausmachen werden”, sagte er der „Stuttgarter Zeitung” . „Die Prüfungen sind in der Tiefe genauso anspruchsvoll wie sonst.”

Unter Umständen könnten die schwierigen Umstände durch die Corona-Einschränkungen sogar ein Vorteil auf der Karriereleiter werden. „Denn diese Generation konnte ihre Selbstlernfähigkeiten, die auch für den weiteren Ausbildungserfolg von zentraler Bedeutung sind, besonders gut einüben”, sagte  Göllner, der als Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen forscht. Außerdem gebe es Selbstvertrauen, in schwieriger Lage die bisher wichtigste Prüfung des Lebens erfolgreich zu bestehen.

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Lernförderprogramm, 14. April: Das Corona-Aufholprogramm von Bund und Ländern für Schülerinnen und Schüler soll nach Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erst im Herbst starten. Man wolle ganz bewusst erst in das neue Schuljahr damit gehen, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch im Bundestag mit Blick auf die Belastungen für Familien und Schülerinnen und Schüler  im laufenden Jahr. „Deswegen sollten wir ihnen jetzt nicht noch zusätzliche Aufgaben geben, sondern ab dem Herbst das Nachholprogramm starten.” Sie forderte die Länder – die für Schule selbst zuständig sind – dazu auf, jetzt Lernstände bei den Schülerinnen und Schülern zu erheben, weil sie nur dann gezielt nachsteuern könnten.

Bund und Länder beraten seit einiger Zeit über ein Nachhilfe-Programm. Es geht darum, wie viel Geld unter welchen Bedingungen Berlin den Ländern bereitstellt, um Fördermaßnahmen zu unterstützen, durch die Lernrückstände abgebaut werden könne, die sich durch Schulschließungen und Notbetrieb aufgebaut haben. Im Gespräch ist bisher eine Milliarde Euro. Mit dpa

Umfrage zum Corona-Aufholprogramm

Vor Kurzem haben Bundestag und Bundesrat das Corona-Aufholprogramm beschlossen. Finanziert werden dabei gleichermaßen Maßnahmen, um Lernrückstände aufzufangen und psychische sowie soziale Folgen abzufedern. Wo sehen Sie bei Ihren Schülerinnen und Schülern den größten Bedarf? Bis zum 28. Mai konnten Sie sich an unserer Umfrage beteiligen. Hier sehen Sie das Ergebnis:

1437 Personen haben an der Abstimmung teilgenommen.