Corona-Aufholprogramm : Wie lassen sich Lernrückstände aufholen?

Seit Beginn der Pandemie in Deutschland ist für ein Großteil der Schülerschaft fast ein halbes Jahr Präsenzunterricht ausgefallen. Das hat zu erheblichen Lernrückständen und zu psychosozialen Belastungen für Kinder und Jugendliche geführt. Der Bund hat daher ein milliardenschweres Corona-Aufholprogramm beschlossen. Das Schulportal beantwortet dazu die wichtigsten Fragen und zeigt beispielhaft, welche Programme in den Ländern umgesetzt werden.

Annette Kuhn 08. Juli 2021 Aktualisiert am 14. September 2021 3 Kommentare
Lernrückstände
Wie groß die Lernrückstände aufgrund der Corona-Pandemie tatsächlich sind, weiß man erst, wenn Lernstandserhebungen stattfinden. Die sind aber in vielen Bundesländern erst im kommenden Schuljahr geplant.
©Gregor Fischer/dpa

Schule auf, Schule zu. Mal Präsenzunterricht, dann wieder Lernen zu Hause. Seit März 2020 war das schulische Leben und Lernen wegen der Corona-Pandemie auf den Kopf gestellt. Die Einschränkungen im Unterrichtsbetrieb haben zu Lernrückständen und psychosozialen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen geführt.

Wie groß sind die Lernrückstände?

Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahren in Deutschland attestiert sich selbst große Lernrückstände als Folge der Corona-Pandemie. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung hervor, die im Juli veröffentlicht wurde.

Demnach gehen 52 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen davon aus, dass sie und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler beim Lernstoff „etwas” im Rückstand sind. 27 Prozent gehen von einem „deutlichen” Rückstand aus. Die Eltern sehen das ähnlich: 81 Prozent gehen davon aus, dass durch die Schulschließungen Lernrückstände aufgebaut wurden.

Schon bei der Folgebefragung für das Deutsche Schulbarometer, die im Dezember 2020 kurz vor den zweiten Schulschließungen durchgeführt wurde, gingen 38 Prozent der Lehrkräfte davon aus, dass mehr als der Hälfte der Schülerinnen und Schüler Lernrückstände haben. Und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat bei der Vorstellung des Corona-Aufholprogramms gesagt: „20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände – vielleicht sogar dramatische.“

Die Allensbach-Umfrage zeigt aber auch, dass mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit dem Lernen während der Corona-Pandemie gut zurechtgekommen sind. Kompetenzen wie Selbstorganisation und Zeitmanagement haben sich sogar verbessert. Fortschritte haben die Schülerinnen und Schüler auch in der Handhabung digitaler Medien gemacht. 68 Prozent geben an, sich im Umgang mit Computern und anderen Medien verbessert zu haben.

ifo-Bildungsbarometer: Unterstützungsprogamme gefordert

Dabei gibt es allerdings Unterschiede bei den Schulen: Schülerinnen und Schüler von Gymnasien äußerten sich tendenziell positiver als von Haupt-, Real- oder Gesamtschulen. „Dies bestätigt die von Experten geäußerte Vermutung, dass Corona das Ungleichgewicht zwischen den besseren und schlechteren Lernern zu Ungunsten der Schwächeren verstärkt hat“, erklärt Dr. Thomas de Maizière, Vorsitzender der Telekom-Stiftung zu den Ergebnissen. „Hier gilt es nun Angebote zu schaffen, die es möglichst vielen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, Defizite aufzuholen.” Geht es nach den ebenfalls befragten Eltern, ist es für 90 Prozent von ihnen vor allem Aufgabe der Schulen, Unterstützungsangebote zu machen.

Auch im aktuellen ifo Bildungsbarometer, der Ende August 2021 veröffentlicht wurde, sieht eine große Mehrheit der Deutschen die Schule in der Pflicht, Schülerinnen und Schüler beim Aufholen der Lernrückstände zu unterstützen. Außerdem sprechen sich 76 Prozent der für das Bildungsbarometer Befragten für staatlich finanzierte Nachhilfeprogramme aus. Förder- und Ferienkursen sind vor allem dann mehrheitsfähig, wenn sie sich an benachteiligte Gruppen von Schülerinnen und Schülern richten.

Das Bundesbildungsministerium hat schon im Frühjahr 2021 das „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona” auf den Weg gebracht. Dieses bundesweite Förderprogramm soll dabei unterstützen, Lernrückstände aufzuholen und die sozialen Folgen der Corona-Pandemie zu kompensieren.

Wie viel Geld steht für das Corona-Aufholprogramm zur Verfügung?

Das Corona-Aufholprogramm hat ein Volumen von insgesamt zwei Milliarden Euro. Die Hälfte davon steht für Fördermaßnahmen zum Abbau pandemiebedingter Lernrückstände zur Verfügung. „20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände – vielleicht sogar dramatische“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei der Vorstellung des Programms im April.

Die zweite Milliarde Euro soll in soziale Maßnahmen fließen, um auch die psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Hier geht es vor allem um eine Aufstockung von bestehenden Programmen im Bereich frühkindlicher Bildung, in der Schulsozialarbeit und im Freizeitbereich. Flächendeckend starten soll das Unterstützungsprogramm im neuen Schuljahr. Erste Maßnahmen sind auch schon in den Sommerferien geplant.

Corona-Aufholprogramm

Das Corona-Aufholprogramm des Bundes umfasst vier Säulen:

Zur Sitzung der Kultusministerkonferenz Anfang Juni hat nun die neue Ständige wissenschaftliche Kommission (StäwiKo) der Kultusministerkonferenz Empfehlungen veröffentlicht, wie sich pandemiebedingte Lernlücken aufholen lassen. Der Kerngedanke der Kommission lautet: „Unterstützungsmaßnahmen fokussieren, verknüpfen und evaluieren”.

In ihren Empfehlungen fokussieren sich die insgesamt 16 Mitglieder der Kommission auf fünf Punkte:

  • Besonders betroffene Kinder und Jugendliche: Die Mittel aus dem Programm sollen nicht gießkannenmäßig auf alle Schülerinnen und Schüler bzw. Schulen gleichmäßig verteilt werden, sondern sie sollten vor allem auf leistungsschwache Kinder und Jugendliche, „die häufig in sozialräumlichen Kontexten mit geringer Anregungsqualität konzentriert sind und die auf keine oder lediglich geringe familiale Lernunterstützung zurückgreifen können”, zielen. Auch Kinder und Jugendliche, die einen besonderen sonderpädagogischem Förderbedarf oder ein höheres Risiko für Schulabsentismus haben, sollten stärker in den Blick genommen werden.
  • Schulübergänge: Fördermaßnahmen sollen die Übergänge in der schulischen Laufbahn unterstützen – also von der Kita in die Grundschule, von der Grundschule in die weiterführende Schule, von der Sekundarstufe I zur Sekundarstufe II und von der Schule in den berufsbildenden Bereich.
  • Mathematik und Deutsch: „Sprachliche und mathematische Basiskompetenzen haben einen zentralen Stellenwert für das Weiterlernen in allen Fächern”, heißt es bei der StäwiKo. Daher empfiehlt sie, den Stundenumfang in Deutsch und Mathematik um jeweils eine Stunde in der Woche in der Grundschule zu erhöhen. Bei großen Lernrückständen sollten auch in der weiterführenden Schule die Poolstunden für Deutsch und Mathematik in der Sekundarstufe I genutzt werden. Dabei soll es nicht darum gehen, den Lehrplan aufzuholen, sondern es sollte vielmehr eine Fokussierung in Mathematik und Deutsch auf die Kompetenzbereiche erfolgen, die Schülerinnen und Schüler darin befähigen, kumulativ zu lernen, also Dinge miteinander zu verknüpfen und aufeinander aufbauen zu lassen.
  • Qualifizierung von zusätzlichem Personal: Das zusätzliche Personal, das das Förderprogramm mit umsetzt, sollte entsprechend qualifiziert sein. Es sollte fachdidaktische Grundlagen beherrschen, Diagnose und Fördertools nutzen können und in der Lage sein, die Kinder und Jugendlichen sozial und emotional zu unterstützen.
  • Evaluation der Maßnahmen: Damit die Fördermaßnahmen effektiv sind, sollten Lernstandserhebungen durchgeführt werden. Außerdem sollten die Maßnahmen des Corona-Aufholprogramms evaluiert werden, „um begründete Entscheidungen über eine dauerhafte Implementation zu treffen”.

Im Interview mit dem Schulportal erklärt die Co-Vorsitzende des Expertengremiums Felicitas Thiel, worauf es jetzt aus Sicht der Wissenschaft ankommt.

In anderen Ländern gibt es schon Daten zu Lernrückständen

Während es in Deutschland noch kaum Erhebungen dazu gibt, wie sich die Einschränkungen an den Schulen infolge der Corona-Pandemie tatsächlich auf die Lernstände ausgewirkt haben, sind andere Ländern hier schon weiter. Die Niederlande hat zum Beispiel 2020 eine landesweite Studie zu Lernlücken durchgeführt. dass Schülerinnen und Schüler 2020 im Distanzunterricht im Schnitt 20 Prozent weniger gelernt haben als im Jahr zuvor. Selbst bei Schulen, die aufgrund ihrer digitalen Ausstattung gut gerüstet waren, war der Anteil bei den Lernstandserhebungen ähnlich hoch. Bei Kindern und Jugendlichen in einem schwierigen sozialen Umfeld sind die Lernstände sogar um bis zu 50 Prozent zurückgegangen.

Wann werden Lernstandserhebungen durchgeführt?

Ohne flächendeckende Lernstandserhebungen gibt es aber keine Klarheit darüber, welche Fördermaßnahmen jetzt am wirkungsvollsten sind. „Um Umfang und Inhalt der tatsächlichen Defizite zu erfassen, müssen die aktuellen Lernstände systematisch erfasst werden“, schrieben der ehemalige Berliner Staatssekretär für Bildung, Hans-Jürgen Kuhn, und der ehemalige Hamburger Bildungsstaatsrat Michael Voges in einer im März 2021 erschienenen Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung.

In vielen Bundesländern sind Lernstandserhebungen zu Beginn des neuen Schuljahres geplant. So hatte es auch die Brandenburger Bildungsministerin und aktuelle Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Britta Ernst (SPD), in einem Interview mit dem Schulportal für ihr Bundesland angekündigt.

Einzig in Hamburg gab es bereits in den dritten Klassen verbindliche Lernstandserhebungen. Zu den Ergebnissen sagt Martina Diedrich, Direktorin des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) in Hamburg, das für die Vergleichstests verantwortlich ist, im Interview mit dem Schulportal: „Wir können sehr viel deutlicher als noch im letzten Jahr die Spuren der Pandemie erkennen”. Vor allem beim Leseverständnis haben die Leistungen offenbar nachgelassen. „Auffällig ist beim Leseverständnis eine Verschiebung der Ergebnisse je nach sozialer Zusammensetzung der Schülerschaft an den Schulen. Bei Schulen, die nach dem Hamburger Sozialindex in sehr herausfordernden Lagen sind, haben wir einen etwas größeren Teil der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards im Lesen nicht erreichen.” Im Bereich Mathematik sind die Lernrückstände offenbar weniger groß.

Wie sind die Pläne zum Corona-Aufholprogramm in den Bundesländern?

Doch die Länder wollen nicht warten, bis die Ergebnisse der Lernstandserhebungen überall vorliegen. Einige Bundesländer haben bereits Pläne vorgestellt, mit welchen Unterstützungsmaßnahmen sie Schülerinnen und Schüler beim Aufholen der Lernrückstände unterstützen wollen Sie reichen von Sommerschulen in den Ferien über Lernförderung in Kleingruppen und Wochenendschulen im kommenden Schuljahr bis hin zu Freizeitprogrammen. Als zusätzliche Unterstützung sollen Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte, Volkshochschulpersonal oder auch Anbieter von Nachhilfe zum Einsatz kommen.

Das Kultusministerium in Baden-Württemberg will nach den „Lernbrücken” in den Sommerferien im neuen Schuljahr ein weiteres Förderprogramm auflegen, um Corona-Folgen und Lernlücken auszugleichen. Unter dem Titel „Lernen mit Rückenwind” werden arbeitslose Lehrerinnen und Lehrer, Pensionäre, Lehrkräfte in Elternzeit oder beurlaubte Pädagoginnen und Pädagogen ebenso gesucht wie Lehramtsstudierende, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Erzieherinnen. Über ein Portal im Internet können sich auch Kooperationspartner wie Nachhilfeinstitute, Jugendhilfeorganisationen und Vereine registrieren lassen. Das Programm soll nicht zum Start des Schuljahrs beginnen, sondern erst nach den Herbstferien. „Zunächst sollen Schulen und Anbieter bis dahin zusammenfinden und – das ist mir sehr wichtig – es soll in der Zeit bis zu den Herbstferien auch das soziale Miteinander an den Schulen verstärkt gelebt werden”, sagte Kulturministerin Theresa Schopper (Grüne) bei der Vorstellung des Programms Ende August.

In Berlin stehen für das Programm „Stark trotz Corona” zum Beispiel 64 Millionen Euro zur Verfügung – 44 Millionen Euro, um Lernrückstände aufzuholen. 30 Millionen Euro aus diesem Topf sollen direkt an die Schulen fließen, die für die eigenverantwortliche Umsetzung des Programms eigene Budgets bekommen. Schon während der Sommerferien soll es vor allem für Schulanfängerinnen und Schulanfänger sowie Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8 Lernangebote zum Abbau von Lernrückständen geben. Dabei gehe es schwerpunktmäßig um Basiskompetenzen bei der Sprache und in der Mathematik. Geplant sind nach Angaben der Bildungsverwaltung außerdem Intensivschwimmkurse, Angebote zur Berufsorientierung ab Klasse 9, Persönlichkeitsförderung, Demokratieerziehung und Gewaltprävention.

Im neuen Schuljahr startet an den Schulen in Brandenburg das Programm „Aufholen nach Corona”, das die Kinder und Jugendlichen mit ergänzenden Lernangeboten und mehr Schulsozialarbeit zusätzlich unterstützen soll. Dafür werden für zwei Schuljahre zusätzlich 200 Lehrkräfte, 400 Studierende als Assistenzkräfte und zahlreiche Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter eingesetzt.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es schon konkrete Pläne zum Corona-Aufholprogramm. Die in 14 Monaten Corona-Pandemie entstandenen Lernrückstände der Kinder und Jugendlichen sollen schrittweise ausgeglichen werden. Eine kurzfristige Aufholjagd sei nicht sinnvoll und würde alle überfordern, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) bei der Vorstellung des Programms „Stark machen und Anschluss sichern”. Das Aufholprogramm in Mecklenburg-Vorpommern geht Schritt für Schritt vor: Nach dem „Luft holen und Übergang schaffen” in den Ferien mit zusätzlichen Kultur- und Lernangeboten sowie freiwilligen Schwimmkursen folgen die ersten Wochen des neuen Schuljahres unter dem Motto „Behutsam und gestärkt ins neue Schuljahr starten”. Es gehe beim Aufholen nicht um Tempo, betonte Martin. „Wir müssen eine längerfristig angelegte Begleitung organisieren.”

In Nordrhein-Westfalen sollen mit rund einer halben Milliarde Euro aus Landes- und Bundesmitteln Lernrückstände aufgearbeitet werden. Das Geld fließt nach Angaben des Schulministeriums zum einen in gezielte Lernprogramme schulischer und außerschulischer Bildungsträger. Das Land will die Schulen aber auch mit Extra-Budgets für zusätzliches Personal unterstützen. Schülerinnen und Schüler sollen Bildungsgutscheine erhalten, mit denen sie externe Bildungsangebote wahrnehmen können, um Lerndefizite zu beseitigen. Außerdem habe das Landesinstitut für Schule ein Online-Portal mit Materialien zusammengestellt, um Lehrkräfte bei Lernstandsdiagnosen und einer passgenauen individuellen Förderung zu unterstützen.

Um Lerndefizite bei Schülern und Schülerinnen in Sachsen aufzuholen, sind für die kommenden zwei Jahre 47,5 Millionen Euro aus dem Bundes-Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona” geplant. Das Land stellt für zusätzliche Maßnahmen an Schulen Mittel in gleicher Höhe zur Verfügung. Geplant sind unter anderem spezielle Förder- und Nachhilfe-Angebote, der Ausbau von Ganztagsangeboten, Ausbau von Schulassistenz und Schulsozialarbeit. Laut Kultusministerium sollen die Schulen eigenverantwortlich über die genaue Ausgestaltung der Angebote und die Zusammenarbeit mit Partnern entscheiden.

Lehramtsstudierende und pensionierte Lehrkräfte arbeiten mit

Zum Aufholen von versäumtem Schulstoff sollen in Mecklenburg-Vorpommern Lehramtsstudierende und ehemalige Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen mitarbeiten. Im zweiten Halbjahr 2020/2021 seien bereits 145 Studierende gekommen, um bei der individuellen Förderung der Kinder zu helfen, hieß es. Den Schulen sollen je nach Größe künftig bis zu 5.000 Euro zur Verfügung stehen, um Unterstützungskräfte einzubinden, die den Kindern dabei helfen, Lernrückstände aufzuholen.

Auch in anderen Bundesländern sollen pensionierte Lehrkräfte und Lehramtsstudierende zum Einsatz kommen. So gibt es zum Beispiel in Bayern für die Sommerschule eine Kooperation zwischen der Universität Augsburg und den Schulen der Diözese Augsburg.

Mehr zum Thema

Auch die Friedrich-Ebert-Stiftung hat Anfang Juni Empfehlungen zur Umsetzung des Corona-Aufholprogramms herausgegeben:

  • Die neun Autoren des Papiers warnen davor, dass das Geld zum Ausgleich der Lernrückstände nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern bedarfsgerecht verteilt werden müsse, damit der Effekt nicht verpufft. Sie fordern, nach dem Prinzip „Ungleiches ungleich zu behandeln“ vorzugehen.
  • Die Identifizierung der Schülerinnen und Schüler, die gefördert werden müssten, sollte in der Hand der Schulen liegen. Und die Maßnahmen müssten vor allem auf Kontinuität zielen. „Mitunter kann eine regelmäßige, zeitlich und inhaltlich gut dosierte Förderung wirksamer sein als ein gelegentlich durchgeführter ganztägiger Intensivkurs. Wer kontinuierlich, in überschaubarem Umfang fördert, kann gezielter, schneller, individueller und motivierender auf Lernschwierigkeiten reagieren”, heißt es in dem Papier.

Die OECD hat die Mitgliedsländer nach einem Jahr Corona-Pandemie befragt, welche Auswirkungen die Einschränkungen an den Schulen auf die Schülerinnen und Schüler haben, und die Daten miteinander verglichen. Am 14. April 2021 wurden die Ergebnisse vorgestellt.

  • 1,5 Milliarden Kinder in 188 Ländern waren demnach zumindest zeitweise von Schulschließungen betroffen. In Deutschland seien die Schulen vergleichsweise wenig geschlossen gewesen.
  • Allerdings hätten andere Länder ideenreicher auf die Krise und die Lernrückstände reagiert, so  Andreas Schleicher, Direktor für Bildung der OECD. Viele Länder hätten im Lehrplan Schwerpunkte gesetzt oder besondere Förderangebote für benachteiligte Schülerinnen oder Schüler etabliert, die zum Beispiel keinen Zugang zu digitalen Lernangeboten hatten oder mehr Begleitung brauchten. „Da haben viele Länder relativ schnell reagiert“, so Schleicher. Deutschland sei das nicht so gut gelungen.
  • Vor allem was die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern anbelangt, habe sich während des einen Jahres Corona-Pandemie in Deutschland nur wenig verbessert. In anderen Ländern hätten die Schülerinnen und Schüler immer einen festen Ansprechpartner, eine feste Ansprechpartnerin und verlässliche Strukturen von der Schule vorgegeben bekommen. Als positive Beispiele führte Schleicher hier Skandinavien, die Niederlande und Frankreich an.