Lehramtsausbildung : Die wichtigsten Fragen rund um das Referendariat

Wie läuft das Referendariat nach dem Lehramtsstudium ab? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern? Was würden sich die Referendarinnen und Referendare anders wünschen? Das Schulportal beantwortet hier die wichtigsten Fragen zur zweiten Phase der Lehrerbildung.

Annette Kuhn / 16. März 2021
Referendariat junger Lehrer vor Tafel
Das Referendariat ist für angehende Lehrkräfte eine große Herausforderung und nicht selten ein „Praxisschock".
©Getty Images

Mit dem Referendariat oder Vorbereitungsdienst wird die zweite Phase der Lehramtsausbildung bezeichnet. Es umfasst die schulpraktische Ausbildung, die sich an das Studium anschließt. Der Begriff Referendariat wird allerdings auch für den Vorbereitungsdienst in anderen Berufen bezeichnet, vor allem nach dem Jurastudium. Genauer heißt es daher Lehramtsreferendariat analog zum Rechtsreferendariat.

Wann findet das Referendariat statt?

Die Lehrerbildung gliedert sich in drei Phasen: Die erste Phase umfasst das Lehramtsstudium, danach folgt das Referendariat bzw. der Vorbereitungsdienst. Als dritte Phase wird die Weiterbildung im Lehrerberuf bezeichnet.

Wie lange dauert das Referendariat?

Die Dauer des Referendariats ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, wie diese Infografik zeigt. In den meisten Bundesländern dauert es 18 Monate: in Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Schleswig-Holstein. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist das Referendariat mit zwölf Monaten am kürzesten, in Bayern und Thüringen mit 24 Monaten am längsten. In Hessen dauert es 21, in Baden-Württemberg 19 und in Sachsen-Anhalt 16 Monate.

Wie läuft das Referendariat für den Lehrerberuf ab?

Der Ablauf des Referendariats ist in den Bundesländern unterschiedlich. Entsprechend der Gliederung der Studiengänge in verschiedene Lehramtstypen erfolgt auch die schulpraktische Ausbildung entsprechend. Entweder wird nach Schularten oder Schulstufen unterschieden. In Berlin gibt es zum Beispiel drei Ausbildungen: für das Lehramt an Grundschulen, für das Lehramt an Integrierten Sekundarschulen (ISS) und Gymnasien sowie für das Lehramt an beruflichen Schulen. Sonderpädagogik ist kein eigenes Studium, sondern kann als Fach innerhalb des Studiums gewählt werden.

Das Referendariat besteht aus einer Ausbildung im Studienseminar und einem praktischen Einsatz in der Schule. Die beiden Einrichtungen arbeiten in den meisten Bundesländern unabhängig voneinander. Nur in Bayern ist es anders geregelt: Hier gibt es Seminarschulen – Studienseminar und Schule sind unter einem Dach. Für angehende Lehrkräfte an Realschulen und Gymnasien in Bayern findet an diesen Seminarschulen das erste Jahr des Vorbereitungsdienstes statt. Im zweiten Jahr wechseln die Referendarinnen und Referendare dann an eine andere sogenannte Einsatzschule. An den Grundschulen kommen die Referendare gleich an eine Einsatzschule.

Was verdienen Referendarinnen und Referendare?

Der Verdienst im Referendariat hängt vom Bundesland ab und auch von der Schulart, in der man das Referendariat absolviert. In vielen Bundesländern liegt der Verdienst an einem Gymnasium also höher als an einer Grundschule. Immer mehr Bundesländer haben inzwischen allerdings die Besoldung zwischen den Schularten angeglichen oder haben zumindest angekündigt, diese Angleichung vorzunehmen.

Wechsel zwischen den Bundesländern

Lange war es kompliziert, in der Lehrerausbildung zwischen den Bundesländern zu wechseln. Ein Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2013 hat hier aber für Erleichterung gesorgt. Ziel war es, die Mobilität von Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter zu erhöhen. Nach dem Lehramtsstudium kann das Referendariat also auch in einem anderen Bundesland absolviert werden. Voraussetzung ist, dass die Fächerkombination in diesem anderen Bundesland vorgesehen ist. Zu beachten ist außerdem, dass die Länder unterschiedliche Bewerbungsfristen haben. Während des Referendariats ist ein Wechsel schwierig – allein schon deshalb, weil die Dauer und die Zahl der notwendigen Unterrichtsbesuche variiert.

Welche Probleme gibt es?

In den meisten Studiengängen für das Lehramt ist inzwischen zwar ein Praxissemester vorgesehen – oder es gibt zumindest längere Praxisphasen –, dennoch erleben viele den Einstieg ins Referendariat als „Praxisschock“. Das Schulportal hat einige Referendarinnen und Referendare nach ihren Erfahrungen befragt. Fühlen Sie sich durch das Studium gut vorbereitet? Werden sie in dieser Phase ausreichend betreut und beraten, und was würden sie sich anders wünschen? Für viele Situationen hätten sie sich mehr Vorbereitung durch das Studium gewünscht. Auch der Bildungsforscher Manfred Prenzel mahnt im Interview eine stärkere Verzahnung der ersten und zweiten Phase der Lehramtsausbildung an.

Wichtig ist, dass Referendarinnen und Referendare im Vorbereitungsdienst eine Begleitung haben, zum Beispiel durch ein Mentorenprogramm. Aufgrund des großen Lehrermangels in fast allen Bundesländern gibt es dafür aber an vielen Schulen kaum Kapazität. Nicht selten erleben die angehenden Lehrerinnen und Lehrer, dass sie vom ersten Tag an allein vor der Klasse stehen.

Neue Ideen für das Referendariat

Absolventinnen und Absolventen des Lehramtsstudiums wünschen sich auch mehr Raum zum Experimentieren – und dafür weniger Prüfungsdruck in der Ausbildung. Die Akademie Biberkor in Bayern hat das Projekt „Neues Referendariat“ ins Leben gerufen. Seit diesem Schuljahr können hier Absolventinnen und Absolventen des Ersten Staatsexamens ihren Vorbereitungsdienst in zwölf Monaten absolvieren, allerdings ist die Ausbildung bislang noch nicht staatlich anerkannt.

Ein weiteres Projekt in Bayern will die Referendarinnen und Referendare fit machen für den Umgang mit digitalen Medien im Unterricht. Bayerische Realschullehrkräfte haben das Programm DiBiS entwickelt. „DiBiS“ steht für „Digitale Bildung in der Seminarausbildung“. Seit 2019 gehört das Programm zu den verbindlichen Ausbildungsinhalten für das Referendariat in Bayern. Die angehenden Lehrkräfte entwickeln hier neue digitale Lernformate, die sie direkt im Unterricht erproben können.

Handwerkszeug für neue Lernformate im digitalen Raum bietet auch das Buch „Hybrid-Unterricht 101. Ein Leitfaden zum Blended Learning für angehende Lehrer:innen“, das sich speziell an angehende Lehrkräfte richtet.

Referendariat in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie hat auch für Referendarinnen und Referendare viel durcheinandergebracht. Während der Schulschließungen konnten sie keine praktischen Erfahrungen im Präsenzunterricht sammeln. Lange wussten sie nicht, wie sie die erforderlichen Leistungen für das Referendariat erbringen können. In vielen Bundesländern wurde die Zahl der vorgeschriebenen Unterrichtsbesuche zwar reduziert, und teilweise konnten sie auch durch Unterrichtsentwürfe ersetzt werden. Dennoch haben sich bei vielen die Unterrichtsbesuche nach den Sommerferien geballt, wie eine Referendarin aus Niedersachsen dem Schulportal geschildert hat. Mit ähnlichen Ballungen ist auch nach der zweiten Phase der Schulschließungen zu rechnen.

Für den Einstieg in den Vorbereitungsdienst hat sich die Kultusministerkonferenz schon im vergangenen Jahr darauf verständigt, dass die Absolventinnen und Absolventen des Lehramtsstudium keine Nachteile haben sollen – selbst wenn sich aufgrund der Pandemie Prüfungstermine verschieben sollten.

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