Schuljahr 2022/23 : Lehrermangel verschärft sich weiter

Das neue Schuljahr 2022/23 startet mit tausenden unbesetzten Stellen. Für die Länder wird es angesichts des Lehrermangels immer schwieriger, die Unterrichtsversorgung abzusichern. Das zeigt der Länderüberblick nach einer Abfrage des Schulportals zur Lehrerausstattung zum Schuljahresstart. Die Lücke könnte im Laufe des Schuljahres noch größer werden, da unklar ist, wie viele ukrainische Schülerinnen und Schüler in den Schulen ankommen und wie viele Lehrkräfte möglicherweise coronabedingt nicht einsetzbar sein werden. Die Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) für die kommenden Jahre zeigt, dass der Lehrermangel auch in den kommenden Jahren bundesweit ein großes Problem bleibt.

Florentine Anders 26. August 2022 Aktualisiert am 21. September 2022 10 Kommentare
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Schulklasse im Unterricht
Tausende Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger beginnen im neuen Schuljahr ihre Karriere als Lehrkraft.
©Philipp von Ditfurth/dpa

Wo ist der Lehrermangel am größten?

Zum Schuljahresbeginn 2022/23 fehlen an den Schulen in Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbands bis zu 40.000 Lehrerinnen und Lehrer. Die Unterrichtsversorgung habe sich in allen Bundesländern verschlechtert, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. Bundesweit gehen wir von einer echten Lücke von mindestens 30.000, vielleicht sogar bis zu 40.000 unbesetzten Stellen aus.

Die Situation, Stellen mit voll ausgebildeten Lehrkräften zu besetzen, habe sich im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich verschärft, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern. Unterrichtsausfall gleich zu Beginn des Schuljahres ist bereits Tatsache, größere Lerngruppen, Zusammenstreichen von Förderangeboten, Kürzung der Stundentafel usw. sind an der Tagesordnung, sagte Udo Beckmann, der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

Das Schulportal fragt regelmäßig in den Kultusministerien zu Beginn des Schuljahres ab, wie die Stellenbesetzung an Schulen gelingt. Die Abfrage zum Schuljahr 2021/22 zeigte, dass das Ausmaß des Lehrermangels in vielen Ländern weiter zunimmt. Kürzungen der Stundentafel oder größere Klassen sind angesichts der Notlage keine Tabuthemen mehr. Als Erstes startete Nordrhein-Westfalen am 10. August das Schuljahr mit etwa 4.000 offenen Stellen. In Schleswig-Holstein waren kurz vor Schuljahresbeginn noch 200 Stellen an Schulen unbesetzt. Besonders hart trifft der Lehrermangel aber auch in diesem Schuljahr wieder die ostdeutschen Länder. In Berlin etwa waren zu Schulbeginn nur 60 Prozent der ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt. Selbst über den Quereinstieg sind nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber mehr zu finden.

Den aktuellen Länderüberblick gibt es hier:

Deutscher Schulpreis 2022

Die Preisträger stehen fest. Diese fünf Schulen wurden ausgezeichnet.

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Was sagen die Prognosen zum Lehrermangel in den kommenden Jahren?

Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlichte am 9. September 20200 die aktuelle Vorausberechnung der Schülerzahlen. Demnach steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler um knapp eine Million bis zum Jahr 2035. Der aktuellen Prognose zufolge wird besonders in den Stadtstaaten mit einem starken Anstieg der Schülerzahl gerechnet. Sie wachse erheblich um 11,7 Prozent, heißt es. Auch im Westen des Landes wird ein starker Anstieg von 10,2 Prozent erwartet. In den ostdeutschen Bundesländern könnte es dagegen nach einem Anstieg bis Ende dieses Jahrzehnts einen leichten Rückgang der Schülerzahlen im Vergleich zu heute geben.

Geflüchtete Kinder und Jugendliche, die aus der Ukraine in die Schulen aufgenommen werden, sind in der Modellrechnung nicht enthalten. Nach der neuen Prognose der Schülerzahlen muss nun auch die Berechnung des Lehrkräftebedarfs aktualisiert werden. Die KMK kündigte die Aktualisierung für Dezember an.

Die KMK hatte zuletzt am 11. März 2022 nach einer Länderabfrage ihre Prognose zum Lehrermangel angepasst.

Für die hohe Zahl der benötigten Lehrerinnen und Lehrer stünden nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber an den Universitäten zur Verfügung, erklärte Hamburgs Schulsenator Ties Raabe (SPD). Allein mit einer Aufstockung der Ausbildungskapazitäten sei das Problem deshalb nicht zu lösen.

Größer als bisher angenommen wird der Mangel demnach im Bereich der Sekundarstufe I. Hier reicht das erwartete Angebot an Absolventinnen und Absolventen in Zukunft nicht aus. Im Jahr 2030 gibt es laut KMK-Prognose noch ein Defizit von 2.180 ausgebildeten Lehrkräften. Die letzte Berechnung ging für 2030 von nur 580 fehlenden Lehrkräften in diesem Bereich aus.

Besonders kritisch sieht es auch für die beruflichen Schulen aus. Bis 2035 kann hier der Einstellungsbedarf jährlich im Durchschnitt nur zu 62,3 Prozent gedeckt werden. Und angespannt bleibt auch die Situation in den sonderpädagogischen Lehrämtern. Bundesweit fehlen in den Jahren 2021 bis 2026 dort durchschnittlich fast 900 sonderpädagogische Lehrkräfte. Ab 2027 entspannt sich die Situation etwas, und in der zweiten Hälfte des Prognosehorizonts können rein rechnerisch alle Stellen besetzt werden. In der Primarstufe wird bis 2025 ein Mangel prognostiziert.

Ein Überangebot an Lehramtsabsolventinnen und -absolventen wird es in den kommenden Jahren nach der Prognose lediglich für die Sekundarstufe II und für das Gymnasium geben. Ein Defizit berechnen die Länder an den Gymnasien nur für die Jahre 2025/26 durch die Umstellung von G8 auf G9.

Die Kultusministerien der Länder wollen nun die Ständige Wissenschaftliche Kommission damit beauftragen, Empfehlungen zu erarbeiten, wie das Problem zu lösen ist. Karin Prien (CDU), Präsidentin der KMK, betonte, die Länder wollen auch mit den Hochschulen ins Gespräch gehen, um zu klären, wie die Zahl der erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen in den Lehramtsstudiengängen gesteigert werden können.

Abgesehen davon müssen aber auch kurzfristige Lösungen gefunden werden. Denn durch das Corona-Aufholprogramm und durch die vielen geflüchteten Kinder aus der Ukraine wird zusätzliches Personal an Schulen benötigt, das in den Prognosen gar nicht berücksichtigt werden konnte. Deutschland muss sich aus Sicht der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien, auf bis zu 400.000 geflüchtete ukrainische Schüler einstellen und bräuchte dafür 24.000 Lehrkräfte, hieß es am 14. April 2022. Die Bundesregierung geht davon aus, dass eine Million Menschen aus der Ukraine nach Deutschland kommen könnte. Davon werden sicherlich 40 Prozent Schülerinnen und Schüler sein, sagte Prien, die Bildungsministerin in Schleswig-Holstein ist, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Das wären dann bis zu 400.000 junge Menschen, denen wir im deutschen Schulsystem erst einmal gerecht werden müssen, so die CDU-Politiker weiter. Die KMK rechne damit, dass ungefähr 60 Lehrkräfte pro 1.000 Schüler  gebraucht werden. Für 400.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine wären das 24.000 Lehrer, zumindest wenn man man im Bereich der Willkommensklassen weiter mit kleinen Gruppengrößen arbeiten wolle.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßte, dass die KMK der Gewinnung neuer Lehrkräfte endlich einen besonderen Stellenwert einräumt, kritisiert aber zugleich, dass die Prognose noch immer realitätsfern sei.

Am 25. Januar 2022 hatte der VBE eine Expertise des Bildungsexperten Klaus Klemm zur Entwicklung von Lehrkräftebedarf und -angebot bis 2030 vorgelegt, deren Ergebnisse einen wesentlich höheren Lehrkräftemangel offenbarten als die von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgelegten Zahlen.  Nach der neuen KMK-Prognose bis 2035 hat Klemm die Zahlen erneut überprüft. Das Ergebnis: Der tatsächliche Lehrkräftemangel bis 2035 wird um ein Vielfaches höher ausfallen, als von der KMK prognostiziert.

Legt man den von der KMK berechneten Einstellungsbedarf bis 2035 zugrunde und stellt diesem das von Klemm berechnete tatsächliche Lehrkräfteangebot bis 2035 gegenüber, ergibt sich ein Mangel bis 2035 von 127.100 neu ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern. Wenn dann noch der Bedarf für die drei großen politisch gesetzten Reformvorhaben (Ganztag, Inklusion, Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen) einbezogen wird, ergibt sich sogar ein Lehrermangel bis 2035 in Höhe von 158.700. Die KMK weist bis 2035 aber nur einen Lehrkräftemangel von 23.800 Lehrkräfte aus.

Trotz zum Teil kräftigen Personalzuwachses in Kitas, Schulen und Hochschulen in den vergangenen zehn Jahren droht dem deutschen Bildungssystem nach Expertenansicht ein langfristiger dramatischer Fachkräftemangel. Die Frage des Personalbedarfs ist eine der drängendsten , sagte der geschäftsführende Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), Kai Maaz, anlässlich der Vorstellung des Nationalen Bildungsberichts 2022. Der umfangreiche Report wird alle zwei Jahre unter Federführung des DIPF erstellt.

Maaz sagte, es sei auch unklar, wo das Personal herkommen soll. Wir werden hier möglicherweise Verteilungskämpfe auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erleben. Nicht nur in der Bildung, auch in vielen Bereichen der Wirtschaft oder im Gesundheits- und Pflegebereich werden händeringend Fachkräfte gesucht.

Von einer „Notsituation“ sprach die Erziehungswissenschaftlerin Felicitas Thiel angesichts des Lehrermangels in Deutschland. „Die Lage ist dramatisch, das zeigen die Zahlen aus fast allen Bundesländern – immer wieder fällt Unterricht aus, weil Lehrkräfte fehlen“, sagte Thiel der Wochenzeitung DIE ZEIT. Die Professorin der Freien Universität Berlin ist Co-Vorsitzende der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (KMK).

„Wir müssen priorisieren“, fordert Thiel vor der Veröffentlichung des Nationalen Bildungsberichts am Donnerstag. Experten erwarten, dass der Bericht einen erheblichen Mangel an Lehrkräften beschreiben wird. „Es muss sichergestellt sein, dass die Kernfächer abgedeckt sind“, so Thiel in der ZEIT. „So könnte ein Lehrer, der Sport und Mathe unterrichtet, seine Mathestunden aufstocken.“ Als weitere Sofortmaßnahmen gegen den Unterrichtsausfall nennt Thiel weniger Teilzeitoptionen für Lehrer und eine Erhöhung der Klassengröße. „Schon ein Schüler mehr pro Klasse würde viel bringen. Auch wenn das oft bezweifelt wird: Aus Sicht der Unterrichtsforschung ist die Klassengröße in den meisten Fächern nicht relevant für die Lernergebnisse der Schüler.“

In welchen Fächern fehlen die meisten Lehrerinnen und Lehrer?

Lehrerinnen und Lehrer fehlen an den weiterführenden Schulen besonders häufig in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Der Bildungsforscher Klaus Klemm hat für die Telekom-Stiftung in einer aktuellen Studie vom Januar 2021 am Beispiel Nordrhein-Westfalen untersucht, wie sich Angebot und Bedarf an Lehrkräften in den MINT-Fächern an allgemeinbildenden Schulen entwickeln. Das Ergebnis: Ohne ein Gegensteuern werden die Schulen im Schuljahr 2030/31 nur ein Drittel der nötigen ausgebildeten MINT-Fachlehrkräfte zur Verfügung haben. Dieses Ergebnis ist noch einmal deutlich negativer als das der Vorgängerstudie von 2014. Hier hatte Klemm noch eine voraussichtliche Bedarfsdeckungsquote von immerhin rund zwei Dritteln bis 2025/26 vorhersagen können. Die Gründe: Jede dritte MINT-Lehrkraft wird laut Studie bis 2030/31 aus dem Schuldienst ausscheiden, vor allem aus Altersgründen. Zusätzlich wachsen die Schülerzahlen stark an. In den kommenden zehn Jahren müssten laut Berechnung von Klemm in NRW jährlich etwa 3.300 neue MINT-Lehrkräfte eingestellt werden. Nach den aktuellen Belegungen der Studienplätze im Lehramt für diese Fächer werden es aber nur 1.100 Absolventinnen und Absolventen sein.

In Rheinland-Pfalz etwa meldete das Statistische Landesamt am 12. Juli 2021, dass nur 17 der rund 1.200 Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen im Jahr 2020 in Rheinland-Pfalz das Fach Informatik belegt haben. Von ihnen schlossen wiederum lediglich zehn ihr Zweites Staatsexamen in einem Lehramt an einer allgemeinbildenden Schule ab.

Die Zahl der Lehrkräfte mit dem Fach Informatik in Rheinland-Pfalz sinkt der Behörde zufolge schon seit einigen Jahren. So hatten im Jahr 2020 etwa 680 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen eine Lehrererlaubnis für Informatik. Nach Angaben des Statistischen Landesamts war das der niedrigste Wert seit 2010. Die Zahl dieser Lehrkräfte war in den vergangenen zehn Jahren um fast sieben Prozent gesunken.

Im Dezember 2021 hat die KMK gemeinsame Empfehlungen veröffentlicht, die dazu beitragen sollen, das Bild von Mangelfächern wie Mathematik und Naturwissenschaften in den Augen der Abiturientinnen und Abiturienten zu verändern. Dadurch sollen die Bewerberzahlen für ein Lehramtsstudium in diesen Fächern erhöht werden. Hierzu gibt es Vorschläge für die Handlungsfelder „Schule“, „Medien und Werbung“, „Studium“ und „Lehrerberuf“. Beispielsweise sollen zusätzliche Anreize für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit Mangelfächern geschaffen und Werbemaßnahmen in den sozialen Medien intensiviert werden. Abiturientinnen und Abiturienten ‑ sollen z. B. durch eigene Unterrichtsversuche, Lehrgelegenheiten in AGs, Ferienkursen oder Grundschulprojekten früh Einblicke in die Arbeit von Lehrkräften bekommen. Zudem sollen Stipendienprogramme für Lehramtsstudierende in den Mangelfächern geschaffen beziehungsweise ausgebaut werden. Die Empfehlungen weisen zudem auf die guten Einstellungschancen im Schulsystem hin, die angehende Lehrerinnen und Lehrer in den kommenden Jahren in ausgewählten Bereichen vorfinden werden.

Welche Wege für den Quereinstieg an Schulen gibt es?

Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger haben zwar auch ein für das Lehramt relevantes Fach studiert, aber kein Lehramtsstudium absolviert. Sie besuchen je nach Bundesland vor dem Einsatz im Schuldienst einen mehrwöchigen oder manchmal auch nur mehrtägigen Einführungskurs und werden dann auch berufsbegleitend weiterqualifiziert. Außerdem sollen sie in den Schulen besonders unterstützt werden. In einigen Bundesländern gibt es den Quereinstieg nur in den Vorbereitungsdienst.

Alle relevanten Informationen zum Quereinstieg ins Lehramt in den Ländern gibt es in unserem Beitrag Lehrer gesucht – Wie der Quereinstieg ins Lehramt funktioniert .

Welche Zulagen gibt es bei Lehrermangel an Schulen in ländlichen Regionen?

Schulen im abgelegenen ländlichen Raum haben es oft besonders schwer, Personal zu finden. Viele Stellen bleiben oft ein ganzes Schuljahr oder länger unbesetzt. Die Kultusministerien bieten deshalb immer häufiger Zulagen, Umzugshilfen und andere Anreize, um Lehrkräfte für die Arbeit in abgelegenen oder unbeliebten Regionen zu gewinnen.

Brandenburg will Lehramtsstudierende dafür gewinnen, an Schulen zu unterrichten, die einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften haben. Dafür wurde das „Brandenburg-Stipendium Landlehrerinnen und Landlehrer“ aufgelegt – erstmals im Wintersemester 2021/22 mit 25 Stipendien in Höhe von 600 Euro als Pilotprogramm. Aktuell haben brandenburgweit 53 Schulen fast aller Schulformen (außer Gymnasien) einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften, da an diesen Schulen bereits mehr als 25 Prozent Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger unterrichten. Diese Schulen sind auf einer interaktiven Karte im MBJS-Internet dargestellt.

Auch der Landtag in Thüringen hatte im März 2021 ein neues Zulagensystem beschlossen, um angehende Lehrkräfte zu motivieren, dort zu arbeiten, wo der Lehrkräftemangel besonders ausgeprägt ist.

Das Schulportal hatte sich 2020 die Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genauer angesehen. Mehr zu den Herausforderungen der Schulen im ländlichen Raum erfahren Sie im Dossier „Wie sich Schulen in abgehängten Regionen behaupten“.

Wie können geflüchtete Lehrkräfte qualifiziert werden?

Um die geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine unterrichten zu können, suchen Schulen händeringend nach zusätzlichem Personal. Eine wichtige Rolle spielen dabei Lehrerinnen und Lehrer aus der Ukraine. Sie sollen vor allem für den herkunftssprachlichen Unterricht zum Einsatz kommen. Das Schulportal gibt hier einen Überblick, wie die Bewerbungs- und Aufnahmeverfahren in den Ländern laufen.

Die Universität Potsdam hat 2016 ein Qualifizierungsprojekt für geflüchtete Lehrkräfte gestartet, um den Berufseinstieg ins Brandenburger Schulsystem zu ermöglichen.

Zielgruppe sind geflüchtete Akademikerinnen und Akademiker, die im Ausland ein Lehramtsstudium erfolgreich absolviert haben und in ihrem Herkunftsland bereits als Lehrkraft an einer Schule gearbeitet haben. Das 18-monatige Programm bietet unter anderem Sprachkurse für den Erwerb des Sprachzertifikats C1, pädagogische Seminare und ein Schulpraktikum.

Die Qualifizierung in Vollzeit bereitet auf eine zweijährige Tätigkeit als Assistenzlehrkraft oder als pädagogische Unterrichtshilfe vor. Danach soll eine Weiterqualifizierung analog zum Seiteneinstieg anschließen.

Viele Teilnehmende scheitern dennoch an den hohen Einstiegshürden. Das Schulportal hat darüber berichtet.

Warum reichen die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte nicht aus?

Mark Rackles, Ex-Staatssekretär für Bildung in Berlin, ist überzeugt, dass die Wurzel für den Lehrermangel in der Ausbildung liegt. Seit Jahren erhöhen die Länder die Kapazitäten in den Universitäten und dennoch kommen nicht genügend ausgebildete Lehrkräfte an den Schulen an. In seiner Studie „Lehrkräftebildung 2021“ ist er den Ursachen auf den Grund gegangen. Viele Bundesländer bilden bis heute nicht bedarfsgerecht aus. Hinzu kommt, dass viele Lehramtsstudierende ihre Ausbildung abbrechen oder wechseln. Bundesweit ist die Zahl der Studienplätze in den vergangenen Jahren um 17 Prozent gestiegen, gleichzeitig ist die Zahl der Absolventinnen und Absolventen der ersten Phase der Lehrerausbildung an den Hochschulen gesunken.

Für Rackles lässt  sich das Problem nur länderübergreifend lösen. „Man kann nicht in der Ausbildung 16 Teilmärkte isoliert betrachten und sich dann wundern, dass der Gesamtmarkt nicht stimmig ist“, sagt er im Interview mit dem Schulportal. „Man bräuchte eine Instanz, die von außen drauf schaut, losgelöst von der Logik der Politik, die Defizite kleinzureden“, sagt Rackles weiter.

Eine solche Instanz gibt es inzwischen. Im Herbst 2020 hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, eine „Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz“ einzurichten. Aufgabe dieser Einrichtung ist die Beratung der Länder in Fragen der Weiterentwicklung des Bildungswesens und des Umgangs mit seinen Herausforderungen. Ende Juni 2021 hat sich das Gremium konstituiert. Die KMK hat die Kommission beauftragt, Maßnahmen gegen den Lehrermangel vorzuschlagen.

Online-Portal „Lehrer*in werden"

Der Deutsche Bildungsserver hat im Juli 2022 ein Informationsportal für alle, die sich für den Lehrerberuf interessieren, gestartet. Auf dem Portal Lehrer*in werden können die Interessenten ihre präferierten Schulformen und gewünschten Bundesländer eingeben und werden dann direkt zu den entsprechenden Informationen weitergeleitet. Eine interaktive Karte informiert zudem über den Einstellungsbedarf ab 2022 für Lehrer:innen je nach Schulart in den einzelnen Bundesländern. Drüber hinaus gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen und Berichte von Lehrkräften, die über ihren Einstieg in den Beruf berichten.