Forschungsmonitor Schule : Was sagt die Bildungswissenschaft dazu?

Inwiefern lässt sich die Unterrichtsqualität mit Schülerbefragungen messen? Wie können Schulleitungen die Innovationsbereitschaft in Kollegien fördern? Die Bildungswissenschaft hat sich in jüngsten Studien mit diesen und anderen Fragen befasst. Wie aber bekommen Praktiker einen Überblick über die Erkenntnisse aktueller Studien, die ihre Alltagsthemen erforschen? Der Forschungsmonitor Schule hat auf seiner Plattform bereits mehr als 100 Rezensionen von bildungswissenschaftlichen Studien zum Thema Schule veröffentlicht – mit dem Ziel, die dabei gewonnenen Erkenntnisse für die Schulpraxis nutzbar zu machen. Das Schulportal stellt das Online-Portal vor und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Forschungsmonitor Schule.

Annette Kuhn / 10. Juni 2021
Forschungsmonitor Schule Frau vor Laptop
Der Forschungsmonitor Schule will Lehrkräfte dazu anregen, das eigene Handeln in der Schulpraxis zu hinterfragen, und Impulse zum Weiterdenken geben.
©plainpicture/Lubitz + Dorner

Was ist der Forschungsmonitor Schule?

Der Forschungsmonitor Schule veröffentlicht Rezensionen zu Studien aus der Bildungsforschung mit dem Ziel, wissenschaftliche Befunde kompakt und verständlich aufzubereiten, einzuordnen und für die Schulpraxis nutzbar zu machen. Die Studien werden knapp zusammengefasst sowie Hintergrund, Forschungsdesign und Studienergebnisse erklärt. Dazu stellen die Rezensierenden Reflexionsfragen – für Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleitungen. „Das Ganze möchten wir außerdem mit passenden Unterstützungsangeboten verknüpfen, die dabei helfen können, wissenschaftliche Erkenntnisse in der eigenen Handlungspraxis aufzugreifen“, erklärt Veronika Manitius von der QUA-LiS, der Qualitäts- und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule Nordrhein-Westfalen.

Wer steckt dahinter?

Beteiligt sind bislang fünf Landesinstitute für Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich:

  • Institut für Bildungsanalysen in Baden-Württemberg
  • Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung in Bayern
  • Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung in Hamburg
  • Institut für Qualitätsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern
  • Qualitäts- und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule in Nordrhein-Westfalen.

Wie entstand der Forschungsmonitor Schule?

Die Initiative ging von der Qualitäts- und Unterstützungsagentur in Nordrhein-Westfalen aus. „Wir haben uns dann relativ schnell auf den Weg gemacht und sind auf die anderen Landesinstitute zugegangen“, erzählt Veronika Manitius, „der Transfer von Forschungswissen ist ja nicht nur ein Thema für NRW, sondern für alle Bundesländer“. So wurde aus der NRW-Initiative ein Kooperationsprojekt. Dass nicht alle Länder beteiligt sind, sei vor allem eine Kapazitätsfrage, ergänzt Alexandra Dehmel vom Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg, „aber wir sind zum Thema Transfer von Forschungswissen mit allen Landesinstituten im Gespräch“.

Um welche Themen geht es im Forschungsmonitor Schule?

Im Fokus stehen Studien zur schulischen Bildung. Frühkindliche Bildung und Hochschulbildung werden nicht thematisiert. Die Bandbreite der Themen ist groß und reicht von Ganztag, Elternarbeit und Inklusion bis zum kommunalen Bildungsmanagement oder der Bewertung von Schülerleistungen. Inzwischen sind mehr als 100 Studien besprochen, die 15 verschiedenen Themenkomplexen zugeordnet sind. Besonderer Schwerpunkt liegt derzeit auf Studien zur Digitalisierung und ganz aktuell auch zum Lernen und Lehren in Pandemiezeiten. „Vermehrt richten wir unser Augenmerk außerdem auf fachdidaktische Forschung“, so Alexandra Dehmel.

Wie sieht die Arbeit des Forschungsmonitors Schule aus?

Etwa zweimal im Jahr gibt es ein Kooperationstreffen, bei dem es um die strategische Weiterentwicklung und die Qualitätssicherung geht. Außerdem gibt es eine interne Plattform, auf der alle potenziell relevanten Studien gesammelt sind und ein Leitfaden für die Rezensionen hinterlegt ist. Alle Rezensionen folgen einer bestimmten Struktur: Es gibt eine Zusammenfassung der Studie, daran schließen sich die Reflexionsfragen sowie Hintergrund, Design und Ergebnisse der Studie an. In einer Art Fazit treffen die Rezensierenden eine Einschätzung der Studie und ordnen sie in die Diskussion zum jeweiligen Thema ein.

Wie werden die Studien ausgewählt?

„Zum einen gehen Vorschläge der Rezensenten bei uns ein, zum anderen überlegen aber auch wir in der Länderrunde, welche Themen wir stärker verfolgen wollen“, erklärt Veronika Manitius. „Dabei schauen wir auch, was in den jeweiligen Ländern gerade wichtig ist und womit sie sich befassen.“ Wenn sich ein Land zum Beispiel gerade intensiv mit Digitalisierung beschäftigt und dazu auch spezielle Unterstützungsprogramme entwickelt, dann bietet es sich an, zu diesem Thema auch entsprechende Studien vorzustellen.

Der Fokus liegt überwiegend auf Studien aus dem deutschsprachigen Raum, aber nicht ausschließlich. „Wichtig ist aber bei Studien aus anderen Ländern, dass eine Übertragbarkeit auf die eigene Praxis im deutschen Bildungssystem möglich ist oder sie relevante Impulse zum Weiterdenken und -entwickeln der eigenen Praxis geben“, sagt Alexandra Dehmel.

Wer schreibt die Rezensionen?

Vor allem sind es Lehrkräfte, die die Studien rezensieren. Sie bringen einen anwenderorientierten Blick auf die Studieninhalte und ihre Einordnung mit. Zum Teil besprechen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Fachreferaten der Institute oder Promovierende die Studien. Allerdings dürfen beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler natürlich nicht ihre eigenen Studien vorstellen.

„Wir sind außerdem gerade dabei, enger mit Hochschulen zu kooperieren“, sagt Veronika Manitius. „Das Format, Rezensionen für den Forschungsmonitor Schule zu schreiben, könnte im Seminar als Prüfungsleistung zählen. Die Rezension, die besonders hervorsticht, wird uns dann zur Veröffentlichung vorgeschlagen.“

Rezensentinnen und Rezensenten, die neu für den Forschungsmonitor Schule arbeiten, bekommen zunächst eine Schulung. Außerdem erhalten sie redaktionelle Unterstützung und bei Bedarf auch Hilfe, zum Beispiel bei der methodischen Einschätzung.

Wie wird Forschung überhaupt praxisrelevant?

„Wichtig ist, dass der Bezug zum eigenen Handlungsfeld hergestellt wird. Wir versuchen das zum einen über die Reflexionsfragen, die an die Rezensionen angedockt sind, zum anderen über die unterstützenden und weiterführenden Links“, sagt Alexandra Dehmel. Beides soll Schulleitungen und Lehrkräften helfen, mit der Studie weiterarbeiten zu können, damit die Erkenntnisse nicht schnell wieder verpuffen. „Idealerweise werden Denkprozesse angeregt, die dazu führen, dass sich jemand auf den Weg macht und die eigenen Routinen hinterfragt“, ergänzt Veronika Manitius. Außerdem sind die Rezensionen der Studien auch ein Fundus für die Lehrkräftebildung, zum Beispiel für Aus- und Fortbildungsveranstaltungen. Darüber hinaus unterstützt der Forschungsmonitor Schule auch die Bildungsadministration dabei, Entwicklungen in der Forschung zu verfolgen, Erkenntnisse zu erschließen und zu transformieren.

Was sind weitere Ziele des Forschungsmonitors Schule?

Perspektivisch strebt der Forschungsmonitor einen noch stärkeren Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis an. Da die Landesinstitute im engen Austausch mit den Schulen stehen, ist es Ziel, die Bedarfe der schulischen Praxis auch umgekehrt an die Wissenschaft heranzutragen. „Diese Rückkoppelung kann uns gut gelingen, weil wir sowohl im Dialog mit der Praxis als auch mit der Wissenschaft stehen“, so Veronika Manitius.

Auf einen Blick

  • Alle Studienrezensionen sind unter forschungsmonitor-schule.de veröffentlicht.
  • Die Suche auf dem Portal erfolgt nach Themen und Forschenden.
  • Wer Interesse hat, selbst Rezensionen zu schreiben, kann sich an die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der beteiligten Landesinstitute wenden, die hier aufgeführt sind.