Kultusministerkonferenz : Nach den Sommerferien soll Abstandsregel wegfallen

Die Kultusminister der Länder haben in einer Videokonferenz am Donnerstag beschlossen, spätestens nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb zurückzukehren. Dafür soll auch die Abstandsregel von 1,5 Metern entfallen, verkündete Stefanie Hubig, die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, nach der Sitzung. Alle Schülerinnen und Schüler sollen demnach wieder regulär „nach geltender Stundentafel” in ihren Klassenverbänden zur Schule gehen können. Eine Einschränkung gibt es aber doch.

Annette Kuhn / 18. Juni 2020
Kinder mit Schulranzen
Spätestens nach den Sommerferien muss in der Schule nicht mehr der Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. - solange es das Infektionsgeschehen erlaubt.
©Martin Schutt/dpa

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK) zeigte sich am Donnerstagabend zufrieden, als sie vor die Presse trat, um die gemeinsamen Beschlüsse der Bildungsminister zu verkünden. Alle 16 Bundesländer wollen spätestens nach den Sommerferien wieder zum Regelbetrieb zurückkehren, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nach einer Schaltkonferenz am Nachmittag. Dies sei erforderlich, um das Recht auf Bildung zu gewährleisten, betonte sie. Damit müsse auch die Abstandsregel von 1,5 Metern entfallen. Allerdings sei dieser Plan nur zu verwirklichen, „sofern es das Infektionsgeschehen zulässt”, ergänzte Hubig. Abhängig von der jeweiligen Situation vor Ort müssten Anpassungen vorgenommen werden. Ob dann auch wieder die Abstandsregel in den Schulen gelten könne, ließ sie offen.

Die Kultusministerkonferenz will sich „rechtzeitig” auf einen gemeinsamen Rahmen für aktualisierte Schutz- und Hygienemaßnahmen verständigen, „die dem Arbeitsschutz Rechnung tragen”. Konkrete Punkte, wie dieses Konzept ohne Abstandsregel aussieht, nannte die Vorsitzende noch nicht. Mit Verweis auf den Corona-Ausbruch bei Gütersloh sagte sie allerdings, dass die Länder auf alternative Szenarien vorbereitet sein müssten. Externe Bildungsexperten, die bei der Sitzung am Donnerstag dabei waren, hätten dazu geraten, „in drei Szenarien zu denken”: Präsenzunterricht im Regelbetrieb, Präsenz- und Fernunterricht sowie Fernunterricht als Regelfall, wenn Schulen wieder geschlossen werden müssen. Das hatte auch schon Ende Mai die Expertenkommission der Friedrich-Ebert-Stiftung empfohlen. Die KMK-Vorsitzende betonte allerdings: „Schulschließungen sollten Ultima Ratio sein”.

Kultusminister haben die Abschlüsse im kommenden Schuljahr im Blick

Befasst haben sich die Kultusminister am Donnerstag auch mit den Abschlüssen im kommenden Schuljahr. Die durch die Schulschließungen und den eingeschränkten Unterricht veränderten Bedingungen für die Schülerinnen und Schüler würden bei der inhaltlichen Gestaltung des Schuljahres beachtet werden. Ebenso würden Maßnahmen ergriffen werden, um die durch die Corona-Krise jetzt möglicherweise entstandenen Lernrückstände aufzufangen. Einige Bundesländer haben dazu bereits beschlossen, in den Ferien für die betroffenen Schülerinnen und Schüler entsprechende Angebote zu machen.

Auch wenn nach den Sommerferien an den Schulen wieder der Regelbetrieb gilt, wollen die Länder die Digitalisierung weiter vorantreiben. Dabei werden die Länder auf die „in der Corona-Krise gemachten Erfahrungen aufbauen und die für den Distanzunterricht benötigten, verlässlichen rechtlichen sicheren Kommunikationsinstrumente und Lernplattformen weiter ausbauen”, erklärte Stefanie Hubig.  Damit dies gelingt, wolle man auch den Lehrkräften die nötigen Fortbildungen anbieten. Außerdem müsse dafür auch der Zugang aller Schülerinnen und Schüler zu digitalen Unterrichtsformen gewährleistet werden. Dafür haben die Länder bereits Ende April das Sofortausstattungsprogramm beschlossen.

Kritik von Lehrerverbänden zu Verzicht auf Abstandsregel

Im Hinblick auf das kommende Schuljahr äußerte sich Hubig auch zur Lehramtsausbildung und versicherte, dass die Studierenden dann alle nötigen Unterrichtspraktika sowie ihren Vorbereitungsdienst absolvieren könnten. „Ziel ist es, weiterhin ausreichend angehende Lehrkräfte auszubilden”, denn diese würden dringend gebraucht.

Lehrerverbände und Bildungsgewerkschaften sehen die Pläne der Bundesländer kritisch, auf die Abstandsregel zu verzichten. Sie warnen vor einem „ Spiel mit dem Feuer” und pochen auf Schutzkonzepte für die Lehrer. Es sei eine Farce, wenn in jedem Supermarkt Plexiglasscheiben Kunden und Personal trennten – aber an Schulen kein Abstand eingehalten und die Lehrer nicht geschützt würden, hatte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, schon Anfang des Monats gesagt. „Auf das Abstandsgebot in den Schulen zu verzichten, ist der falsche Weg», sagte auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Abstand und Hygienemaßnahmen seien das A und O, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern vor Infektionen zu schützen. Mit dpa