Dieser Artikel erschien am 23.11.2018 in der taz

Mehr Referendariate : Hamburg bildet mehr Lehrer aus

Laut Schulbehörde hat die Stadt keinen Mangel, doch vorsichtshalber soll es mehr Referendariate geben. Die GEW kritisierte, die Aufstockung der Ausbildungs­plätze allein reiche nicht aus. Die Attraktivität des Berufs müsse gesteigert werden.

Eine Referendarin schreibt an die Tafel
In Hamburg fehlen junge Lehrerinnen und Lehrer
©dpa

Hamburg will deutlich mehr Referendare ausbilden – und so einen Lehrer­mangel verhindern. „Wir werden die Zahl der Ausbildungs­plätze in kurzer Zeit um über 40 Prozent erhöhen“, sagte Schul­senator Ties Rabe (SPD). So sollen jedes Jahr statt bisher 570 künftig 810 Lehrer ihr Referendariat abschließen können. Dadurch entstünden Kosten von 3,5 bis vier Millionen Euro pro Jahr.

Anders als in fast allen anderen Bundes­ländern gebe es erheblich mehr Bewerber als Referendariats-Plätze, sagte Rabe. Die Stadt sei sehr attraktiv, verbeamte zügig, zahle gut und biete bessere Aufstiegs­chancen als andere Länder. Doch er wolle nicht warten, bis das Problem des Bewerber­mangels auch in Hamburg ankomme. Rabe: „Wir gehen in die Offensive.“

Die CDU-Fraktion erklärte, die Ankündigung des Senators komme reichlich spät. „Hamburg lebt seit Jahren bei der Lehrer­aus­bildung auf Kosten anderer Bundes­länder“, sagte die Schul­politikerin Birgit Stöver. Auch mit dem erhöhten Kontingent werde Hamburg es nicht schaffen, seinen Bedarf von 1.100 Lehrern pro Jahr zu decken. „Dann fehlen auch künftig noch 300 Lehrer, die Hamburg in anderen Ländern abwerben wird“, sagte Stöver.

Die Schulbehörde legte eine andere Rechnung vor: Da die Pensionierungs­welle in Hamburg bereits vorüber sei, gehe sie davon aus, dass künftig nur noch 750 bis 800 Lehr­kräfte pro Jahr ein­gestellt werden müssten. Die Behörde habe weitere Maß­nahmen ergriffen, um einen Lehrer­mangel zu verhindern. So könnten seit August einfacher als bisher pensionierte Lehrer über Stunden­verträge in der Schule unterrichten. Referendare könnten ihr Stunden­kontingent gegen Extra-Bezahlung aufstocken. Rabe betonte, dass ein Quer­einstieg – also ein Referendariat ohne Lehr­amts­studium – nur in Mangel­fächern möglich sein soll.

Die Schulpolitikerin Sabine Boeddingshaus (Die Linke) nannte die Ankündigung „längst über­fällig“, seien doch zurzeit 180 Stellen unbesetzt. Sie warf dem Senator vor, sich zu sehr am Finanz­senator zu orientieren. „Hätte er die Schulen im Fokus, würde er nicht Pensionäre aus dem wohl­verdienten Ruhe­stand holen oder Referendare noch weiter belasten.“ Die GEW kritisierte, die Aufstockung der Aus­bildungs­plätze allein reiche nicht aus. Die Attraktivität des Berufs müsse gesteigert werden.