Begabungsförderung : Leistungsstarke Kinder rücken in den Blick

Die Begabtenförderung an Schulen soll bundesweit besser werden. Mit dem neuen Schuljahr startet an 300 ausgewählten Modellschulen in ganz Deutschland ein groß angelegtes Projekt zur Entwicklung von Standards bei der Förderung von begabten Schülerinnen und Schülern. Bund und Länder stellen für die Entwicklung an den Schulen und für die Begleitforschung „Leistung macht Schule“ eine Summe von 125 Millionen Euro zur Verfügung.

Florentine Anders / 23. August 2018
Mädchen mit Geige
Die Schulen sollen die verschiedenen Begabungen der Kinder besser erkennen und fördern.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)

Leistungsstarke und leistungsfähige Schüler bleiben in Deutschland bisher häufig auf der Strecke. Das haben internationale Vergleichsstudien in den vergangenen 15 Jahren immer wieder gezeigt. Zuletzt bestätigte die Ende 2016 veröffentlichte TIMSS-Studie die mangelhafte Förderung von Begabten und Begabungen. Alle vier Jahre erfasst TIMSS – kurz für „Trends in International Mathematics and Science Study“ – das Grundverständnis von Schülerinnen und Schülern der vierten Klassen in Mathematik und Naturwissenschaften. Das Ergebnis der jüngsten Erhebung: Die Zehnjährigen in Deutschland erreichten zu selten die oberste Kompetenzstufe. Die Quote dieser besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schüler lag nur bei fünf bis sieben Prozent. In Schweden etwa lag sie bei 11 Prozent, in Russland sogar bei 20 Prozent. Echte Begabtenförderung sei leider bisher immer Ankündigung geblieben, kritisierte damals Wilfried Bos, wissenschaftlicher Leiter der TIMSS-Studie in Deutschland.

Fast zeitgleich beschloss die Kultusministerkonferenz im November 2016 die „Gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zur Förderung leistungsstarker und potenziell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler“ . An ausgewählten Schulen sollen in einer ersten Phase verschiedene Konzepte zur Förderung der leistungsfähigen Schülerinnen und Schüler unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt werden. In einer zweiten Phase sollen die Erkenntnisse in die Fläche getragen werden.

Und was ist aus der Ankündigung geworden? „Die Zuteilung der 300 Schulen zu den Teilprojekten ist abgeschlossen, die konkrete Arbeit mit den Schulen beginnt nun zum neuen Schuljahr“, sagte Gabriele Weigand, Erziehungswissenschaftlerin der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, die die Koordinierung des bundesweiten Forschungsprojektes übernommen hat. Insgesamt gibt es vier Kernmodule, die erprobt werden:

  • Entwicklung eines Leitbildes für eine leistungsfördernde Schulentwicklung und der Aufbau eines kooperativen Netzwerkes
  • Entwicklung von fachdidaktischen Konzepten im Unterricht
  • Entwicklung von Diagnoseverfahren, um Begabungen frühzeitig zu erkennen
  • Entwicklung von Konzepten zur Förderung außerhalb des Unterrichts

Jede, der beteiligten Schulen setzt die ersten beiden Pflichtmodule und je nach Bedarf eines der zwei fakultativen Module um. Begleitet werden sie dabei von Expertinnen und Experten verschiedener Hochschulen. Insgesamt arbeiten 20 Hochschulen im Verbund „Leistung macht Schule“ zusammen, um bis zum Jahr 2022 gemeinsam mit den Lehrkräften vor Ort wissenschaftlich fundierte Konzepte zu entwickeln.

Politik, Wissenschaft und Praxis ziehen an einem Strang

Eine besondere Chance sieht Koordinatorin Weigand in der Zusammenarbeit von Bund, Ländern, schulischer Praxis und Wissenschaft: „Wir ziehen an einem Strang und haben die Möglichkeit, mit Schulen gemeinsam die bestmöglichen Formen und Rahmenbedingungen für eine individuelle, diversitätssensible Potenzial- und Leistungsförderung zu erarbeiten beziehungsweise weiterzuentwickeln“, sagte Weigand dem Schulportal.

Der Auftakt der gemeinsamen Arbeit wird auf dem Münsterschen Bildungskongress  vom 19. bis 22 September erfolgen. Dort werden sich Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Schulen erstmals mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der insgesamt 22 Teilprojekte austauschen und die gemeinsame Arbeit für das erste Schuljahr abstimmen.

Das Interesse an dem Kongress mit dem Titel „Begabungsförderung, Leistungsentwicklung, Bildungsgerechtigkeit – für alle!“ ist riesig, schon zwei Monate vor Kongressbeginn waren alle 1.000 Plätze ausgebucht. Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, hat die Schirmherrschaft für den Kongress übernommen und setzt damit ein deutliches Zeichen, dass es nicht bei den Ankündigungen ihrer Vorgängerin bleiben soll.

Auf einen Blick

  • Die Bund-Länder-Initiative „Leistung macht Schule“ startet bundesweit an 300 ausgewählten Schulen. Beteiligt sind die Klassenstufen eins bis zehn in allen Schulformen.
  • 20 Hochschulen arbeiten im Verbund an dem Forschungsprojekt.
  • Schwerpunkte sind Schulentwicklung, Vernetzung, Diagnose, Förderung im Unterricht und außerschulische Förderung
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