Mehr Praxis schon im Studium : Hessen reformiert Lehrerausbildung

Ein Praxissemester und ein Portfolio: Das sind die wichtigsten Änderungen bei der Lehrer­aus­bildung in Hessen. Sie sollen zukünftigen Lehrkräfte besser auf die Schulen vorbereiten.

Dieser Artikel erschien am 14.05.2022 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Rainer Schulze
Lehrerin vor Whiteboard
Die Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte in Hessen soll sich ändern. (Symbolbild)
©unsplash

Die Ausbildung der Lehrkräfte in Hessen soll an die veränderten gesellschaftlichen Rahmen­bedingungen angepasst werden. Der Hessische Landtag hat deshalb am Mittwoch beschlossen, das Lehr­kräfte­bildungs­gesetz zu novellieren. Neu ein­geführt werden ein Praxis­semester und ein Portfolio, in dem die Studenten ihren Lernerfolg dokumentieren sollen. Wie Kultus­minister Alexander Lorz (CDU) mitteilt, seien die Anforderungen an Lehrkräfte in den vergangenen Jahren viel­fältiger geworden. Neue Aufgaben wie die Integration von Schülern nicht­deutscher Herkunfts­sprache, die Medien­bildung und Digitalisierung, die Inklusion, die Förderung der Bildungs­sprache Deutsch sowie die Ganz­tags­beschulung und die berufliche Orientierung hätten an Bedeutung gewonnen.

Diese Aspekte sollen auch bei der Ausbildung der Lehrer eine größere Rolle spielen. „Gut ausgebildete Lehrkräfte sind entscheidend für den Schul­erfolg junger Menschen. Daher ist es folge­richtig, ihre Ausbildung an die neuen Anforderungen anzupassen“, sagt Lorz. Künftig soll im Studium noch mehr Wert auf die Praxis­orientierung gelegt werden. Ein Praxis­semester, das in den vergangenen Jahren bereits erprobt wurde, wird nun flächen­deckend eingeführt, und zwar in der zweiten Hälfte des jeweiligen Studien­gangs. Während dieses Semesters sollen die Studenten ihre im Laufe des Studiums erworbenen Kenntnisse anwenden und lernen, über ihr pädagogisches Handeln zu reflektieren.

Entwicklung der Lehrkompetenz

„Mit der Stärkung der Praxis­anteile sorgen wir dafür, dass das an der Universität erworbene Wissen unmittelbar angewendet werden kann“, meint Lorz. Außerdem wird ein „phasen­über­greifendes Portfolio“ eingeführt. Die angehenden Lehrkräfte sollen ihr Material schon während des Studiums sammeln und das Portfolio auch anschließend weiter­führen. Neben der Sammlung von Belegen über die Teilnahme an Aus-, Fort- und Weiter­bildungs­maßnahmen geht es auch um die Dokumentation, wie sich ihre Lehr­kompetenz entwickelt hat.

Lorz erläutert: „Jede einzelne Lehrerin, jeden einzelnen Lehrer wollen wir für die Heraus­forderungen dieses wunderbaren Berufs wappnen und insgesamt das lebens­lange Lernen fördern.“ Es gibt allerdings keine Änderungen am Abschluss des Studiums mit der ersten und zweiten Staats­prüfung und auch nicht an der Studien­dauer. Im bundes­weiten Vergleich hat Hessen mit 21 Monaten den zweit­längsten Vorbereitungs­dienst. Bei der Novellierung des Gesetzes werden die von der Kultus­minister­konferenz beschlossenen Standards für die Lehrer­bildung ebenso berücksichtigt wie der Hessische Referenz­rahmen für Schul­qualität.