Lehrkräfte gesucht : Lehrermangel bleibt auch im neuen Schuljahr ein Problem

Auch zum neuen Schuljahr 2021/22 haben die Bundesländer wieder große Probleme haben, ihre offenen Stellen an Schulen mi qualifizierten Lehrkräften zu besetzen. Viele werben bundesweit und auch im Ausland um Fachkräfte und Quereinsteiger. Entspannung ist trotz erhöhter Ausbildungskapazitäten und zusätzlicher Anreize auch in den kommenden Jahren nicht in Sicht. Wo fehlen die meisten Lehrkräfte, welche Maßnahmen gibt es in den Ländern, was muss sich ändern? Das Schulportal hat die wichtigsten Informationen zum Thema Lehrermangel hier zusammengefasst.

Florentine Anders 13. Juli 2021 Aktualisiert am 05. August 2021
Straßenbahn mit Werbekampagne für Lehrkräfte
Mecklenburg-Vorpommern wirbt bundesweit und auch im Ausland um Lehrkräfte.
©dpa

Seit Jahren können nicht mehr alle offenen Stellen mit ausgebildeten Fachkräften besetzt werden und das ist auch im neuen Schuljahr 2021/22 nicht anders. Obwohl die Bundesländer auch zunehmend um Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger werben, können die Stellen oft nicht alle pünktlich besetzt werden. Das zeigen die Abfragen zur Stellenbesetzung durch das Schulportal in den vergangenen Jahren. In den ersten Bundesländern im Norden hat das neue Schuljahr bereits begonnen. Die ersten Zahlen zur Lehrerausstattung zeigen erneut ein angespanntes Bild, zumal aufgrund der Corona-Pandemie zusätzliches Personal benötigt wird, etwa für die Schülerinnen und Schüler, die freiwillig ein Jahr wiederholen.

Berlin: In Berlin ist es wie bereits in den vergangenen Jahren auch in diesem Jahr wieder besonders schwer, alle offenen Stellen an Schulen zu besetzen. 2.440 unbefristete Lehrerstellen waren nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung zum Schuljahr 2021/22 neu zu besetzen. Bisher konnten 2.886 Lehrkräfte eingestellt werden, jedoch nicht alle in Vollzeit. 1.526 von ihnen seien sogenannte Laufbahnbewerber. Hinzu kommen 790 Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die mindestens ein Schulfach studiert haben, sowie 420 sonstige Lehrkräfte. Hierzu zählen etwa Künstlerinnen und Künstler oder Lehrkräfte in Willkommensklassen. 150 Bewerberinnen und Bewerber befinden sich laut Scheeres noch im Einstellungsprozess, 80 Stellen sind noch unbesetzt.

Brandenburg: Für das neue Schuljahr 2021/22 konnten in Brandenburg alle Stellen besetzt werden. Der Anteil der Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger an den unbefristeten Einstellungen ist leicht gesunken. Von den vier staatlichen Schulämtern wurden bislang 1.256 Lehrkräfte unbefristet neu eingestellt (Stand 19.07.2021). Unter den 1.256 unbefristet neu eingestellten Lehrkräften sind 256 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger. Das sind 21,3 Prozent, 2020 waren es noch 32,5 Prozent. Insgesamt unterrichten an Brandenburger Schulen im Schuljahr 2021/22 dann rund 2.700 unbefristet und befristet beschäftigte Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger (13,1 Prozent aller Lehrkräfte).

Zusätzlich wurden 790 Lehrkräfte befristet für das neue Schuljahr eingestellt, darunter 537 Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger, die in der Regel zunächst befristet für 15 Monate eingestellt werden und – nach Teilnahme an der pädagogischen Grundqualifizierung und einer Bewährungsfeststellung – entfristet werden.

Schleswig-Holstein: Hier waren zum Schulstart am 2. August 98,7 Prozent der Lehrerstellen besetzt. Von 758 Schulleiterstellen waren 26 noch vakant.

Mecklenburg-Vorpommern: In Mecklenburg-Vorpommern konnte zum Schulstart dank der Einstellung von 657 neuen Lehrkräften  der Unterricht planmäßig erteilt werden. „Wir haben in diesem Jahr zum ersten Schultag so viele Lehrkräfte neu einstellen können wie noch nie in Mecklenburg-Vorpommern“, betonte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). 80 Prozent der Neueinstellungen hätten ein Lehramtsstudium absolviert, 20 Prozent seien Seiteneinsteigerinnen oder Seiteneinsteiger. Der Bedarf an zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrern sei größer gewesen als noch im Frühjahr prognostiziert. Als Gründe nannte Martin unter anderem gestiegene Schülerzahlen und das Wiederholen von Klassenstufen. Allein wegen der coronabedingten freiwilligen Rückstellungen seien landesweit 70 Klassen zusätzlich eingerichtet worden.

Hamburg: In Hamburg ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler im neuen Schuljahr um 4.100 gestiegen. Deshalb mussten zum Schulbeginn 2020/21 510 zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden.

Wie ist die Prognose für den Lehrermangel in den kommenden Jahren?

 

Auch künftig werden die Schulen in Deutschland weiter mit dem Lehrermangel zu kämpfen haben. Das zeigt die aktualisierte Modellrechnung bis 2030 der Kultusministerkonferenz (KMK) vom Dezember 2020. Vor allem in der Sekundarstufe I – also oberhalb der Grundschule – wird bis 2030 durchgehend mit Engpässen gerechnet. Gebraucht werden demnach vor allem Mathe-, Chemie-, Physik- und Musiklehrkräfte. Die Lücke im Sekundarbereich I wird sich den Prognosen zufolge aber zumindest verkleinern, von jetzt 4.770 auf 1.300 fehlende Lehrkräfte im Jahr 2030. Auch an Berufsschulen wird mit einem jährlichen Unterangebot von im Schnitt fast 1.000 Lehrerinnen und Lehrern gerechnet.

Einen Lehrerüberschuss gibt es dagegen an Gymnasien. Hier gehen die Kultusministerien von einem deutschlandweiten „Überangebot“ von durchschnittlich 2.200 Lehrkräften pro Jahr aus. In den Grundschulen fehlen derzeit noch durchschnittlich 1.700 Lehrkräfte pro Jahr, ab 2025 wird allerdings mit einer Trendumkehr hin zu einem Überangebot ausgegangen.

Allerdings zweifeln viele Expertinnen und Experten an dieser positiven Prognose für die Grundschulen. In den vergangenen Jahren lagen die Modellrechnungen der KMK häufig daneben.

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 40.000 Schulen und Berufsschulen, 11 Millionen Schülerinnen und Schüler und mehr als 800.000 Lehrkräfte. Als Hauptursachen für den Lehrermangel werden veränderte Geburtenzahlen und die Zuwanderung genannt. Gleichzeitig haben viele Länder mit einer hohen Zahl von Pensionierungen zu kämpfen, weil in der Vergangenheit zu lange kein Nachwuchs eingestellt wurde.

Wo ist der Lehrermangel am größten?

Vor allem die ostdeutschen Bundesländer müssen seit Jahren in großem Umfang auf Quereinsteigende setzen. Das zeigte auch die Abfrage des Schulportals vom August 2020. In Berlin etwa waren 40 Prozent der Neueinstellungen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. In Brandenburg wurden 34 Prozent der Stellen mit Lehrkräften ohne volle Lehrbefähigung besetzt. In Mecklenburg-Vorpommern betraf das bisher 30 Prozent der Neueinstellungen.

Sachsen-Anhalt hat für die Ausschreibungsrunde von Mitte Februar bis März 2021 laut Ministerium erstmals Agenturen eingeschaltet, die gezielt nach Lehrkräften aus dem Ausland sowie Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern suchen. Derzeit seien auf diesem Weg etwa 100 Bewerberinnen und Bewerber ins Spiel gekommen. Teilweise müssten Abschlüsse über die Kultusministerkonferenz überprüft werden. Rund 40 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber kämen aus dem Ausland.

Auch in einigen westdeutschen Bundesländern wurden offene Lehrerstellen in Mangelfächern, für die es keine ausgebildeten Bewerberinnen und Bewerber gab, mit Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern besetzt – allerdings in geringerem Umfang. In Niedersachsen zum Beispiel betraf das etwa 6 Prozent der Neueinstellungen, in Schleswig-Holstein 11 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Begriffe „Quereinstieg“ und „Seiteneinstieg“ in den Bundesländern sehr unterschiedlich definiert sind. Die Zahlen sind deshalb schwer vergleichbar. In der Regel haben Quereinsteigende einen Uni-Abschluss, aber kein abgeschlossenes Lehramtsstudium und werden etwa über Nachqualifizierungen in Pädagogik geschult.

In welchen Fächern fehlen die meisten Lehrerinnen und Lehrer?

Lehrerinnen und Lehrer fehlen an den weiterführenden Schulen besonders häufig in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Der Bildungsforschern Klaus Klemm hat für die Telekom-Stiftung in einer aktuellen Studie vom Januar 2021 am Beispiel Nordrhein-Westfalen untersucht, wie sich Angebot und Bedarf an Lehrkräften in den MINT-Fächern an allgemeinbildenden Schulen entwickeln. Das Ergebnis: Ohne ein Gegensteuern werden die Schulen im Schuljahr 2030/31 nur ein Drittel der nötigen ausgebildeten MINT-Fachlehrkräfte zur Verfügung haben. Dieses Ergebnis ist noch einmal deutlich negativer als das der Vorgängerstudie von 2014. Hier hatte Klemm noch eine voraussichtliche Bedarfsdeckungsquote von immerhin rund zwei Dritteln bis 2025/26 vorhersagen können. Die Gründe: Jede dritte MINT-Lehrkraft wird laut Studie bis 2030/31 aus dem Schuldienst ausscheiden, vor allem aus Altersgründen. Zusätzlich wachsen die Schülerzahlen stark an. In den kommenden zehn Jahren müssten laut Berechnung von Klemm in NRW jährlich etwa 3.300 neue MINT-Lehrkräfte eingestellt werden. Nach den aktuellen Belegungen der Studienplätze im Lehramt für diese Fächer werden es aber nur 1.100 Absolventinnen und Absolventen sein.

In Rheinland-Pfalz etwa meldete das Statistische Landesamt am 12. Juli 2021, dass nur 17 der rund 1.200 Lehramtsabsolventen im Jahr 2020 in Rheinland-Pfalz haben das Fach Informatik belegt. Von ihnen schlossen wiederum lediglich zehn ihr Zweites Staatsexamen in einem Lehramt an einer allgemeinbildenden Schule ab.

Die Zahl der Lehrkräfte mit dem Fach Informatik in Rheinland-Pfalz sinkt der Behörde zufolge schon seit einigen Jahren. So hatten im Jahr 2020 etwa 680 Lehrer an allgemeinbildenden Schulen eine Lehrererlaubnis für Informatik. Nach Angaben des Statistischen Landesamts war das der niedrigste Wert seit 2010. Die Zahl dieser Lehrkräfte war in den vergangenen zehn Jahren um fast sieben Prozent gesunken.

Welche Wege für den Quereinstieg an Schulen gibt es?

Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger haben zwar auch ein für das Lehramt relevantes Fach studiert, steigen aber ohne Vorbereitungsdienst direkt in den Schulen ein. Sie besuchen je nach Bundesland vorher einen mehrwöchigen oder manchmal auch nur mehrtägigen Einführungskurs und werden dann auch berufsbegleitend weiterqualifiziert. Außerdem sollen sie in den Schulen besonders unterstützt werden.

Hier gibt es Informationen zum Quer- und Seiteneinstieg in den Bundesländern:

Über Erfahrungen von Quereinsteigenden an Schulen und über Konzepte für ein erfolgreiches Mentoring an Schulen erfahren Sie mehr im Dossier „Quereinstieg im Praxischeck“.

Wie hoch ist das Gehalt für Lehrkräfte?

Um die Arbeit an Grundschulen attraktiver zu machen, haben viele Bundesländer die Gehälter der Grundschullehrkräfte an die Gehälter der Lehrkräfte an Sekundarschulen und Gymnasien angepasst. Zuletzt hatte Thüringen eine solche Angleichung angekündigt: Lehrerinnen und Lehrer für Gymnasien, Regelschulen und Grundschulen werden in Thüringen demnach ab August 2021 das gleiche Gehalt bekommen. Bisher wurden dort Grundschullehrkräfte als Beamte in der Besoldungsstufe A12 eingruppiert, während Gymnasial- und Regelschullehrer bereits in der Stufe A13 besoldet wurden. Künftig ist für alle die Besoldungsgruppe A13 vorgesehen, in der das Gehalt je nach Berufserfahrung zwischen rund 4.300 und 5.500 Euro brutto monatlich beträgt.

Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein hatten die Angleichung der Gehälter für die Grundschullehrkäfte schon in den Jahren zuvor beschlossen. In Niedersachsen gibt es eine monatliche Zulage von 97 Euro. Auch für Lehrkräfte der Sekundarstufe I gibt es noch nicht in allen Bundesländern das gleiche Gehalt wie für Gymnasiallehrkräfte. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat zur Besoldung im Oktober 2020 eine Bestandsaufnahme in den Bundesländern veröffentlicht. Auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, fordert in ihrem Gastbeitrag für das Schulportal eine einheitliche Besoldung für Lehrkräfte aller Schularten und mehr Flexibilität in der Lehrerbildung.

Wo ist das Einstiegsgehalt von Grundschullehrkräften am höchsten?

Die Online-Lernplattform sofatutor.com hat das Einstiegsgehalt von Grundschullehrkräften im Schuljahr 2019/20 in den Bundesländern verglichen. In Berlin war demnach das Einstiegsgehalt am höchsten. Allerdings werden die Lehrkräfte in Berlin nicht verbeamtet. Das hohe Einstiegsgehalt soll diesen Wettbewerbsnachteil um Kampf um qualifizierte Lehrkräfte ausgleichen. Zudem können sich Arbeitszeiten, Aufgaben und Pflichtstunden in den Ländern stark unterscheiden. Bei den Angaben handelt es sich um Bruttogehälter ohne Zulagen o.ä.

  • Berlin: Grundschule – 5.458,94 Euro (E13/Stufe 5)
  • Sachsen: Grundschule – 4.069,73 Euro (A13/Stufe 3)
  • Brandenburg: 4.060,07 Euro (A13/Stufe 4)
  • Hamburg: 3.725,43 Euro (A12/Stufe 1)
  • Nordrhein-Westfalen: 3.654,32 Euro (A12/Stufe 4)
  • Bayern: 3.633,24 Euro (A12/Stufe 3)
  • Niedersachsen: 3.606,56 Euro (A12/Stufe 4)
  • Schleswig-Holstein: 3.595,35 Euro (A12/Stufe 4)
  • Bremen: 3.593,75 Euro (A12/Stufe 4)
  •  Thüringen: 3.467,36 Euro (A12/Stufe 3)
  • Sachsen-Anhalt: 3.462,99 Euro (A12/Stufe 1)
  •  Baden-Württemberg: 3.458,40 Euro (A12/Stufe 1)
  • Rheinland-Pfalz: 3.438,60 Euro (A12/Stufe 3)
  • Saarland: 3.396,40 Euro (A12/Stufe 3)
  • Mecklenburg-Vorpommern: 3.377,57 Euro (A12/Stufe 3)
  • Hessen: 3.373,22 Euro (A12/Stufe 1)

Welche Zulagen gibt es bei Lehrermangel an Schulen in ländlichen Regionen?

Schulen im abgelegenen ländlichen Raum haben es oft besonders schwer, Personal zu finden. Viele Stellen bleiben oft ein ganzes Schuljahr oder länger unbesetzt. Die Kultusministerien bieten deshalb immer häufiger Zulagen, Umzugshilfen und andere Anreize, um Lehrkräfte für die Arbeit in abgelegenen oder unbeliebten Regionen zu gewinnen.

Brandenburg will Lehramtsstudierende dafür gewinnen, an Schulen zu unterrichten, die einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften haben. Dafür wird das „Brandenburg-Stipendium Landlehrerinnen und Landlehrer“ aufgelegt – erstmals im Wintersemester 2021/22 mit 25 Stipendien in Höhe von 600 Euro als Pilotprogramm. Aktuell haben brandenburgweit 53 Schulen fast aller Schulformen (außer Gymnasien) einen besonderen Bedarf an voll ausgebildeten Lehrkräften, da an diesen Schulen bereits mehr als 25 Prozent Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger unterrichten. Diese Schulen sind auf einer interaktiven Karte im MBJS-Internet dargestellt.

Auch der Landtag in Thüringen hatte im März 2021 ein neues Zulagensystem beschlossen, um angehende Lehrkräfte zu motivieren, dort zu arbeiten, wo der Lehrermangel besonders ausgeprägt ist.

Das Schulportalhatte sich 2020 die Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genauer angesehen. Mehr zu den Herausforderungen der Schulen im ländlichen Raum erfahren Sie im Dossier „Wie sich Schulen in abgehängten Regionen behaupten“.

Wie können geflüchtete Lehrkräfte qualifiziert werden?

Die Universität Potsdam hat 2016 ein Qualifizierungsprojekt für geflüchtete Lehrkräfte gestartet, um den Berufseinstieg ins Brandenburger Schulsystem zu ermöglichen.

Zielgruppe sind geflüchtete Akademikerinnen und Akademiker, die im Ausland ein Lehramtsstudium erfolgreich absolviert haben und in ihrem Herkunftsland bereits als Lehrkraft an einer Schule gearbeitet haben. Das 18-monatige Programm bietet unter anderem Sprachkurse für den Erwerb des Sprachzertifikats C1, pädagogische Seminare und ein Schulpraktikum.

Die Qualifizierung in Vollzeit bereitet auf eine zweijährige Tätigkeit als Assistenzlehrkraft oder als pädagogische Unterrichtshilfe vor. Danach soll eine Weiterqualifizierung analog zum Seiteneinstieg anschließen.

Viele Teilnehmende scheitern dennoch an den hohen Einstiegshürden. Das Schulportal hat darüber berichtet.

Warum reichen die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte nicht aus?

Mark Rackles, Ex-Staatssekretär für Bildung in Berlin, ist überzeugt, dass die Wurzel für den Lehrermangel in der Ausbildung liegt. Seit Jahren erhöhen die Länder die Kapazitäten in den Universitäten und dennoch kommen nicht genügend ausgebildete Lehrkräfte an den Schulen an. In seiner Studie „Lehrkräftebildung 2021“ ist er den Ursachen auf den Grund gegangen. Viele Bundesländer bilden bis heute nicht bedarfsgerecht aus. Hinzu kommt, dass viele Lehramtsstudierende ihre Ausbildung abbrechen oder wechseln. Bundesweit ist die Zahl der Studienplätze in den vergangenen Jahren um 17 Prozent gestiegen, gleichzeitig ist die Zahl der Absolventinnen und Absolventen der ersten Phase der Lehrerausbildung an den Hochschulen gesunken.

Für Rackles lässt  sich das Problem nur länderübergreifend lösen. „Man kann nicht in der Ausbildung 16 Teilmärkte isoliert betrachten und sich dann wundern, dass der Gesamtmarkt nicht stimmig ist“, sagt er im Interview mit dem Schulportal. „Man bräuchte eine Instanz, die von außen drauf schaut, losgelöst von der Logik der Politik, die Defizite kleinzureden“, sagt Rackles weiter.

Eine solche Instanz könnte schon bald in Aktion treten. Im Herbst 2020 hatte die Kultusministerkonferenz beschlossen, eine „Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz“ einzurichten. Aufgabe dieser Einrichtung ist die Beratung der Länder in Fragen der Weiterentwicklung des Bildungswesens und des Umgangs mit seinen Herausforderungen. Eine Findungskommission unter Leitung des Bildungsforschers Manfred Prenzel Vorschläge für die Besetzung des Expertengremiums gemacht, die von der KMK angenommen wurden. Ende Juni wird sich das Gremium konstituieren.