Dieser Artikel erschien am 11.03.2019 in der taz
Autorin: Anna Klöpper

Debatte Lehrerverbeamtung in Berlin : Keine Flucht in die Verbeamtung

Die Linke erfragt Zahlen zu Berliner LehrerInnen, die nach dem Examen in andere Bundes­länder abwandern, weil dort der Beamten­status lockt.

Uneins beim Thema Verbeamtung: SPD-SenatorInnen Scheeres (l.) und Kollatz
Uneins beim Thema Verbeamtung: SPD-SenatorInnen Scheeres (l.) und Kollatz
©dpa

In der Debatte über die Wiedereinführung der Lehrer­verbeamtung bringen sich die politischen Gegner zusehends in Stellung. Die vermeintliche Tatsache, dass LehrerInnen nach dem zweiten Staats­examen lieber in ein anderes Bundes­land gehen würden, um sich dort verbeamten zu lassen, war in den letzten Wochen von Befür­worterInnen der Verbeamtung gerne als Argumentations­hilfe in eigener Sache genutzt worden. Nun sagt die Linken-Bildungs­politikerin Regina Kittler unter Berufung auf Zahlen aus der Verwaltung von Bildungs­senatorin Sandra Scheeres (SPD): „Es gibt keine Berlin­flucht von jungen Lehr­kräften.“

Eine interne Schätzung der Bildungs­verwaltung Ende Januar ging von rund 400 LehrerInnen aus, die – angeblich wegen Nicht­verbeamtung – Berlin jedes Jahr den Rücken kehren. Das klang ernst, die CDU nutzte die medial kolportierten Zahlen sogleich, um die Wieder­verbeamtung zu fordern.

Nun widerlegen die Zahlen, die Kittler erfragt hat, nicht direkt diese Schätzung. Aller­dings zeigen sie, dass die Verbeamtung anders­wo die Jung­lehrerInnen auch nicht über die Maßen beeindruckt. Denn die Ein­stellungs­zahlen von AbsolventInnen des landes­eigenen Vorbereitungs­diensts schwanken zwar, blieben in den letzten vier Jahren aber konstant zwischen 816 (2018) und rund 1.200 BewerberInnen. Und die Bewerbungen von AbsolventInnen aus anderen Bundes­ländern – wo ja verbeamtet wird – legten sogar zu (von 423 in 2013 auf 762 in 2018).

Linken-Abgeordnete Kittler hatte auch die Wanderungs­bewegungen dienstälterer Berliner Lehr­kräfte bei der Bildungs­verwaltung angefragt. Die Antworten stehen allerdings noch aus.

Scheeres: Verbeamtung „kein Tabu mehr“

Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel äußerte sich zuletzt ablehnend zum Thema Verbeamtung. In ihrem Koalitions­vertrag haben Rot-rot-grün eben­falls fest­gehalten, nicht zur Verbeamtung zurück­kehren zu wollen.

Die SPD muss nun auf ihrem Parteitag Ende März eine gemeinsame Linie finden. Finanz­senator Matthias Kollatz (SPD) hatte sich zuletzt skeptisch zu den Kosten einer Wieder­verbeamtung geäußert. Seine Partei­genossin Scheeres hatte indes mehr­fach betont, sie sei im Kampf um Fach­kräfte „kein Tabu mehr“ und komme Berlin auch lang­fristig nicht teurer zu stehen.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Maja Lasić, warb hingegen unlängst für eine ergebnis­offene Prüfung, was teurer sei: Die Verbeamtung, oder eine finanzielle Besser­stellung von dienst­älteren angestellten LehrerInnen, die im Vergleich zu BeamtInnen schlechter gestellt sind – etwa bei Lohn­fort­zahlung im Krank­heits­fall und bei der Alters­vorsorge.