Fridays for Future in Berlin : Fridays in der Schule

Die Fridays-for-Future-Bewegung will mit der Bildungsverwaltung zusammenarbeiten. Ein Ziel sind „Klimaverträge“ mit Schulen.

Dieser Artikel erschien am 05.02.2020 in der taz
Anna Klöpper
Fridays for Future
Protestmalerei auf der wöchentlichen FFF-Demo im Invalidenpark
©Christoph Soeder / dpa

Die Berliner Fridays-for-Future-Bewegung wagt den Gang in die Institutionen und kooperiert in Zukunft mit der Senatsverwaltung für Bildung. Es reiche nicht aus, „Demokratie nur einmal die Woche zu leben“, sagte Fridays-Sprecher Quang Paasch am Mittwoch mit Blick auf die wöchentlich stattfindenden Freitags­demos. Deshalb, so Paasch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD), freue man sich nun auf die Zusammenarbeit mit der Bildungsverwaltung: Durch die Kooperation wolle man „unsere Anliegen noch stärker in die Schulen einbringen“.

Senatorin Scheeres freute sich. Das eine seien die Worte, die FFF bei den Kundgebungen finde. „Das andere sind die Taten.“ Und da frage sie sich als Politikerin natürlich: „Wie können wir die Klimabewegung in politische Projekte umsetzen?“

Ein konkretes Ziel seien „Klimaverträge“, die man „am liebsten natürlich mit jeder Berliner Schule“ abschließen möchte, sagte Scheeres. Wie diese Vereinbarungen genau aussehen, sollen die SchülerInnen für ihre Schulen jeweils individuell ausarbeiten. Helfen soll ihnen dabei ein zentrales Klimabüro in der Senatsbildungsverwaltung. Ab März werde es dafür eine Stelle in ihrer Verwaltung ­geben, die auch im Haushalt finanziert sei. Hannah Blitz von FFF sagte, an ihrer Schule habe es zum Beispiel eine Initiative gegeben, Plastikverpackungen in der Schulcafeteria abzuschaffen.

Scheeres sagte, die Kursfahrt nach Paris mit der Bahn statt mit dem Flugzeug zu planen könne ebenfalls Teil eines solchen ­Klimavertrags sein. Fridays-Sprecher Paasch sagte, es sei der Bewegung bewusst, dass ein meist teureres Bahn­ticket für SchülerInnen aus ärmeren Familien finanziell schwierig sein könnte.

Ihr gehe es um „Beteiligung der Kinder und Jugendlichen und die Frage, wie wir das Thema Nachhaltigkeit in die Schulen bringen“, sagte Scheeres. Finanziert werden die Kooperationsprojekte deshalb auch aus dem Etat für politische Bildung. Rund 3.000 Euro hat jede Schule dafür im Jahr zur Verfügung. Ob es darüber hinaus noch zusätzliche Mittel gibt, zum Beispiel für einen Härtefallfonds für teurere Bahntickets auf Klassenfahrten, ist offenbar noch nicht abschließend geklärt.

Weitere Ideen, die FFF gemeinsam mit der Bildungsverwaltung umsetzen will, sind eine jährliche Klimakonferenz im Herbst, bei der sich WissenschaftlerInnen mit SchülerInnen vernetzen und gemeinsam Projekte an Schulen planen. Einen ersten Auftakt gab es bereits im November im Zeiss-Planetarium in Prenzlauer Berg.

Schneller als die Schulbuchverlage

Ein drittes Projekt, das der Biologe Gregor Hagedorn von Scientists for Future am Mittwoch vorstellte: eine umfangreiche Materialsammlung, aus der sich SchülerInnen und LehrerInnen bedienen können sollen, um das Thema Nachhaltigkeit – inzwischen ein Querschnittsfach im Berliner Rahmenlehrplan – tatsächlich auch in den Unterricht zu integrieren. „So sind wir schneller, als die Lehrbuchverlage es sein können“, sagte Hagedorn.

Die Berliner FFF-Bewegung hatte Anfang des Jahres angekündigt, ihre Strategie zu ändern. Man setze weniger auf die Mobilisation für wöchentliche Großdemos und wolle vielmehr „spezifischer und klarer werden“, wie es Sprecher Paasch am Mittwoch ausdrückte.

„Wir müssen landespolitisch agieren und wollen konkrete Projekte anstoßen.“ Der „Schritt von der Straße“ dahin, „aktiv mit EntscheidungsträgerInnen zu reden, ist enorm groß.“ Zugleich betonte der Student, dass man sich selbstverständlich nicht von der Politik vereinnahmen lasse. „Wir bleiben AktivistInnen.“