Berufsbildungsbericht : Mehr als zwei Millionen junge Menschen ohne Ausbildung

Der aktuelle Berufsbildungsbericht 2018 zeigt, dass viele Jugendliche trotz einer wachsenden Zahl an Ausbildungsplätzen leer ausgehen.

Florentine Anders / 30. April 2018
Jede bzw. jeder siebte junge Erwachsene im Alter von 20 bis 34 Jahren hat keine Berufsausbildung.
Jede bzw. jeder siebte junge Erwachsene im Alter von 20 bis 34 Jahren hat keine Berufsausbildung.
©Getty Images

Der erfolgreiche Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung klappt längst nicht immer so wie gewünscht. Trotz zahlreicher freier Ausbildungsplätze in den Betrieben ist die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsausbildung zuletzt sogar gestiegen. Das zeigte der von der Bundesregierung vorgelegte neue Berufsbildungsbericht.

Demnach lag die Quote der jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsausbildung im Jahr 2016 bei 14,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 1 Prozent. Absolut betrachtet waren 2,13 Millionen der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss, 180.000 mehr als im Vorjahr. Besonders bei jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund war laut Berufsbildungsbericht der Anstieg zu verzeichnen.

Wir dürfen nicht zulassen, dass in Oberhausen, Bochum, Hameln, Flensburg oder Eberswalde eine abgehängte Generation heranwächst.
Elke Hannack, DGB-Vize

Der Anteil der Ausbildungsanfänger lag bei jungen Menschen mit ausländischem Pass bei nur 27,6 Prozent. Bei Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit war die Quote mit 55,8 Prozent doppelt so hoch.

Etwa jeder dritte junge Mensch mit Migrationshintergrund – ganz gleich, ob mit oder ohne deutschem Pass – blieb ohne Berufsabschluss und galt somit als ungelernt. Selbst bei jungen Erwachsenen aus Zuwandererfamilien, die in Deutschland aufgewachsen sind, war die „Ungelerntenquote“ mit knapp 20 Prozent doppelt so hoch wie die der deutschen jungen Menschen ohne Migrationshintergrund.

Jeder vierte Azubi löst den Vertrag vorzeitig

Aber auch für jene, die einen Ausbildungsplatz bekommen haben, ist ein Berufsabschluss längst nicht gewiss. Die Abbrecherquote in der beruflichen Ausbildung lag 2016 bei 25,8 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit Beginn der 1990er-Jahre. Besonders hoch war der Anteil an aufgelösten Ausbildungsverträgen in der Gastronomie und im Sicherheitsgewerbe. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) macht dafür auch die mangelhafte Qualität der Ausbildung verantwortlich. In einer Umfrage des DGB hatten Tausende Azubis über viele Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, aber auch über eine schlechte Berufsschulqualität geklagt.

Gewerkschaft warnt vor „abgehängter Generation“

DGB-Vize Elke Hannack nahm aber auch die Schulen in die Pflicht, die aus ihrer Sicht die jungen Menschen zu wenig auf die Ausbildung vorbereite: „Jahr für Jahr schaffen mehr als 140.000 junge Menschen nicht den Sprung von der Schule in die Ausbildung.“ Ihnen drohe prekäre Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Besonders dramatisch sei die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Ruhrgebiet, im Norden Schleswig-Holsteins, in den mittleren Städten Hessens und Niedersachsens sowie im Nordosten Brandenburgs, so Hannack. „Wir dürfen nicht zulassen, dass in Oberhausen, Bochum, Hameln, Flensburg oder Eberswalde eine abgehängte Generation heranwächst.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte eine gesetzliche Ausbildungsgarantie.

Der Berufsbildungsbericht 2018 zeigt, dass die duale Ausbildung in Deutschland ein Erfolgsmodell ist und bleibt! Dennoch sind zusätzliche Maßnahmen der Bundesregierung notwendig, um die berufliche Bildung weiterzuentwickeln.
Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung

Ganz so negativ sieht die neue Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Bilanz nicht: „Der Berufsbildungsbericht 2018 zeigt, dass die duale Ausbildung in Deutschland ein Erfolgsmodell ist und bleibt. Dennoch sind zusätzliche Maßnahmen der Bundesregierung notwendig, um die berufliche Bildung weiterzuentwickeln“, sagte Anja Karliczek.

Mit Blick auf die Abbrecherquote von etwas mehr als 25 Prozent betonte die Ministerin, dass es sich dabei zunächst um vorzeitige Vertragslösungen handele. In etwa der Hälfte der Fälle würden junge Menschen den Vertrag lösen, um ihre Lehre an anderer Stelle oder in einem anderen Beruf fortzusetzen. Die Quote der echten Ausbildungsabbrüche liege vielmehr bei etwa 12 bis 13 Prozent und damit deutlich unter der Quote im Hochschulbereich. „Keine Frage: Auch hier gibt es Handlungsbedarf. Einen Grund für demonstrativen Pessimismus gibt es aber nun wirklich nicht“, so Karliczek.

Und natürlich gibt es auch ausgezeichnete Berufsschulen, das beweisen die Preisträger des Deutschen Schulpreises. Dazu gehört zum Beispiel die Don Bosco Berufsschule in Würzburg, die benachteiligte Jugendliche fit für den Arbeitsmarkt macht und dafür 2015 den Sonderpreis der Jury erhielt. 2014 gehörte das Regionale Berufsbildungszentrum Wirtschaft (RBZ) in Kiel gehört zu den Gewinnern des Deutschen Schulpreises.

Auf einen Blick

  • Der Berufsbildungsbericht dokumentiert jährlich den Zustand des deutschen Ausbildungssystems.
  • Die Zahl der Ausbildungsverträge stieg 2017 um 3.000 auf 523.300. Knapp 49.000 Ausbildungsplätze blieben unbesetzt. Demgegenüber standen etwa 24.000 unversorgte Bewerber.
  • Die Quote der jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsausbildung lag im Jahr 2016 bei 14,3 Prozent.
  • Die Quote der Auszubildenden, die ihren Vertrag vorzeitig auflösten, lag 2016 bei 25,8 Prozent.
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