Forderungen an die KMK : Mehr Qualitätsstandards für Schulleitungen

Die Arbeitszufriedenheit unter Schulleiterinnen und Schulleiterin sinkt, und immer mehr Stellen in der Schulleitung bleiben unbesetzt. Expertinnen und Experten aus Bildungswissenschaft und Schulpraxis haben daher ein Positionspapier geschrieben und an die Kultusministerkonferenz Forderungen gestellt. Es geht vor allem darum, bundeseinheitliche Qualitätsstandards zu definieren und darum, die Arbeit in der Schulleitung attraktiver zu machen.

Annette Kuhn 02. September 2022 Aktualisiert am 07. September 2022
Parkschild für Schulleitungen
Das Interesse, einen Posten in der Schulleitung zu besetzen, lässt immer weiter nach.
©Hauke-Christian Dittrich/dpa

An jeder vierten Schule gibt es unbesetzte Stellen in der Schulleitung. Das ergab eine Sonderauswertung des Deutschen Schulbarometers 2021. Schwer zu besetzen sind die Stellen in der Schulleitung aber nicht nur aufgrund des enormen Lehrermangels. Auch die Motivation, Schulleiterin oder Schulleiter zu werden, hat deutlich nachgelassen. Noch mal mehr während der Corona-Pandemie, in der eine Vielzahl zusätzlicher Herausforderungen auf die Schulleitungen zukamen. Das zeigt zum Beispiel eine Befragung von Schulleitungen durch den Verband Bildung und Erziehung (VBE). Und 20 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter überlegen, die Schule zu wechseln oder sogar ganz die Schulleitung zu verlassen.

Diese Situation hat erhebliche Auswirkungen für die Qualität der Schulen. Denn eine Schule ohne funktionierende Leitung hat deutlich weniger Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Schulleitungen müssen also dringend gestärkt und die Arbeit in einer Schulleitung wieder attraktiver werden.

Fast 50 Unterschriften unter dem Positionspapier

Expertinnen und Experten aus Bildungsforschung und Schulpraxis haben daher sieben Thesen formuliert, wie Schulleitungen professionalisiert und ihre Arbeit attraktiver gemacht werden kann. Das Thesenpapier „beschreibt die Aufgaben von Schulleitungsteams auf der Grundlage des Leitbilds einer guten Schule nach den Qualitätsbereichen des Deutschen Schulpreises“, heißt es in einer Mitteilung zur Veröffentlichung.

Zur Autorengruppe gehören Michael Schratz, der Jurysprecher des Deutschen Schulpreises, Cornelia von Ilsemann, die ehemalige Vorsitzende des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz, sowie Jochen Schnack, ehemaliger Schulleiter und Redaktionsleiter der Zeitschrift „Pädagogik“. Insgesamt zwei Jahre haben die Autorinnen und Autoren an den Thesen gearbeitet und sie in verschiedenen Gremien wie der Schulleitertagung in Hamburg oder in der Gesellschaft für Bildungsverwaltung diskutiert, erklärt Schnack.

Schulleitungen haben Schlüsselpositionen bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung, aber sie sind nicht in der Rolle, dass sie diese Position angemessen ausfüllen können.
Jochen Schnack, Redaktionsleiter der Zeitschrift „Pädagogik“

Das Positionspapier mit dem Titel „Zukunftsfähige Schule – Exzellente Schulleitung“ haben fast 50 Unterstützerinnen und Unterstützer aus Wissenschaft, Bildungsverwaltung und von Schulleitungen aus Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises unterzeichnet. Darunter sind die Bildungswissenschaftler Klaus Hurrelmann, Manfred Prenzel und Anand Pant.

In dieser Woche wurde das Papier an die Kultusministerkonferenz übergeben. Ziel ist, dass die KMK mit Unterstützung ihrer Ständigen Wissenschaftlichen Kommission „zukunftsorientierte Qualitätsstandards und eine Professionalisierungsstrategie für die Arbeit von Schulleitungen entwickelt“.

Nicht nur Forderungen, sondern auch Vorschläge

„Schulleitungen haben Schlüsselpositionen bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung, aber sie sind nicht in der Rolle, dass sie diese Position angemessen ausfüllen können“, erklärt Jochen Schnack gegenüber dem Schulportal. Das müsse sich ändern. Es gehe vor allem darum, bundeseinheitliche Standards für die Qualifizierung und für die Befugnisse von Schulleitungen zu schaffen.

In dem Positionspapier werden aber nicht nur Forderungen formuliert, sondern gleichzeitig auch viele Vorschläge genannt, was sich konkret ändern und an welchen Stellschrauben gedreht werden sollte.

Um diese sieben Punkte geht es konkret:

  1. Qualitätsstandards: Für die anspruchsvollen Aufgaben von Schulleitungen müsse es länderübergreifende Qualitätsstandards geben, und die Verantwortungsbereiche müssten bundeseinheitlich vergleichbar sein. Um das zu erreichen, solle die KMK einen Orientierungsrahmen erstellen. Im Zentrum soll dabei die „Pädagogische Führung“ stehen.
  2. Karriereplanung: Um mehr Bewerberinnen und Bewerber für Positionen in der Schulleitung zu gewinnen, brauche es eine systematische Karriereplanung – auch für Teilzeitkräfte. Dazu gehöre auch, dass interessierte Lehrkräfte schon früh die Möglichkeit bekommen, Führungsaufgaben zu übernehmen. Außerdem sollte das Thema bereits in der ersten Phase der Lehrerbildung eine Rolle spielen. Und potenzielle Führungskräfte sollten stärker unterstützt und begleitet werden, zum Beispiel über Mentoring-Programme.
  3. Ausbildung: Bislang verfahren die Länder unterschiedlich bei der Ausbildung von Schulleiterinnen und Schulleitern. Hier plädieren die Autorinnen und Autoren des Thesenpapiers für eine größere Verbindlichkeit und Systematik, was Dauer und Inhalte der Ausbildung anbelangt. Eine entsprechende Ausbildung sollte für alle Personen mit Leitungsaufgaben verbindlich sein.
  4. Personalauswahl: „Eine passgenaue Auswahl von Leitungskräften ist ein wesentlicher Schlüssel für deren Erfolg. Falsche Auswahlentscheidungen ziehen hohe Personalentwicklungskosten nach sich und führen zu vielfältigen Konflikten“, heißt es in dem Positionspapier. Um das zu vermeiden, sollten Auswahlverfahren überprüft und die Anforderungsprofile für Führungspositionen klarer benannt werden. Dabei sollten länder-, regional- und schulspezifische Besonderheiten Berücksichtigung finden. Eine große Heterogenität in der Schülerschaft und im Kollegium sollte sich zum Beispiel auch in der Leitung spiegeln, heißt es.
  5. Berufsbegleitende Professionalisierung: Wer einmal auf einer Schulleitungsposition ist, muss sich weiterqualifizieren, weil sich die Anforderungen fortlaufend ändern. Eine „berufsbegleitende Professionalisierungsstrategie“ für Schulleitungen fehle aber, kritisiert die Autorengruppe, und die Wirksamkeit der Fortbildungsangebote würde bislang auch noch nicht ausreichend evaluiert. Hier gebe es Änderungsbedarf. Und auch der Transfer von Fortbildungen in die Schulpraxis müsse verbessert werden. Schulleitungen sollten sich zu regelmäßigen Weiterbildungen verpflichten, regelmäßige Coaching-Angebote haben und mehr Möglichkeiten bekommen, sich in sozialräumlichen und berufsgruppenbezogenen Netzwerken auszutauschen.
  6. Rahmenbedingungen: Schulen sollten aus Sicht der Autorinnen und Autoren mehr Unterstützung, zum Beispiel bei Verwaltungsaufgaben, und mehr Eigenverantwortung, insbesondere was Personalentscheidungen und Budgetverwaltung anbelangt, bekommen. Außerdem bräuchten sie mehr zeitliche Kapazitäten für die Leitung einer Schule. „Das verbreitete Modell der ,Entlastungsstunden‘ von Unterricht wird den Aufgaben einer modernen Schulleitung nicht gerecht“, heißt es im Thesenpapier.
  7. Steuerung von Schule: Mit der geforderten Eigenverantwortung müsse auch das Zusammenspiel zwischen Schulleitung und Schulaufsicht neu definiert werden. Und vor allem sollte es in den Ländern einheitlicher beschrieben sein. Außerdem kritisiert das Thesenpapier die Doppelrolle der Schulaufsicht zwischen Beratung und Unterstützung auf der einen und Kontrolle auf der anderen Seite. Um hier eine bessere Balance zwischen den unterschiedlichen Anforderungen zu erreichen, bedürfe es einer Stärkung der Kooperation, klarer Vereinbarungen zu Zielen und Konzepten und gegenseitigen Feedbacks.

Transparenzhinweis: Der Think Tank wurde im Rahmen der Aktivitäten der früheren Deutschen Schulakademie – einer Initiative der Robert Bosch Stiftung – ins Leben gerufen. Die Robert Bosch Stiftung ist an der Werkstatt „Schule leiten“ im Saarland, in Berlin und in Bremen beteiligt. Die Autorinnen haben das Thesenpapier unabhängig von ihrer Arbeit für die Robert Bosch Stiftung erstellt.

Das Thesenpapier im Wortlaut