Dieser Artikel erschien am 13.10.2018 in der taz
Autorin: Anna Lehmann

Prognose der Kultusminister : Lehrermangel bis mindestens 2030

Die Kultusminister haben eine eigene Prognose zum Lehrerbedarf erstellt. Besonders im Osten werden Lehrer_innen gesucht.

Hat jemand noch einen unbeschäftigten Lehrer zu melden?
Hat jemand noch einen unbeschäftigten Lehrer zu melden?
©dpa

Abiturienten, die erwägen, Lehramt zu studieren, haben bis 2030 voraussichtlich ausgezeichnete Chancen, eingestellt zu werden. Denn die Schulen werden wohl in den nächsten 12 Jahren dauerhaft mehr Stellen anbieten, als BewerberInnen zur Auswahl stehen. Das zeigt die Prognose zu Lehrer­einstellungs­bedarf und -angebot, die die Kultus­minister­konferenz (KMK) bei ihrer am Freitag zu Ende gegangenen Herbst­tagung in Berlin vorlegte.

Die KMK hatte zuletzt 2015 eine solche Prognose präsentiert, angesichts der Klagen über Lehrer­mangel in vielen Bundes­ländern, sahen sich die MinisterInnen aber veranlasst, neue Daten aus ihren statistischen Landes­ämtern anzufordern. Die jetzt vorliegende Prognose soll jährlich angepasst werden.

Stand 2018 müssen jährlich 31.900 LehrerInnen neu eingestellt werden. Im Durch­schnitt fehlen 700 Bewerber pro Jahr. Dieser Durch­schnitts­wert verteilt sich jedoch ganz unter­schiedlich über die Länder und die Schul­arten.

So ist der Lehrermangel in den östlichen Bundes­ländern viel ausgeprägter als im Westen. Hier kann über die Jahre im Schnitt jede fünfte Stelle nicht besetzt werden, während in den westlichen Bundes­ländern etwa 900 Lehrer über Bedarf ausgebildet werden. Von einem Lehrer­Innen­überschuss im Westen kann jedoch, wenn über­haupt, erst ab 2023 die Rede sein.

An den Gymnasien ist die Lage bundesweit am entspanntesten. Hier werden wohl dauerhaft genügend Lehramts­anwärter zur Verfügung stehen, im Schnitt nämlich ein Viertel mehr als angebotene Stellen. In Bayern, Nieder­sachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wird die Verlängerung der Gymnasial­zeit jedoch kurz­fristig Lücken reißen.

Bedarf an Sonderpädagogen nur zu 87 Prozent gedeckt

An den Grundschulen bleibt die Lage überall angespannt, hier kann rein rechnerisch jede zehnte Stelle nicht mit aus­gebildeten Grund­schul­lehrerInnen besetzt werden. In den ost­deutschen Länder bleibt fast jede dritte Stelle unbesetzt.

Noch düsterer ist die Lage an den beruflichen Schulen: Im Osten des Landes kann laut KMK davon ausgegangen werden, dass jede zweite Stelle nicht besetzt werden kann, im Westen ist es jede zehnte.

Der Bedarf an Sonder­pädagogen kann bundesweit nur zu 87 Prozent gedeckt werden. Da die Schulen stetig inklusiver werden sollen, stelle diese Unter­deckung, so die KMK, eine besondere Heraus­forderung dar.

Künftige politische Weichen­stellungen, die den Bedarf an LehrerInnen erhöhen, etwa der Ausbau von Ganz­tags­schulen, sind noch nicht eingerechnet.

Den Worten müssten nun Taten folgen, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Sonst ­steuert Deutschland auf einen Bildungsnotstand zu“, meint Vorsitzende Marlis Tepe. Die GEW fordert unter anderem, die Zahl der Studien­plätze zu erhöhen und alle LehrerInnen wie Gymnasial­lehrer zu bezahlen.„Bessere Rahmen­bedingungen sind entscheidend, damit sich mehr Leute für den Beruf begeistern“, meint auch der Vorsitzende des Lehrer­verbands, Heinz-Peter Meidinger. Dazu zählten eine geringere Unter­richts­verpflichtung und Unter­stützung im Unter­richt durch Sozial­pädagogen. Er schlägt vor, in Zeiten des Über­angebots LehrerInnen über Bedarf einzustellen und so einem späteren Mangel vor­zubeugen.