Kalenderblatt : 2. Juni 1946

Die Serie „Kalenderblatt“ erinnert an wichtige Ereignisse, die die deutsche Bildungs-landschaft geprägt haben. Auf diesem „Kalenderblatt“ steht der 2. Juni 1946. An diesem Tag hat das Land Thüringen als letzte der fünf Verwaltungseinheiten der Sowjetischen Besatzungszone das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ beschlossen und veröffentlicht. Zuvor hatten bereits die vier anderen Landes- und Provinzverwaltungen einen fast gleichlautenden Gesetzestext veröffentlicht. Damit war die Basis für eine einheitliche Schulstruktur in der gesamten Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR geschaffen.

Florentine Anders / 25. Mai 2018
Die Grundlagen für die Einheitsschule in der DDR sind bereits am 2. Juni 1946 gelegt worden.
©Agencia Fotograficzna Caro / Alamy Stock

In der Sowjetischen Besatzungszone gab es zwar zunächst ein formell föderales Bildungssystem, doch die Weichen zu einem zentralistischen System wurden schon früh gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte auch die sowjetische Militärregierung formell ein föderales System mit Provinzial- und Länderverwaltungen ein, die auch für die Schulgesetzgebung verantwortlich waren. Die Kontrolle unterlag allerdings der Militärregierung, die eine einheitliche Regelung anstrebte. Deshalb wurden in allen fünf Verwaltungsgebieten im Mai und im Juni fast identische Gesetzestexte beschlossen. Das   „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ prägte das Schulsystem über Jahrzehnte, auch nach Gründung der DDR.

Das Gesetz regelte neben allgemeinen Zielen die Gliederung der „demokratischen Einheitsschule“. Die Grundstufe wurde auf acht Jahre erweitert, die alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam durchliefen. Nach dem Ende der Grundschule folgte die verbindliche dreijährige Berufsschule oder die vierjährige Oberschule. Die Lehrpläne in allen Schulstufen sollten einheitlich sein und mussten von der Deutschen Verwaltung für Volksbildung genehmigt werden.

Im Dezember 1959 wurde die Regelung durch das „Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik“ abgelöst. Aus der achtjährigen Grundschule wurde die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule mit einer Unterstufe und einer Oberstufe unter einem Dach. Anschließend folgte eine mindestens zweijährige Berufsschulpflicht oder der Besuch der Erweiterten Oberschule, die in zwei Jahren zur Hochschulreife führte.

Mit dem Einigungsvertrag wurde die Verantwortung für die Schulen den Ländern übertragen, und diese nutzten ihre Freiheit auch bei der Ausgestaltung des Bildungssystems.

Die fünf neuen Länder haben sich auf unterschiedlichen Wegen für ein zweigliedriges Schulsystem in der Sekundarstufe I mit Abitur nach achtjährigem Gymnasium (G 8) entschieden. Brandenburg und Berlin haben zum Beispiel die sechsjährige Grundschule eingeführt.

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