Prognosen und Reaktionen : Lehrermangel verschärft sich weiter – was die Länder dagegen tun

Der Lehrermangel bleibt eine bundesweite Herausforderung. Nach einer Abfrage der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Lehrerbedarf in den Ländern ist klar, dass sich das Problem nicht allein durch Aufstockung der Studienplätze lösen lässt. Laut Prognose fehlen bis 2035 vor allem Lehrkräfte in der Sekundarstufe I und in der beruflichen Bildung. Das teilte die Kultusministerkonferenz am 11. März 2022 mit. Bereits eine am 25. Januar 2022 veröffentlichte Studie im Auftrag der Bildungsgewerkschaft VBE hatte gezeigt, dass der Lehrermangel in den kommenden Jahren viel größer ist, als in den Berechnungen der KMK zuvor angenommen. Schon jetzt können viele Schulen ihren Bedarf nicht mit ausgebildeten Fachkräften decken. Das zeigt der aktuelle Länderüberblick des Schulportals zur Personalausstattung zum Schuljahresstart 2021/22. Wo fehlen die meisten Lehrkräfte, welche Maßnahmen gibt es in den Ländern, was muss sich ändern? Das Schulportal hat die wichtigsten Informationen zum Thema Lehrermangel hier zusammengefasst.

Florentine Anders 10. August 2021 Aktualisiert am 12. Mai 2022 8 Kommentare
Schulklasse im Unterricht
Tausende Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger beginnen im neuen Schuljahr ihre Karriere als Lehrkraft.
©Philipp von Ditfurth/dpa

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat am 11. März 2022 nach einer Länderabfrage ihre Prognose zum Lehrermangel in den kommenden Jahren korrigiert.

Der Grund: Für die hohe Zahl der benötigten Lehrerinnen und Lehrer stünden nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber an den Universitäten zur Verfügung, erklärte Hamburgs Schulsenator Ties Raabe (SPD). Allein mit einer Aufstockung der Ausbildungskapazitäten sei das Problem deshalb nicht zu lösen.

Größer als bisher angenommen wird der Mangel demnach im Bereich der Sekundarstufe I. Hier reicht das erwartete Angebot an Absolventinnen und Absolventen in Zukunft nicht aus. Im Jahr 2030 gibt es laut KMK-Prognose noch ein Defizit von 2.180 ausgebildeten Lehrkräften. Die letzte Berechnung ging von nur 580 fehlenden Lehrkräften 2030 in diesem Bereich aus.

Besonders kritisch sieht es auch für die beruflichen Schulen aus. Bis 2035 kann hier der Einstellungsbedarf jährlich im Durchschnitt nur zu 62,3 Prozent gedeckt werden. Und angespannt bleibt auch die Situation in den sonderpädagogischen Lehrämtern. Bundesweit fehlen in den Jahren 2021 bis 2026 dort durchschnittlich fast 900 sonderpädagogische Lehrkräfte. Ab 2027 entspannt sich die Situation etwas, und in der zweiten Hälfte des Prognosehorizonts können rein rechnerisch alle Stellen besetzt werden. In der Primarstufe wird bis 2025 ein Mangel prognostiziert.

Ein Überangebot an Lehramtsabsolventinnen und -absolventen wird es in den kommenden Jahren nach der Prognose lediglich für die Sekundarstufe II und für das Gymnasium geben. Ein Defizit berechnen die Länder an den Gymnasien nur für die Jahre 2025/26 durch die Umstellung von G8 auf G9.

Die Kultusministerien der Länder wollen nun die Ständige Wissenschaftliche Kommission damit beauftragen, Empfehlungen zu erarbeiten, wie das Problem zu lösen ist. Karin Prien (CDU), Präsidentin der KMK, betonte, die Länder wollen auch mit den Hochschulen ins Gespräch gehen, um zu klären, wie die Zahl der erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen in den Lehramtsstudiengängen gesteigert werden können.

Abgesehen davon müssen aber auch kurzfristige Lösungen gefunden werden. Denn durch das Corona-Aufholprogramm und durch die vielen geflüchteten Kinder aus der Ukraine wird zusätzliches Personal an Schulen benötigt, das in den Prognosen gar nicht berücksichtigt werden konnte. Deutschland muss sich aus Sicht der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien, auf bis zu 400.000 geflüchtete ukrainische Schüler einstellen und bräuchte dafür 24.000 Lehrkräfte, hieß es am 14. April 2022. Die Bundesregierung geht davon aus, dass eine Million Menschen aus der Ukraine nach Deutschland kommen könnte. Davon werden sicherlich 40 Prozent Schülerinnen und Schüler sein, sagte Prien, die Bildungsministerin in Schleswig-Holstein ist, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Das wären dann bis zu 400.000 junge Menschen, denen wir im deutschen Schulsystem erst einmal gerecht werden müssen, so die CDU-Politiker weiter. Die KMK rechne damit, dass ungefähr 60 Lehrkräfte pro 1.000 Schüler  gebraucht werden. Für 400.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine  wären das 24.000 Lehrer, zumindest wenn man man im Bereich der Willkommensklassen weiter mit kleinen Gruppengrößen arbeiten wolle.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßte, dass die KMK der Gewinnung neuer Lehrkräfte endlich einen besonderen Stellenwert einräumt kritisiert aber zugleich, dass die Prognose noch immer realitätsfern sei.

Am 25. Januar 2022 hatte der VBE  eine Expertise des Bildungsexperten Klaus Klemm zur Entwicklung von Lehrkräftebedarf und -angebot bis 2030 vorgelegt, deren Ergebnisse einen wesentlich höheren Lehrkräftemangel offenbarten, als die von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgelegten Zahlen.  Nach der neuen KMK-Prognose bis 2035  Klemm erneut die Zahlen überprüft. Das Ergebnis: Der tatsächliche Lehrkräftemangel bis 2035 wird um ein Vielfaches höher als von der KMK prognostiziert ausfallen.

Legt man den von der KMK berechneten Einstellungsbedarf bis 2035 zugrunde und stellt diesem das von Klemm berechnete tatsächliche Lehrkräfteangebot bis 2035 gegenüber, ergibt sich ein Mangel bis 2035 von 127.100 neu ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern. Wenn dann noch der Bedarfs für die drei großen politisch gesetzten Reformvorhaben (Ganztag, Inklusion, Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen) einbezogen werden, ergibt sich sogar ein Lehrermangel bis 2035 in Höhe von 158.700. Die KMK weist bis 2035 aber nur einen Lehrkräftemangel von 23.800 Lehrkräfte aus.

Um kurzfristig den Lehrermangel zu beheben gibt es auch Überlegungen, Teilzeitregelungen einzuschränken. Lehrkräfte in Baden-Württemberg etwa sollen nach dem Willen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann künftig etwas weniger in Teilzeit arbeiten können. Die Landesregierung prüfe derzeit, ob die Mindestarbeitszeit für Beamtinnen und Beamte in Teilzeit erhöht werden kann. In den vergangenen zwei Monaten seien etwa 9.000 ukrainische Kinder und Jugendliche nach Baden-Württemberg geflüchtet, die nun betreut und unterrichtet werden müssten, erklärte der Regierungschef. Auch deswegen würden dringend mehr Lehrkräfte gebraucht.

Wo ist der Lehrermangel im Schuljahr 2021/22 am größten?

Seit Jahren können nicht mehr alle offenen Stellen mit ausgebildeten Fachkräften besetzt werden, und das ist auch in diesem Schuljahr 2021/22 nicht anders.

Das Schulportal hat auch zu Beginn dieses Schuljahres in den Bundesländern nachgefragt, wie die Stellenbesetzung an Schulen zum neuen Schuljahr gelingt. Die Abfrage zeigt erneut ein angespanntes Bild, zumal aufgrund der Corona-Pandemie zusätzliches Personal benötigt wird, etwa für die Schülerinnen und Schüler, die freiwillig ein Jahr wiederholen, oder auch für schwangere Lehrerinnen, die nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können.

So meldete etwa Baden-Württemberg kurz vor dem Schulstart am 13. September noch mehr als 600 offene Stellen an Schulen. In Nordrhein-Westfalen waren zum Schulstart noch rund 3.600 Stellen für Lehrkräfte unbesetzt. Viele Bundesländer setzen bei der Ausstattung der Schulen erneut auf Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die ohne eine abgeschlossene Lehramtsausbildung in den Schuldienst aufgenommen werden. Trauriger Spitzenreiter ist wohl Berlin, wo in diesem Schuljahr rund 60 Prozent der Neueinstellungen über den Quereinstieg abgedeckt werden mussten. Die bundesweite Gesamtzahl der Quereinsteigenden ist schwer zu beziffern, da die Definition in den Ländern unterschiedlich geregelt ist. Einige Länder machen gar keine Angaben dazu, da die Lehrkräfte ohne Lehrbefähigung zunächst ein Referendariat absolvieren, andere zählen befristete Einstellungen nicht bei den Neueinstellungen mit, und dann gibt es auch unterschiedliche Angaben, was Stellen und eingestellte Personen betrifft. Dennoch bietet die Abfrage einen Überblick darüber, wo der Mangel am größten ist und welche Länder mit der Stellenbesetzung weniger Probleme haben.

Die Zahlen zur Lehrerausstattung 2021/22 im Länderüberblick

Repräsentative Umfragen zur Lage der Schulen in Deutschland

Daten zu allen Ausgaben des Deutschen Schulbarometers auf einen Blick

Mehr Daten

Wo ist der Lehrermangel am größten?

Vor allem die ostdeutschen Bundesländer müssen seit Jahren in großem Umfang auf Quereinsteigende setzen. Das zeigte auch die Abfrage des Schulportals vom August 2020. In Berlin etwa waren 40 Prozent der Neueinstellungen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. In Brandenburg wurden 34 Prozent der Stellen mit Lehrkräften ohne volle Lehrbefähigung besetzt. In Mecklenburg-Vorpommern betraf das bisher 30 Prozent der Neueinstellungen.

Sachsen-Anhalt hat für die Ausschreibungsrunde von Mitte Februar bis März 2021 laut Ministerium erstmals Agenturen eingeschaltet, die gezielt nach Lehrkräften aus dem Ausland sowie nach Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern suchen. Derzeit seien auf diesem Weg etwa 100 Bewerberinnen und Bewerber ins Spiel gekommen. Teilweise müssten Abschlüsse über die Kultusministerkonferenz überprüft werden. Rund 40 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber kämen aus dem Ausland.

Auch in einigen westdeutschen Bundesländern wurden offene Lehrerstellen in Mangelfächern, für die es keine ausgebildeten Bewerberinnen und Bewerber gab, mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern besetzt – allerdings in geringerem Umfang. In Niedersachsen zum Beispiel betraf das etwa 6 Prozent der Neueinstellungen, in Schleswig-Holstein 11 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Begriffe „Quereinstieg“ und „Seiteneinstieg“ in den Bundesländern sehr unterschiedlich definiert sind. Die Zahlen sind deshalb schwer vergleichbar. In der Regel haben Quereinsteigende einen Uni-Abschluss, aber kein abgeschlossenes Lehramtsstudium und werden etwa über Nachqualifizierungen in Pädagogik geschult.

In welchen Fächern fehlen die meisten Lehrerinnen und Lehrer?

Lehrerinnen und Lehrer fehlen an den weiterführenden Schulen besonders häufig in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Der Bildungsforscher Klaus Klemm hat für die Telekom-Stiftung in einer aktuellen Studie vom Januar 2021 am Beispiel Nordrhein-Westfalen untersucht, wie sich Angebot und Bedarf an Lehrkräften in den MINT-Fächern an allgemeinbildenden Schulen entwickeln. Das Ergebnis: Ohne ein Gegensteuern werden die Schulen im Schuljahr 2030/31 nur ein Drittel der nötigen ausgebildeten MINT-Fachlehrkräfte zur Verfügung haben. Dieses Ergebnis ist noch einmal deutlich negativer als das der Vorgängerstudie von 2014. Hier hatte Klemm noch eine voraussichtliche Bedarfsdeckungsquote von immerhin rund zwei Dritteln bis 2025/26 vorhersagen können. Die Gründe: Jede dritte MINT-Lehrkraft wird laut Studie bis 2030/31 aus dem Schuldienst ausscheiden, vor allem aus Altersgründen. Zusätzlich wachsen die Schülerzahlen stark an. In den kommenden zehn Jahren müssten laut Berechnung von Klemm in NRW jährlich etwa 3.300 neue MINT-Lehrkräfte eingestellt werden. Nach den aktuellen Belegungen der Studienplätze im Lehramt für diese Fächer werden es aber nur 1.100 Absolventinnen und Absolventen sein.

In Rheinland-Pfalz etwa meldete das Statistische Landesamt am 12. Juli 2021, dass nur 17 der rund 1.200 Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen im Jahr 2020 in Rheinland-Pfalz das Fach Informatik belegt haben. Von ihnen schlossen wiederum lediglich zehn ihr Zweites Staatsexamen in einem Lehramt an einer allgemeinbildenden Schule ab.

Die Zahl der Lehrkräfte mit dem Fach Informatik in Rheinland-Pfalz sinkt der Behörde zufolge schon seit einigen Jahren. So hatten im Jahr 2020 etwa 680 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen eine Lehrererlaubnis für Informatik. Nach Angaben des Statistischen Landesamts war das der niedrigste Wert seit 2010. Die Zahl dieser Lehrkräfte war in den vergangenen zehn Jahren um fast sieben Prozent gesunken.

Im Dezember 2021 hat die KMK gemeinsame Empfehlungen veröffentlicht, die dazu beitragen sollen, das Bild von Mangelfächern wie Mathematik und Naturwissenschaften in den Augen der Abiturientinnen und Abiturienten zu verändern. Dadurch sollen die Bewerberzahlen für ein Lehramtsstudium in diesen Fächern erhöht werden. Hierzu gibt es Vorschläge für die Handlungsfelder „Schule“, „Medien und Werbung“, „Studium“ und „Lehrerberuf“. Beispielsweise sollen zusätzliche Anreize für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit Mangelfächern geschaffen und Werbemaßnahmen in den sozialen Medien intensiviert werden. Abiturientinnen und Abiturienten ‑ sollen z. B. durch eigene Unterrichtsversuche, Lehrgelegenheiten in AGs, Ferienkursen oder Grundschulprojekten früh Einblicke in die Arbeit von Lehrkräften bekommen. Zudem sollen Stipendienprogramme für Lehramtsstudierende in den Mangelfächern geschaffen beziehungsweise ausgebaut werden. Die Empfehlungen weisen zudem auf die guten Einstellungschancen im Schulsystem hin, die angehende Lehrerinnen und Lehrer in den kommenden Jahren in ausgewählten Bereichen vorfinden werden.

Welche Wege für den Quereinstieg an Schulen gibt es?

Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger haben zwar auch ein für das Lehramt relevantes Fach studiert, aber kein Lehramtsstudium absolviert. Sie besuchen je nach Bundesland vor dem Einsatz im Schuldienst einen mehrwöchigen oder manchmal auch nur mehrtägigen Einführungskurs und werden dann auch berufsbegleitend weiterqualifiziert. Außerdem sollen sie in den Schulen besonders unterstützt werden. In einigen Bundesländern gibt es den Quereinstieg nur in den Vorbereitungsdienst.

Hier gibt es Informationen zum Quer- und Seiteneinstieg in den Bundesländern:

Über Erfahrungen von Quereinsteigenden an Schulen und über Konzepte für ein erfolgreiches Mentoring an Schulen erfahren Sie mehr im Dossier „Quereinstieg im Praxischeck“.

Wie hoch ist das Gehalt für Lehrkräfte?

Um die Arbeit an Grundschulen attraktiver zu machen, haben viele Bundesländer die Gehälter der Grundschullehrkräfte an die Gehälter der Lehrkräfte an Sekundarschulen und Gymnasien angepasst. Zuletzt hatte Thüringen eine solche Angleichung angekündigt: Lehrerinnen und Lehrer für Gymnasien, Regelschulen und Grundschulen bekommen in Thüringen demnach seit August 2021 das gleiche Gehalt. Bisher wurden dort Grundschullehrkräfte als Beamte in der Besoldungsstufe A12 eingruppiert, während Gymnasial- und Regelschullehrer in der Stufe A13 besoldet wurden. Künftig ist für alle die Besoldungsgruppe A13 vorgesehen, in der das Gehalt je nach Berufserfahrung zwischen rund 4.300 und 5.500 Euro brutto monatlich beträgt.

Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein hatten die Angleichung der Gehälter für die Grundschullehrkäfte schon in den Jahren zuvor beschlossen. In Niedersachsen gibt es eine monatliche Zulage von 97 Euro. Auch für Lehrkräfte der Sekundarstufe I gibt es noch nicht in allen Bundesländern das gleiche Gehalt wie für Gymnasiallehrkräfte. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat zur Besoldung im Oktober 2020 eine Bestandsaufnahme in den Bundesländern veröffentlicht. Auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, fordert in ihrem Gastbeitrag für das Schulportal eine einheitliche Besoldung für Lehrkräfte aller Schularten und mehr Flexibilität in der Lehrerbildung.

Wo ist das Einstiegsgehalt von Grundschullehrkräften am höchsten?

Die Online-Lernplattform sofatutor.com hat das Einstiegsgehalt von Grundschullehrkräften im Schuljahr 2019/20 in den Bundesländern verglichen. In Berlin war demnach das Einstiegsgehalt am höchsten. Das hohe Einstiegsgehalt soll diesen Wettbewerbsnachteil im Kampf um qualifizierte Lehrkräfte ausgleichen. Allerdings sollen in Berlin die Lehrkräfte voraussichtlich ab 2023/24 wieder verbeamtet werden. Zudem können sich in den Ländern Arbeitszeiten, Aufgaben und Pflichtstunden in den Ländern stark unterscheiden. Bei den Angaben handelt es sich um Bruttogehälter ohne Zulagen o.ä.

  • Berlin: Grundschule – 5.458,94 Euro (E13/Stufe 5)
  • Sachsen: Grundschule – 4.069,73 Euro (A13/Stufe 3)
  • Brandenburg: 4.060,07 Euro (A13/Stufe 4)
  • Hamburg: 3.725,43 Euro (A12/Stufe 1)
  • Nordrhein-Westfalen: 3.654,32 Euro (A12/Stufe 4)
  • Bayern: 3.633,24 Euro (A12/Stufe 3)
  • Niedersachsen: 3.606,56 Euro (A12/Stufe 4)
  • Schleswig-Holstein: 3.595,35 Euro (A12/Stufe 4)
  • Bremen: 3.593,75 Euro (A12/Stufe 4)
  • Thüringen: 3.467,36 Euro (A12/Stufe 3)
  • Sachsen-Anhalt: 3.462,99 Euro (A12/Stufe 1)
  • Baden-Württemberg: 3.458,40 Euro (A12/Stufe 1)
  • Rheinland-Pfalz: 3.438,60 Euro (A12/Stufe 3)
  • Saarland: 3.396,40 Euro (A12/Stufe 3)
  • Mecklenburg-Vorpommern: 3.377,57 Euro (A12/Stufe 3)
  • Hessen: 3.373,22 Euro (A12/Stufe 1)

Welche Zulagen gibt es bei Lehrermangel an Schulen in ländlichen Regionen?

Schulen im abgelegenen ländlichen Raum haben es oft besonders schwer, Personal zu finden. Viele Stellen bleiben oft ein ganzes Schuljahr oder länger unbesetzt. Die Kultusministerien bieten deshalb immer häufiger Zulagen, Umzugshilfen und andere Anreize, um Lehrkräfte für die Arbeit in abgelegenen oder unbeliebten Regionen zu gewinnen.

Brandenburg will Lehramtsstudierende dafür gewinnen, an Schulen zu unterrichten, die einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften haben. Dafür wird das „Brandenburg-Stipendium Landlehrerinnen und Landlehrer“ aufgelegt – erstmals im Wintersemester 2021/22 mit 25 Stipendien in Höhe von 600 Euro als Pilotprogramm. Aktuell haben brandenburgweit 53 Schulen fast aller Schulformen (außer Gymnasien) einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften, da an diesen Schulen bereits mehr als 25 Prozent Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger unterrichten. Diese Schulen sind auf einer interaktiven Karte im MBJS-Internet dargestellt.

Auch der Landtag in Thüringen hatte im März 2021 ein neues Zulagensystem beschlossen, um angehende Lehrkräfte zu motivieren, dort zu arbeiten, wo der Lehrkräftemangel besonders ausgeprägt ist.

Das Schulportal hatte sich 2020 die Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genauer angesehen. Mehr zu den Herausforderungen der Schulen im ländlichen Raum erfahren Sie im Dossier „Wie sich Schulen in abgehängten Regionen behaupten“.

Wie können geflüchtete Lehrkräfte qualifiziert werden?

Die Universität Potsdam hat 2016 ein Qualifizierungsprojekt für geflüchtete Lehrkräfte gestartet, um den Berufseinstieg ins Brandenburger Schulsystem zu ermöglichen.

Zielgruppe sind geflüchtete Akademikerinnen und Akademiker, die im Ausland ein Lehramtsstudium erfolgreich absolviert haben und in ihrem Herkunftsland bereits als Lehrkraft an einer Schule gearbeitet haben. Das 18-monatige Programm bietet unter anderem Sprachkurse für den Erwerb des Sprachzertifikats C1, pädagogische Seminare und ein Schulpraktikum.

Die Qualifizierung in Vollzeit bereitet auf eine zweijährige Tätigkeit als Assistenzlehrkraft oder als pädagogische Unterrichtshilfe vor. Danach soll eine Weiterqualifizierung analog zum Seiteneinstieg anschließen.

Viele Teilnehmende scheitern dennoch an den hohen Einstiegshürden. Das Schulportal hat darüber berichtet.

Warum reichen die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte nicht aus?

Mark Rackles, Ex-Staatssekretär für Bildung in Berlin, ist überzeugt, dass die Wurzel für den Lehrermangel in der Ausbildung liegt. Seit Jahren erhöhen die Länder die Kapazitäten in den Universitäten und dennoch kommen nicht genügend ausgebildete Lehrkräfte an den Schulen an. In seiner Studie „Lehrkräftebildung 2021“ ist er den Ursachen auf den Grund gegangen. Viele Bundesländer bilden bis heute nicht bedarfsgerecht aus. Hinzu kommt, dass viele Lehramtsstudierende ihre Ausbildung abbrechen oder wechseln. Bundesweit ist die Zahl der Studienplätze in den vergangenen Jahren um 17 Prozent gestiegen, gleichzeitig ist die Zahl der Absolventinnen und Absolventen der ersten Phase der Lehrerausbildung an den Hochschulen gesunken.

Für Rackles lässt  sich das Problem nur länderübergreifend lösen. „Man kann nicht in der Ausbildung 16 Teilmärkte isoliert betrachten und sich dann wundern, dass der Gesamtmarkt nicht stimmig ist“, sagt er im Interview mit dem Schulportal. „Man bräuchte eine Instanz, die von außen drauf schaut, losgelöst von der Logik der Politik, die Defizite kleinzureden“, sagt Rackles weiter.

Eine solche Instanz gibt es inzwischen. Im Herbst 2020 hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, eine „Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz“ einzurichten. Aufgabe dieser Einrichtung ist die Beratung der Länder in Fragen der Weiterentwicklung des Bildungswesens und des Umgangs mit seinen Herausforderungen. Eine Findungskommission unter Leitung des Bildungsforschers Manfred Prenzel hat Vorschläge für die Besetzung des Expertengremiums gemacht, die von der KMK angenommen wurden. Ende Juni 2021 hat sich das Gremium konstituiert.