Universitäten : Jeder Siebente bricht die Lehr­amts­ausbildung ab

Die Abbrecher­quote im Lehr­amts­studium ist vergleichsweise gering, doch seit einigen Jahren nimmt der Anteil zu. Das zeigt die neue Studie vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschafts­forschung (DZHW). Eine aktuelle Untersuchung in Mecklenburg-Vorpommern macht zudem deutlich, dass der tatsächliche Schwund im Lehramt an den Universitäten noch deutlich höher sein kann.

Florentine Anders / 24. Oktober 2018
©Pia Bublies

An den Universitäten werden die Studienplätze für die Lehramtsausbildung kräftig ausgebaut, denn in allen Bundesländern fehlt es an ausgebildeten Lehrkräften und der Bedarf wächst laut Prognosen auch in den kommenden Jahren weiter. Doch nicht alle Studierende, die sich für eine Lehramtslaufbahn entscheiden, kommen später auch im Schuldienst an.

Die Quote der Abbrecher im Lehramtsstudium beträgt im Bachelorstudiengang 15 Prozent,  beim anschließenden Staatsexamen steigen noch einmal 14 Prozent der Studierenden ohne Abschluss aus. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor, der im Oktober 2018 veröffentlicht wurde. Jährlich erfasst das DZHW die Studienabbrecher an den Universitäten und Fachhochschulen in ganz Deutschland. Der aktuelle Bericht bezieht sich auf den Absolventenjahrgang 2016.

Erstmals wurde darin für das Lehramt auch erfasst, wer schon während des Bachelors die Segel streicht. „Mit einem Anteil von 15 Prozent ohne Bachelorabschluss ist die Abbrecherquote im Lehramt im Vergleich zu anderen Studiengängen sehr gering“, sagt Ulrich Heublein vom DZHW. Betrachtet man alle Bachelor-Studiengänge der Universitäten, dann ist der Anteil der Abbrecher mit 32 Prozent doppelt so hoch.

Männer brechen häufiger das Lehramtsstudium ab als Frauen

Das Lehramt hat unter allen Fächergruppen die geringste Abbruchquote, allerdings unterscheidet die Statistik vom DZHW weder nach Lehramtsfächern noch nach Schularten. Die 15 Prozent bilden einen Durchschnittswert, der je nach Fachrichtung stark abweichen kann. Große Unterschiede gibt zwischen Männern und Frauen. Während 30 Prozent der männlichen Lehramtsstudenten schon im Bachelor ohne Abschluss ausscheiden, sind es unter den Studentinnen nur neun Prozent.

Auch beim Staatsexamen ist die Quote der Abbrecher im Lehramt mit 14 Prozent geringer als der Durchschnitt in den Masterstudiengängen an den Universitäten. Insgesamt lag die Abbruchquote im Master im Absolventenjahrgang 2016 bei 19 Prozent. Auch wenn das Lehramt vergleichsweise gut abschneidet, haben sich die Werte jedoch in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Am niedrigsten war der Anteil der Studierenden, die das Staatsexamen nicht schafften, im Jahr 2010 mit sechs Prozent.

Heublein betont zudem, dass die Statistik bei weitem nicht den gesamten Schwund im Lehramt erfasst. In die DZHW-Studie fließen nur jene Studierende ein, die ohne Abschluss die Hochschulen verlassen. Diejenigen, die in einen anderen Studiengang wechseln, kommen darin nicht vor.

Großer Schwund an den Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern

Und dieser Anteil kann erheblich sein: Eine aktuelle Studie in Mecklenburg-Vorpommern hat ergeben, dass sehr viel mehr Studierende als ursprünglich angenommen das System „Lehramtsausbildung“ an den Universitäten in Greifswald und Rostock verlassen, um die Hochschule oder das Studienfach zu wechseln. Im Lehramt für die sogenannte Regionale Schule beträgt der Schwund nach dem zehnten Fachsemester in Rostock 70 Prozent und an der Universität Greifswald sogar 85 Prozent. Von den Studierenden für das Lehramt an Gymnasien fehlen in Rostock nach dem zehnten Semester 65 Prozent und in Greifswald 55 Prozent. Auch wenn davon einige Studierende das Lehramtsstudium an einer anderen Hochschule fortsetzen, gehen sie dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zunächst verloren. Befragt wurden Lehramtsstudierende zwischen 2012/13 und 2017/18.

„Die Gründe für den Schwund sind vielfältig und unterschiedlich für die einzelnen Fächer und Lehrämter. Sowohl die Studie als auch Erfahrungen aus anderen Ländern und Universitäten zeigen, dass es nicht genügen wird, die Zahl der Studienplätze und die Immatrikulationszahlen pauschal zu erhöhen“, sagte der Autor der Studie Falk Radisch von der Universität Rostock.  Größeres Potenzial stecke in solchen Veränderungen, die dafür sorgen, dass mehr geeignete Lehramtsstudierende ein Studium aufnehmen und dann auch einen Abschluss erreichen. Und auch die Qualität des Studiums müsse auf verschiedenen Ebenen verbessert werden, so Radisch. Eine mögliche Maßnahme, die in diesem Zusammenhang verstärkt diskutiert wird,  sind Eignungstests wie es sie beispielsweise in Finnland für das Lehramtsstudium gibt.

Doch auch wer das Studium erfolgreich abschließt, steht nicht in jedem Fall den Schulen zur Verfügung. Das Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung registriert zwar bundesweit die Studienabbrecher, nich aber jene Hochschulabsolventen, die noch im Referendariat vorzeitig aufhören. Und dann gibt es auch fertig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die trotz erfolgreicher Ausbildung nicht in den Schuldienst wechseln oder nach kurzer Zeit wieder aussteigen.

 

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