Schleswig-Holstein : Notenzeugnisse ab der dritten Klasse

Während die Fachwelt über den Sinn von Noten debattiert, hat das Kultusministerium in Schleswig-Holstein eine klare Entscheidung getroffen: Ab dem kommenden Schuljahr sind Noten­zeugnisse ab der dritten Klasse per Schul­gesetz der Regel­fall. Unter der vorherigen Landes­regierung galten bis zum Ende der dritten Klasse verbale Beurteilungen als Regel­fall. Bildungs­ministerin Karin Prien (CDU) spricht im Inter­view mit dem Schulportal über die Gründe für diese Entscheidung.

Regina Köhler / 18. Juli 2018
Ein Grundschulzeugnis
Auf den Grundschulzeugnissen in Schleswig-Holstein sollen ab der dritten Klasse die verbalen Beurteilungen wieder durch Noten ersetzt werden.
©Carsten Rehder/dpa

Deutsches Schulportal: Frau Prien, Sie wollen im kommenden Schul­jahr wieder Noten­zeugnisse ab der dritten Klasse verpflichtend einführen. Viele Expertinnen und Experten in der Bildungs­forschung dagegen sprechen sich eher für verbale Beurteilungen der Kompetenzen und Lern­fort­schritte. Warum sind Noten für Sie so wichtig?
Karin Prien: Viele Eltern wünschen sich Noten und wünschen sich klare Orientierung, Leistungs­rück­meldung und Vergleich­barkeit. Noten­zeugnisse liefern Beurteilungen nach klaren Kriterien, die den Lehr­kräften durch die Fach­anforderungen und die Bildungs­standards vorgegeben sind. In der neuen Grundschul­verordnung werden daher Noten­zeugnisse verpflichtend eingeführt, allerdings können sich die Grund­schulen, die das wünschen, durch Schulkonferenz­beschluss dafür entscheiden, Berichts­zeugnisse zu erstellen.

Welche Probleme gab es mit der vorherigen Regelung?
Wir folgen mit unserer Weichenstellung den Wünschen der Eltern, vieler Bildungs­experten – und ich denke, auch Schüler­innen und Schüler wollen das mehr­heitlich so.

Gibt es noch weitere Gründe für Ihre Entscheidung, ab der dritten Klasse wieder Noten­zeugnisse einzuführen? Die Ergebnisse des IQB Bildungs­trends 2016 für Schleswig-Holstein sind doch deutlich erfreulicher ausgefallen als zuvor.
Der Begriff Leistung hat auch in den Grundschulen Bedeutung; die für Schleswig-Holstein in Teil­bereichen verhältnis­mäßig guten Ergebnisse des IQB-Bildungs­trends sind ein Erfolg der engagiert arbeitenden Grund­schul­lehr­kräfte, aber gleich­zeitig auch Ansporn, noch besser zu werden. Auch in Schleswig-Holstein gibt es keinen Grund sich auf dem Erreichten auszuruhen. Die Fach­anforderungen für die Grund­schule, die derzeit über­arbeitet werden, definieren entsprechend die Kompetenzen, die die Schüler­innen und Schüler jeweils am Ende eines Schul­jahres erreicht haben sollen. Auch Schleswig-Holstein steht durch die gewachsene Zuwanderung vor großen Heraus­forderungen.

Wie reagieren Lehrkräfte und Eltern auf diesen Beschluss?
Ich kann es nur so sagen: Als die Möglichkeit bestand, sich von Noten zu verabschieden, haben die meisten Schulen das nicht getan.

Was sagen Sie zur Kritik des Kinderschutzbundes, der beklagt, dass diese Entscheidung dazu führt, dass gerade leistungs­schwächere Schülerinnen und Schüler in ihrer Leistungs­motivation beeinträchtigt werden?
Ich glaube nicht, dass diese Aussage zutrifft. Zu den Noten kommen ja auch zum Beispiel regel­mäßige Eltern­gespräche – und beides zusammen gibt allen einen guten Blick auf den Stand der Dinge, so dass man gegebenen­falls gut nach­steuern kann, um Ziele zu erreichen. Ich denke also, Noten helfen allen – den Leistungs­starken und auch den Leistungs­schwachen.

Gibt es Absprachen mit Kultusministerien anderer Bundesländer diesbezüglich?
Es gibt einen intensiven Austausch. Auch in Hamburg und Baden-Württemberg wird eine stärkere Leistungs­orientierung umgesetzt und dem konsequenten Erlernen von Basis­qualifikationen eine höhere Bedeutung beigemessen.

Zur Person

  • Karin Prien ist seit dem 28. Juni 2017 ist Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein im Kabinett Günther.
  • Nach dem Abitur 1984 in Rheinland-Pfalz studierte Prien Rechts- und Politik­wissen­schaften in Bonn.
  • 1994 legte sie in Celle das Zweite Staats­examen ab und war seitdem selbständige Rechts­anwältin mit Schwer­punkt Wirtschafts- und Insolvenz­recht in Hannover, Leipzig und Hamburg.
  • Seit 2008 war sie Fachanwältin für Handels- und Gesellschafts­recht, seit 2011 auch Mediatorin.
  • 2011 wurde Prien erstmals in die Hamburgische Bürger­schaft gewählt. Sie war schul­politische Sprecherin der CDU-Bürgerschafts­fraktion und Mitglied des Fraktions­vorstands. Im Zuge ihres Wechsels in die Landes­regierung Schleswig-Holsteins schied sie im Juni 2017 aus der Bürger­schaft aus.
  • Karin Prien ist verheiratet und hat drei Kinder.
Portrait von Karin Prien
Karin Prien (CDU) ist Bildungsministerin in Schleswig-Holstein.
©Carsten Rehder/dpa
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