Sommerferien : Mehrheit ist gegen einheitliche Ferientermine

Sieben verschiedene Starttermine für die Sommerferien in Deutschland - muss das sein? Nicht unbedingt, findet jeder dritte Bundesbürger. Eine Mehrheit ist jedoch gegen einen Einheitstermin. Das ergab eine neue Umfrage. Doch wären einheitliche Ferientermine überhaupt umsetzbar? Im Herbst beginnen die Verhandlungen der Kultusministerkonferenz zur Ferienplanung für die Jahre 2025 bis 2030.

16. August 2019
Zwei Kinder malen am letzten Schultag des Jahres ein Bild an die Tafel, auf dem "Juhu endliche Ferien", zu lesen ist.
Seit 1964 rotiert der Start der Sommerferien unter den Bundesländern. Doch ist das fair für alle?
©Felix Kästle/dpa

Knapp jeder dritte Bundesbürger fände es besser, wenn es – im Gegensatz zur bisherigen Regelung – gemeinsame Sommerferien für ganz Deutschland gäbe. Einen einheitlichen Ferientermin für alle
16 Bundesländer fänden sie „sehr gut“ oder „gut“, sagten 30 Prozent der Befragten bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Eine Mehrheit von 53 Prozent ist gegen einen Einheitstermin, die übrigen Befragten äußerten keine Meinung.

In diesem Jahr gibt es in Deutschland sieben verschiedene Starttermine für die großen Ferien. Die 16 Bundesländer sind in fünf Gruppen aufgeteilt. So haben zum Beispiel Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland immer gleichzeitig Sommerferien. Baden-Württemberg und Bayern sind zeitlich immer als letzte dran. Der Grund dafür laut Kultusministerkonferenz: Die Schülerinnen und Schüler in diesen Ländern sind am längsten in den Pfingstferien.

Versetzte Ferientermine seit 1964

Einen landesweit einheitlichen Ferientermin haben etwa die Nachbarn in Frankreich: In diesem Jahr haben dort alle Schülerinnen und Schüler vom 7. Juli bis zum 1. September frei. In Deutschland hatten die Kultusminister 1964 mit dem „Hamburger Abkommen“ beschlossen, dass der Start der großen Ferien rotiert. Gestaffelt nach Bundesländern hat jede Schülerin und jeder Schüler im Sommer mindestens sechs Wochen lang am Stück frei. Hintergrund der Rotation: Es soll vermieden werden, dass die Bevölkerung zur gleichen Zeit den Urlaub antritt – um Verkehr und Nachfrage nach Unterkünften zu entlasten.

Berlin sieht sich im Nachteil durch frühen Start der Sommerferien

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres plädierte dafür, die Sommerferien in den Bundesländern weniger zeitlich zu strecken. „Ich werde mich in der Kultusministerkonferenz dafür einsetzen, dass die Sommerferien in Berlin und anderswo erst im Juli beginnen“, sagte die SPD-Politikerin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Dies reduziert aus ihrer Sicht Belastungen für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte. Hintergrund: Durch die jährlich wechselnden Ferientermine kann es vorkommen, dass ein Schuljahr kürzer ausfällt. Für „unrealistisch“ hält Scheeres einheitliche Ferientermine wie in Frankreich.

In diesem Jahr hatten etwa die Ferien in Berlin bereits am 20. Juni begonnen. „Das ist ungerecht, weil die Berliner Schülerinnen und Schüler innerhalb kürzerer Zeit genauso viel lernen müssen wie Schülerinnen und Schüler in anderen Bundesländern, in denen die Ferien dann wesentlich später begannen“, meinte Scheeres. „Das führt zu einseitiger Mehrbelastung und stellt auch die Vergleichbarkeit der Abschlüsse in Frage. Und dies in einer Zeit, in der wir beim Abitur zunehmend auf gemeinsame Aufgabenpools zurückgreifen wollen.“

Belastet seien auch Lehrerinnen und Lehrer, weil sie Prüfungen in kürzeren Zeiträumen abnehmen und mit Korrekturen besonders frühzeitig fertig sein müssten, sagte Scheeres. „Ich bin dafür, die Ferien auf einen bestimmten Zeitraum zu konzentrieren. Das ist in der Kultusministerkonferenz zu klären.“

dpa