Konferenz Bildung Digitalisierung : Wie wird eine Schule digital?

Das Forum Bildung Digitalisierung lädt vom 16. bis 17. November 2022 zur siebten Konferenz Bildung Digitalisierung ein. Im Zentrum steht die Frage, wie sich digitale Transformation in der schulischen Bildung umsetzen lässt. Seit Beginn der Corona-Pandemie findet die Konferenz erstmals wieder in Präsenz in Berlin statt. Allerdings ist die Veranstaltung schon lange ausgebucht. Interessierte können aber trotzdem viele Programmpunkte der Konferenz im Livestream auf dem Campus des Deutschen Schulpreises verfolgen und in der kommenden Woche im digitalen Begleitprogramm auf dem Campus verschiedene Sessions und Workshops besuchen.

Annette Kuhn 16. November 2022
Jugendliche vor Laptop Forum Bildung Digitalisierung
Zur digitalen Schule gehören vor allem auch zukunftsorientierte pädagogisch-didaktische Konzepte.
©iStock

Die Digitalisierung ist eines der großen Themen, die Schulen und Bildungspolitik weiterhin beschäftigen. In der Pandemie ging es für Schulen vor allem darum, kurzfristig digitale Lösungen zu finden, um überhaupt Unterricht zu gewährleisten. Jetzt müssen Schulen langfristige tragfähige Strukturen für einen lernförderlichen Unterricht schaffen, der Schülerinnen und Schüler auf das Leben in einer digital geprägten Welt vorbereitet. Aber wie kommen Schulen dahin? Wie können sie ihre digitale Entwicklung gestalten? Welche Rahmenbedingungen brauchen sie dafür? Wie lassen sich diese Prozesse steuern?

Bei der diesjährigen – inzwischen siebten – Konferenz des Forums Bildung Digitalisierung, die am 16. und 17. November in Berlin stattfindet, stehen diese Fragen im Fokus. Passend dazu trägt die Konferenz den Titel „Taking Charge – Visionen für das System Schule“. Schulleitungen, Schulverwaltung und Bildungspolitik sollen in Diskussionsrunden und Workshops Impulse bekommen, wie Schule in der digitalen Welt aussehen kann und welche Voraussetzungen für die digitale Entwicklung in Schulen gegeben sein müssen. „Die Bildungspolitik muss die Rahmenbedingungen für Schulen deshalb so gestalten, dass sie technisch, rechtlich, finanziell und administrativ verlässlich sind“, bringt es Jacob Chammon, Vorstand des Forums Bildung Digitalisierung auf den Punkt.

Fünf Empfehlungen zur Gestaltung der digitalen Transformation

Schon die Ständige Wissenschaftliche Kommission hat im vergangenen Jahr weitreichende Forderungen für die Digitalisierung von Schulen an die Bildungspolitik gestellt. Anlässlich der Konferenz hat nun auch das Forum Bildung Digitalisierung „fünf Handlungsempfehlungen zur Gestaltung der digitalen Transformation im schulischen Bildungsbereich“ formuliert.

  • Digitale Kompetenzen: Es geht nicht darum, dass Schülerinnen und Schüler digitale Geräte bedienen können und dass analoge Lernsettings ins Digitale kopiert werden. Der Fokus sollte neben der Weiterentwicklung der Fachdidaktiken auch auf der Vermittlung überfachlicher Kompetenzen wie Computational Thinking liegen. „Schulen gestalten die digitale Transformation immer dann erfolgreich, wenn sie eine klare pädagogische Vision als Kompass haben“, sagt Jacob Chammon.
  • Professionalisierung der Lehrkräfte: Um digitale Lehr-Lern-Settings umsetzen zu können, müssen Lehrkräfte entsprechend professionalisiert werden. Das müsse im Lehramtsstudium, aber auch in der Fortbildung stärker berücksichtigt werden. Das Forum Bildung Digitalisierung spricht sich dafür aus, eine übergeordnete Transfer- und Vernetzungsstelle zu schaffen, um eine nachhaltige und dauerhafte Qualifizierung von Lehrkräften zu sichern. „Es mangelt noch immer an der flächendeckenden Professionalisierung von Lehrkräften“, sagt Katharina Scheiter, Professorin für Digitale Bildung im Department Erziehungswissenschaft an der Universität Potsdam, bei der Vorstellung des Thesenpapiers. Derzeit sei das noch ein Flickenteppich.
  • Schulleitungen stärken: Schulleitungen komme eine Schlüsselrolle im Digitalisierungsprozess zu – sie müssen zum einen das Kollegium im digitalen Entwicklungsprozess unterstützen, zum anderen das Zusammenwirken der Schule mit Schulaufsicht und Schulträger moderieren. Dazu müsse es, genauso wie auf der Lehrkräfteebene, mehr Professionalisierungsangebote für Schulleitungen geben.
  • Mehr Autonomie: „So viel Autonomie für Einzelschulen wie möglich, so viel unterstützende Strukturen wie erforderlich“, heißt es im Thesenpapier. Das heißt, alle Schulen sollten vergleichbare und verlässliche Voraussetzungen bekommen, Länder und Kommunen sollten sicherstellen, dass sich Schulen „in einem ähnlichen Rahmen und entlang von festgelegten Standards“ entwickeln können, aber die Einzelschule sollte die Möglichkeit bekommen, auf ihrem individuellen Weg diese Standards zu erreichen.
  • Keine Insellösungen: Entscheidend für die digitale Transformation ist aus Sicht von Jacob Chammon, dass in diesem Prozess viel mehr Vernetzung auf Ebene der Schulen und auf Ebene der Schulverwaltung erfolgt: „Wichtig ist, dass die Länder auch länderübergreifend kooperieren.“ Das betreffe sowohl die Ausstattung als auch die pädagogisch-didaktische Beratung und Begleitung von Schulen.

Schulen brauchen im Digitalisierungsprozess Netzwerke zur Unterstützung

Anna Fröhlich, Schulleiterin der Grundschule Westersburg in Solingen, hält diese Netzwerkarbeit auch innerhalb der Schulen für entscheidend. Der Digitalisierungsprozess könne nicht an einzelnen Personen hängen, sondern brauche mehr Kooperation innerhalb des Kollegiums und zwischen Schulen und Schulverwaltung. „Wir brauchen Menschen, die Schulen im Prozess der Transformation ins Digitale begleiten und mit denen wir langfristig zusammenarbeiten können“, sagte sie ergänzend zu den Handlungsempfehlungen. Sie stellt sich dabei ein unterstützendes Netzwerk von Menschen unterschiedlicher Professionen vor. Und Jacob Chammon unterstreicht: „Hier brauchen wir neue Berufsfelder.“ Es dürfe bei Digitalisierung nicht nur um die Ausstattung und den Support gehen, sondern er hat vor allem Fachkräfte im Blick, die sich mit der Frage befassen: „Wie gelingt eine lernförderliche Umsetzung neuer digitaler Unterrichtssettings?“

Und Schulleiterin Anna Fröhlich wünscht sich überdies noch etwas: „Wir brauchen mehr Luft, um den digitalen Prozess zu gestalten und dann auch danach in der Schule zu leben.“ Zu oft aber fehle diese Nachhaltigkeit und dieser Raum, damit sich Dinge in der Schule auch entwickeln können.

Digitales Begleitprogramm

  • Das Forum Bildung Digitalisierung lädt vom 16. bis 17. November 2022 zur Jahreskonferenz Bildung Digitalisierung ein. Viele der Programmpunkte können Sie auf dem Campus des Deutschen Schulpreises im Livestream verfolgen. Angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer können auch über die Programm-App Fragen an das Panel stellen oder weitere Informationen zur Konferenz einsehen.
  • Eine Woche nach der Konferenz gibt es außerdem ein digitales Begleitprogramm auf dem Campus mit Workshops und weiteren Sessions, bei denen Expertinnen und Experten aus Schulpraxis und Wissenschaft Impulse geben. Dabei geht es zum Beispiel um die Gestaltung digitaler Lernsettings, Projekte im digitalen Raum oder auch um die Frage, wieso manchen  Schulen in herausfordernder Lage die Vermittlung digitaler Kompetenzen gut gelingt und anderen weniger.
  • Der Besuch aller Online-Veranstaltungen ist kostenlos.
  • Mehr zu den Veranstaltungen im digitalen Begleitprogramm und zur Anmeldung: