Länderüberblick 2021/22 : Lehrermangel bleibt bundesweit ein Problem

Die KMK hat am 12. November 2021 die Schülerprognose bis 2030 angepasst. An den allegemeinbildenden Schulen wird demnach die Schülerzahl etwas stärker wachsen, als in der Prognose von 2019 vorhergesagt. Vor allem in der Primarstufe werden nun 18.000 Schülerinnen und Schüler mehr vorhergesagt, als in den letzten Vorausberechnungen. Auch in der Sekundarstufe II steigen die Schülerzahlen etwas stärker als bisher angenommen (plus 4.000 Schülerinnen und Schüler). Der massive Lehrermangel wird weiter eines der größten Probleme im Bildungssystem und kaum ein Bundesland ist davon ausgenommen. Das zeigt auch der aktuelle Länderüberblick des deutschen Schulportals zu Personalausstattung zum Schuljahresstart 2021/22. Demnach waren zum Schulstart bundesweit noch tausende Stellen unbesetzt. Mehr als 6.000 Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger wurden an Schulen zum neuen Schuljahr beschäftigt. Wo fehlen die meisten Lehrkräfte, welche Maßnahmen gibt es in den Ländern, was muss sich ändern? Das Schulportal hat die wichtigsten Informationen zum Thema Lehrermangel hier zusammengefasst.

Florentine Anders 10. August 2021 Aktualisiert am 26. November 2021 3 Kommentare
Schulklasse im Unterricht
Tausende Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger beginnen im neuen Schuljahr ihre Karriere als Lehrkraft.
©Philipp von Ditfurth/dpa

Seit Jahren können nicht mehr alle offenen Stellen mit ausgebildeten Fachkräften besetzt werden und das ist auch im neuen Schuljahr 2021/22 nicht anders.

Das Schulportal hat auch in diesem Jahr in den Bundesländern nachgefragt, wie die Stellenbesetzung an Schulen zum neuen Schuljahr gelingt. In allen Bundesländern hat das Schuljahr inzwischen begonnen. Die Abfrage zeigt erneut ein angespanntes Bild, zumal aufgrund der Corona-Pandemie zusätzliches Personal benötigt wird, etwa für die Schülerinnen und Schüler, die freiwillig ein Jahr wiederholen oder auch für schwangere Lehrerinnen, die nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können.

So meldet etwa Baden-Württemberg kurz vor dem Schulstart am 13. September noch mehr als 600 offene Stellen an Schulen. In Nordrhein-Westfalen waren zum Schulstart noch rund 3.600 Stellen für Lehrkräfte unbesetzt. Viele Bundesländer setzen bei der Ausstattung der Schulen erneut auf Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die ohne eine abgeschlossene Lehramtsausbildung in den Schuldienst aufgenommen werden. Trauriger Spitzenreiter ist wohl Berlin, wo in diesem Schuljahr rund 60 Prozent der Neueinstellungen über den Quereinstieg abgedeckt werden mussten. Die bundesweite Gesamtzahl der Quereinsteigenden ist schwer zu beziffern, da die Definition in den Ländern unterschiedlich geregelt ist. Einige Länder machen gar keine Angaben dazu, da die Lehrkräfte ohne Lehrbefähigung zunächst ein Referendariat absolvieren, andere zählen befristete Einstellungen nicht bei den Neueinstellungen mit und dann gibt es  auch unterschiedliche Angaben, was Stellen und eingestellte Personen betrifft. Dennoch bietet die Abfrage einen Überblick darüber, wo der Mangel am größten ist, und welche Länder mit der Stellenbesetzung weniger Probleme haben.

Die Zahlen zur Lehrerausstattung 2021/22 im Länderüberblick

Wie ist die Prognose für den Lehrermangel in den kommenden Jahren?

Auch künftig werden die Schulen in Deutschland weiter mit dem Lehrermangel zu kämpfen haben. Das zeigt die aktualisierte Schülerprognose bis 2030 der Kultusministerkonferenz (KMK) vom November 2021.

Ein direkter Vergleich der Prognosezahlen für einzelne Schularten für die Bildungsstufen zeigt, dass deutschlandweit für die Primarstufe 18.000 Schülerinnen und Schüler mehr im Jahr 2030 prognostiziert werden als noch in der vorherigen Vorausberechnung (+0,6 Prozent). Für die Sekundarstufe I sind kaum Differenzen festzustellen. Bei den allgemeinbildenden Schulen ist im Jahr 2030 für den Sekundarbereich II von 4.000 Schülerinnen und Schülern mehr auszugehen, was einer Differenz von 0,4 Prozent entspricht. In den beruflichen Schulen dagegen werden im Jahr 2030 voraussichtlich 33.000 Schülerinnen und Schüler weniger gegenüber der letzten Vorausbeechnung aus dem Jahr 2020 unterrichtet (-1,4 %).

Die angepasste Modellrechnung für den Lehrerbedarf wurde für Dezember 2021 angekündigt. Vor allem in der Sekundarstufe I – also oberhalb der Grundschule – wird es nach bisherigen Berechnungen bis 2030 durchgehend mit Engpässen geben. Gebraucht werden demnach vor allem Mathe-, Chemie-, Physik- und Musiklehrkräfte. Die Lücke im Sekundarbereich I wird sich den Prognosen zufolge aber zumindest verkleinern, von jetzt 4.770 auf 1.300 fehlende Lehrkräfte im Jahr 2030.

Einen Lehrkräfteüberschuss gibt es dagegen an Gymnasien. Hier gehen die Kultusministerien von einem deutschlandweiten „Überangebot“ von durchschnittlich 2.200 Lehrkräften pro Jahr aus. In den Grundschulen fehlen derzeit noch durchschnittlich 1.700 Lehrkräfte pro Jahr, ab 2025 wird allerdings mit einer Trendumkehr hin zu einem Überangebot ausgegangen. Allerdings zweifeln viele Expertinnen und Experten an dieser positiven Prognose für die Grundschulen. In den vergangenen Jahren lagen die Modellrechnungen der KMK häufig daneben.

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 40.000 Schulen und Berufsschulen, 11 Millionen Schülerinnen und Schüler und mehr als 800.000 Lehrkräfte. Als Hauptursachen für den Lehrermangel werden veränderte Geburtenzahlen und die Zuwanderung genannt. Gleichzeitig haben viele Länder mit einer hohen Zahl von Pensionierungen zu kämpfen, weil in der Vergangenheit zu lange kein Nachwuchs eingestellt wurde.

Wo ist der Lehrermangel am größten?

Vor allem die ostdeutschen Bundesländer müssen seit Jahren in großem Umfang auf Quereinsteigende setzen. Das zeigte auch die Abfrage des Schulportals vom August 2020. In Berlin etwa waren 40 Prozent der Neueinstellungen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. In Brandenburg wurden 34 Prozent der Stellen mit Lehrkräften ohne volle Lehrbefähigung besetzt. In Mecklenburg-Vorpommern betraf das bisher 30 Prozent der Neueinstellungen.

Sachsen-Anhalt hat für die Ausschreibungsrunde von Mitte Februar bis März 2021 laut Ministerium erstmals Agenturen eingeschaltet, die gezielt nach Lehrkräften aus dem Ausland sowie nach Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern suchen. Derzeit seien auf diesem Weg etwa 100 Bewerberinnen und Bewerber ins Spiel gekommen. Teilweise müssten Abschlüsse über die Kultusministerkonferenz überprüft werden. Rund 40 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber kämen aus dem Ausland.

Auch in einigen westdeutschen Bundesländern wurden offene Lehrerstellen in Mangelfächern, für die es keine ausgebildeten Bewerberinnen und Bewerber gab, mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern besetzt – allerdings in geringerem Umfang. In Niedersachsen zum Beispiel betraf das etwa 6 Prozent der Neueinstellungen, in Schleswig-Holstein 11 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Begriffe „Quereinstieg“ und „Seiteneinstieg“ in den Bundesländern sehr unterschiedlich definiert sind. Die Zahlen sind deshalb schwer vergleichbar. In der Regel haben Quereinsteigende einen Uni-Abschluss, aber kein abgeschlossenes Lehramtsstudium und werden etwa über Nachqualifizierungen in Pädagogik geschult.

In welchen Fächern fehlen die meisten Lehrerinnen und Lehrer?

Lehrerinnen und Lehrer fehlen an den weiterführenden Schulen besonders häufig in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Der Bildungsforscher Klaus Klemm hat für die Telekom-Stiftung in einer aktuellen Studie vom Januar 2021 am Beispiel Nordrhein-Westfalen untersucht, wie sich Angebot und Bedarf an Lehrkräften in den MINT-Fächern an allgemeinbildenden Schulen entwickeln. Das Ergebnis: Ohne ein Gegensteuern werden die Schulen im Schuljahr 2030/31 nur ein Drittel der nötigen ausgebildeten MINT-Fachlehrkräfte zur Verfügung haben. Dieses Ergebnis ist noch einmal deutlich negativer als das der Vorgängerstudie von 2014. Hier hatte Klemm noch eine voraussichtliche Bedarfsdeckungsquote von immerhin rund zwei Dritteln bis 2025/26 vorhersagen können. Die Gründe: Jede dritte MINT-Lehrkraft wird laut Studie bis 2030/31 aus dem Schuldienst ausscheiden, vor allem aus Altersgründen. Zusätzlich wachsen die Schülerzahlen stark an. In den kommenden zehn Jahren müssten laut Berechnung von Klemm in NRW jährlich etwa 3.300 neue MINT-Lehrkräfte eingestellt werden. Nach den aktuellen Belegungen der Studienplätze im Lehramt für diese Fächer werden es aber nur 1.100 Absolventinnen und Absolventen sein.

In Rheinland-Pfalz etwa meldete das Statistische Landesamt am 12. Juli 2021, dass nur 17 der rund 1.200 Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen im Jahr 2020 in Rheinland-Pfalz das Fach Informatik belegt haben. Von ihnen schlossen wiederum lediglich zehn ihr Zweites Staatsexamen in einem Lehramt an einer allgemeinbildenden Schule ab.

Die Zahl der Lehrkräfte mit dem Fach Informatik in Rheinland-Pfalz sinkt der Behörde zufolge schon seit einigen Jahren. So hatten im Jahr 2020 etwa 680 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen eine Lehrererlaubnis für Informatik. Nach Angaben des Statistischen Landesamts war das der niedrigste Wert seit 2010. Die Zahl dieser Lehrkräfte war in den vergangenen zehn Jahren um fast sieben Prozent gesunken.

Welche Wege für den Quereinstieg an Schulen gibt es?

Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger haben zwar auch ein für das Lehramt relevantes Fach studiert, aber kein Lehramtsstudium absolviert. Sie besuchen je nach Bundesland vor dem Einsatz im Schuldienst einen mehrwöchigen oder manchmal auch nur mehrtägigen Einführungskurs und werden dann auch berufsbegleitend weiterqualifiziert. Außerdem sollen sie in den Schulen besonders unterstützt werden. In einigen Bundesländern gibt es den Quereinstieg nur in den Vorbereitungsdienst.

Hier gibt es Informationen zum Quer- und Seiteneinstieg in den Bundesländern:

Über Erfahrungen von Quereinsteigenden an Schulen und über Konzepte für ein erfolgreiches Mentoring an Schulen erfahren Sie mehr im Dossier „Quereinstieg im Praxischeck“.

Wie hoch ist das Gehalt für Lehrkräfte?

Um die Arbeit an Grundschulen attraktiver zu machen, haben viele Bundesländer die Gehälter der Grundschullehrkräfte an die Gehälter der Lehrkräfte an Sekundarschulen und Gymnasien angepasst. Zuletzt hatte Thüringen eine solche Angleichung angekündigt: Lehrerinnen und Lehrer für Gymnasien, Regelschulen und Grundschulen bekommen in Thüringen demnach seit August 2021 das gleiche Gehalt. Bisher wurden dort Grundschullehrkräfte als Beamte in der Besoldungsstufe A12 eingruppiert, während Gymnasial- und Regelschullehrer in der Stufe A13 besoldet wurden. Künftig ist für alle die Besoldungsgruppe A13 vorgesehen, in der das Gehalt je nach Berufserfahrung zwischen rund 4.300 und 5.500 Euro brutto monatlich beträgt.

Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein hatten die Angleichung der Gehälter für die Grundschullehrkäfte schon in den Jahren zuvor beschlossen. In Niedersachsen gibt es eine monatliche Zulage von 97 Euro. Auch für Lehrkräfte der Sekundarstufe I gibt es noch nicht in allen Bundesländern das gleiche Gehalt wie für Gymnasiallehrkräfte. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat zur Besoldung im Oktober 2020 eine Bestandsaufnahme in den Bundesländern veröffentlicht. Auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, fordert in ihrem Gastbeitrag für das Schulportal eine einheitliche Besoldung für Lehrkräfte aller Schularten und mehr Flexibilität in der Lehrerbildung.

Wo ist das Einstiegsgehalt von Grundschullehrkräften am höchsten?

Die Online-Lernplattform sofatutor.com hat das Einstiegsgehalt von Grundschullehrkräften im Schuljahr 2019/20 in den Bundesländern verglichen. In Berlin war demnach das Einstiegsgehalt am höchsten. Das hohe Einstiegsgehalt soll diesen Wettbewerbsnachteil im Kampf um qualifizierte Lehrkräfte ausgleichen. Allerdings sollen in Berlin die Lehrkräfte voraussichtlich ab 2023/24 wieder verbeamtet werden. Zudem können sich in den Ländern Arbeitszeiten, Aufgaben und Pflichtstunden in den Ländern stark unterscheiden. Bei den Angaben handelt es sich um Bruttogehälter ohne Zulagen o.ä.

  • Berlin: Grundschule – 5.458,94 Euro (E13/Stufe 5)
  • Sachsen: Grundschule – 4.069,73 Euro (A13/Stufe 3)
  • Brandenburg: 4.060,07 Euro (A13/Stufe 4)
  • Hamburg: 3.725,43 Euro (A12/Stufe 1)
  • Nordrhein-Westfalen: 3.654,32 Euro (A12/Stufe 4)
  • Bayern: 3.633,24 Euro (A12/Stufe 3)
  • Niedersachsen: 3.606,56 Euro (A12/Stufe 4)
  • Schleswig-Holstein: 3.595,35 Euro (A12/Stufe 4)
  • Bremen: 3.593,75 Euro (A12/Stufe 4)
  • Thüringen: 3.467,36 Euro (A12/Stufe 3)
  • Sachsen-Anhalt: 3.462,99 Euro (A12/Stufe 1)
  • Baden-Württemberg: 3.458,40 Euro (A12/Stufe 1)
  • Rheinland-Pfalz: 3.438,60 Euro (A12/Stufe 3)
  • Saarland: 3.396,40 Euro (A12/Stufe 3)
  • Mecklenburg-Vorpommern: 3.377,57 Euro (A12/Stufe 3)
  • Hessen: 3.373,22 Euro (A12/Stufe 1)

Welche Zulagen gibt es bei Lehrermangel an Schulen in ländlichen Regionen?

Schulen im abgelegenen ländlichen Raum haben es oft besonders schwer, Personal zu finden. Viele Stellen bleiben oft ein ganzes Schuljahr oder länger unbesetzt. Die Kultusministerien bieten deshalb immer häufiger Zulagen, Umzugshilfen und andere Anreize, um Lehrkräfte für die Arbeit in abgelegenen oder unbeliebten Regionen zu gewinnen.

Brandenburg will Lehramtsstudierende dafür gewinnen, an Schulen zu unterrichten, die einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften haben. Dafür wird das „Brandenburg-Stipendium Landlehrerinnen und Landlehrer“ aufgelegt – erstmals im Wintersemester 2021/22 mit 25 Stipendien in Höhe von 600 Euro als Pilotprogramm. Aktuell haben brandenburgweit 53 Schulen fast aller Schulformen (außer Gymnasien) einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften, da an diesen Schulen bereits mehr als 25 Prozent Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger unterrichten. Diese Schulen sind auf einer interaktiven Karte im MBJS-Internet dargestellt.

Auch der Landtag in Thüringen hatte im März 2021 ein neues Zulagensystem beschlossen, um angehende Lehrkräfte zu motivieren, dort zu arbeiten, wo der Lehrkräftemangel besonders ausgeprägt ist.

Das Schulportal hatte sich 2020 die Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genauer angesehen. Mehr zu den Herausforderungen der Schulen im ländlichen Raum erfahren Sie im Dossier „Wie sich Schulen in abgehängten Regionen behaupten“.

Wie können geflüchtete Lehrkräfte qualifiziert werden?

Die Universität Potsdam hat 2016 ein Qualifizierungsprojekt für geflüchtete Lehrkräfte gestartet, um den Berufseinstieg ins Brandenburger Schulsystem zu ermöglichen.

Zielgruppe sind geflüchtete Akademikerinnen und Akademiker, die im Ausland ein Lehramtsstudium erfolgreich absolviert haben und in ihrem Herkunftsland bereits als Lehrkraft an einer Schule gearbeitet haben. Das 18-monatige Programm bietet unter anderem Sprachkurse für den Erwerb des Sprachzertifikats C1, pädagogische Seminare und ein Schulpraktikum.

Die Qualifizierung in Vollzeit bereitet auf eine zweijährige Tätigkeit als Assistenzlehrkraft oder als pädagogische Unterrichtshilfe vor. Danach soll eine Weiterqualifizierung analog zum Seiteneinstieg anschließen.

Viele Teilnehmende scheitern dennoch an den hohen Einstiegshürden. Das Schulportal hat darüber berichtet.

Warum reichen die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte nicht aus?

Mark Rackles, Ex-Staatssekretär für Bildung in Berlin, ist überzeugt, dass die Wurzel für den Lehrermangel in der Ausbildung liegt. Seit Jahren erhöhen die Länder die Kapazitäten in den Universitäten und dennoch kommen nicht genügend ausgebildete Lehrkräfte an den Schulen an. In seiner Studie „Lehrkräftebildung 2021“ ist er den Ursachen auf den Grund gegangen. Viele Bundesländer bilden bis heute nicht bedarfsgerecht aus. Hinzu kommt, dass viele Lehramtsstudierende ihre Ausbildung abbrechen oder wechseln. Bundesweit ist die Zahl der Studienplätze in den vergangenen Jahren um 17 Prozent gestiegen, gleichzeitig ist die Zahl der Absolventinnen und Absolventen der ersten Phase der Lehrerausbildung an den Hochschulen gesunken.

Für Rackles lässt  sich das Problem nur länderübergreifend lösen. „Man kann nicht in der Ausbildung 16 Teilmärkte isoliert betrachten und sich dann wundern, dass der Gesamtmarkt nicht stimmig ist“, sagt er im Interview mit dem Schulportal. „Man bräuchte eine Instanz, die von außen drauf schaut, losgelöst von der Logik der Politik, die Defizite kleinzureden“, sagt Rackles weiter.

Eine solche Instanz könnte schon bald in Aktion treten. Im Herbst 2020 hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, eine „Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz“ einzurichten. Aufgabe dieser Einrichtung ist die Beratung der Länder in Fragen der Weiterentwicklung des Bildungswesens und des Umgangs mit seinen Herausforderungen. Eine Findungskommission unter Leitung des Bildungsforschers Manfred Prenzel hat Vorschläge für die Besetzung des Expertengremiums gemacht, die von der KMK angenommen wurden. Ende Juni 2021 hat sich das Gremium konstituiert.