Nationaler Bildungsbericht : Bildung lohnt sich

Die aktuelle Ausgabe des nationalen Bildungsberichts „Bildung in Deutschland 2018“ zeigt positive Trends , aber auch kritische Befunde. So streben immer mehr Schülerinnen und Schüler einen höheren Bildungsabschluss an. Das zahlt sich aus: Der Bericht belegt, dass sich Bildung nicht nur günstig auf das Einkommen auswirkt, sondern auch auf die Zufriedenheit und auf die Gesundheit. Andererseits droht aber auch die Kluft zwischen Leistungsspitze und Bildungsbenachteiligten zu wachsen.

Antje Tiefenthal / 22. Juni 2018
Schüler schrieben einen Test
Immer mehr Schülerinnen und Schüler wollen das Abitur erreichen und schaffen das auch.
©Getty Images

Der markante Trend zu höheren Schulabschlüssen hält an: Immer mehr Schülerinnen und Schüler wollen das Abitur erreichen – und schaffen es auch. Das belegt der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2018“, der am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach nimmt in vielen Bundesländern die Zahl der Übergänge von der Grundschule zum Gymnasium seit Jahren kontinuierlich zu. Bundesweit ist diese Quote im Zehn-Jahres-Vergleich um elf Prozentpunkte gestiegen: Lag die Quote 2006 noch bei 30 Prozent, waren es 2016 schon 41 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die nach der Primarstufe auf ein Gymnasium wechselten. Auch die Zahl der Absolventinnen und Absolventen mit Abitur wächst – die Studie verzeichnet einen Anstieg von 34 Prozent im Jahr 2006 auf 43 Prozent im Jahr 2016.

Bildung wirkt sich positiv auf Einkommen und Gesundheit aus

Der nationale Bildungsbericht, der unter der Leitung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erstellt wurde, erscheint seit 2006 im Zwei-Jahres-Rhythmus und stellt die Lage des deutschen Bildungssystems umfassend dar. Das ermöglicht dem Autorenteam Entwicklungen über Jahre zu beobachten und zu analysieren. Außerdem stellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in jeder Ausgabe ein Schwerpunktthema in den Mittelpunkt. Der aktuelle Bericht widmet sich der Frage, welche Wirkungen und Erträge Bildung erzielt.

Das eindeutige Ergebnis: Bildung lohnt sich. Dafür spricht das deutlich höhere Einkommen von Akademikerinnen und Akademikern gegenüber Personen mit einer beruflichen Ausbildung. Der Stundenlohn von Frauen ist dabei um fast acht Euro höher, Männer verdienen pro Stunde sogar 8,60 Euro mehr. Doch Bildung wirkt sich nicht nur auf den Verdienst positiv aus, sondern hat auch Einfluss auf die Demokratie. Nur rund 41 Prozent der 18- bis unter 40-Jährigen mit Hauptschulabschluss gehen laut Bericht wählen – mit Hochschulreife sind es dagegen 57 Prozent. Menschen mit höherem Bildungsstand sind außerdem nachweislich zufriedener und gesünder.

Bildungsinstitutionen müssen aus- und umgebaut werden

Dabei wirken Reformen im Bildungssystem unterschiedlich. Positive Effekte sieht das Autorenteam um Kai Maaz vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) zum Beispiel beim Ausbau und dem früheren Beginn der Kindertagesbetreuung. Kinder, die mehr als zwei Jahre eine Kindertageseinrichtung besucht haben, haben beim Eintritt in die Grundschule einen deutlichen Kompetenzvorsprung gegenüber Klassenkameradinnen und -kameraden, die weniger als zwei Jahre in die Kita gegangen sind. „Allerdings gibt es Steuerungsmaßnahmen, wo die Erträge und Wirkungen weniger deutlich sind“, erklärt Kai Maaz. Ob zum Beispiel ein Jugendlicher Abitur nach 12 oder 13 Schuljahren macht, habe wenig Einfluss auf seinen Kompetenzstand.

Durch meine eigenen Erfahrungen und aus vielen Begegnungen weiß ich, dass junge Menschen durch die duale Berufsausbildung beste Chancen zum Aufstieg haben
Anja Karliczek, Bundesbildungsministerin

Neben den positiven Ergebnissen des nationalen Bildungsberichts, weisen die Autorinnen und Autoren aber auch auf Probleme hin. So haben nicht Menschen den gleichen Zugang zu Bildung und die Kluft zwischen Leistungsspitze und Bildungsbenachteiligten droht größer zu werden. Beispielsweise nehmen Kinder von Eltern mit einer beruflichen Ausbildung ohne Abitur nur zu 24 Prozent ein Studium auf. Akademikerkinder studieren dagegen in 79 Prozent der Fälle. „Trotz vieler bildungspolitischer Reformprojekte und damit verbundener Verbesserungen ist es bisher nicht gelungen, Bildungsungleichheiten entscheidend zu verringern“, heißt es in dem Bericht.

Der Bildungsbericht attestiert dem deutschen Bildungssystem einen hohen Ausbau- und Umbaubedarf. Konkret sieht das Autorenteam in fünf Bereichen dringenden Handlungsbedarf:

1) Bildungsinstitutionen müssen aus- und umgebaut werden. Dazu gehören zum Beispiel mehr Plätze in Kitas und Schulen.

2) Mehr Fachpersonal muss aus-, fort- und weitergebildet werden, um der steigenden Nachfrage an Bildung gerecht werden zu können.

3) Eine Verständigung über Qualitätsmaßstäbe ist notwendig, damit es nicht nur für Schule, sondern für alle Bildungsbereiche einheitliche Gütekriterien gibt.

4) Der nationale Bildungsbericht empfiehlt veränderte Datengrundlagen für die Qualitätsentwicklung.

5) Um die aktuellen Herausforderungen im Bildungsbereich zu meistern, ist eine koordinierte Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten nötig.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte dazu: „Ich bin der Überzeugung, dass jeder Bürger in Deutschland unabhängig vom sozialen Hintergrund durch Bildung die Möglichkeit zum Aufstieg hat.“ Besonders die Stärkung der beruflichen Bildung liege ihr am Herzen. „Durch meine eigenen Erfahrungen und aus vielen Begegnungen weiß ich, dass junge Menschen durch die duale Berufsausbildung beste Chancen zum Aufstieg haben“, betonte Karliczek. Gemeinsam mit den Ländern wolle sie die im Bildungsbericht genannten Herausforderungen anpacken.

Auf einen Blick

  • Bildung zahlt sich aus: Sie wirkt sich nachweisbar positiv auf Einkommen, Erwerbsbeteiligung, gesellschaftliche Teilhabe, Zufriedenheit und Gesundheit aus.
  • Die langjährige Entwicklung, dass immer mehr Menschen an Bildung teilhaben, hält an. Außerdem registriert das Autorenteam des Bildungsberichts einen Trend zu höherer Bildung.
  • Parallel wächst die Kluft zwischen Leistungsspitze und Bildungsbenachteiligten. Nicht alle Menschen haben den gleichen Zugang zu Bildung.
  • Das Bildungssystem hat einen hohen Ausbau- und Umbaubedarf: Unter anderem sind eine größere Abstimmung aller Beteiligten sowie verstärkte Investitionen nötig.

Mehr zum Thema

  • Der nationale Bildungsbericht erscheint alle zwei Jahre.
  • Das Autorenteam ist eine Gruppe unabhängiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie vertreten mehrere Einrichtungen. Federführend ist das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Außerdem zählen das Deutsche Jugendinstitut, das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder dazu.
  • Der Bericht betrachtet das Bildungswesen in Deutschland als Ganzes: von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter.
  • Das Forscherteam beleuchtet darüber hinaus jeweils einen Schwerpunkt intensiver. Der aktuelle Fokus liegt auf den Wirkungen und Erträgen von Bildung.
  • Der Bildungsbericht wird im Auftrag der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung erstellt.
Sie verwenden einen veralteten Browser. Aktuelle Browser finden Sie hier. x