Forderung an Kultusministerien : Erfolg von Förderprogrammen soll besser überprüft werden

Werden die Gelder im Bildungsbereich in den 16 Ländern sinnvoll eingesetzt? Zeigen die Maßnahmen Wirkung oder verfehlen sie ihr Ziel? Man weiß es oft nicht, denn Förderprogramme wie das milliardenschwere Corona-Aufholprogramm werden nicht systematisch überprüft. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz fordert deshalb Leitlinien für das länderübergreifende Monitoring solcher Programme.

Florentine Anders 11. Mai 2022
Schüler im Klassenraum
Ob das Corona-Aufholprogramm tatsächlich Wirkung zeigt, ist ungewiss.
© Marijan Murat/dpa

Das Corona-Aufholprogramm erreicht laut Zwischenbericht der Kultusministerkonferenz (KMK) mehrere Millionen Schülerinnen und Schüler. Eine Milliarde Euro hat der Bund den Ländern zur Verfügung gestellt, um Lernrückstände aufzuholen. Doch ist das Programm wirklich erfolgreich? Überprüfen lasse sich das nicht, sagen die Expertinnen und Experten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK und fordern in einem Impulspapier Leitlinien, um die Wirkung von Förderprogrammen im Bildungsbereich systematisch zu evaluieren. Olaf Köller, Co-Vorsitzender der SWK und Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaft und Mathematik (IPN), fand deutliche Worte: „Beim Corona-Aufholprogramm macht jedes Bundesland etwas anderes, und viele Länder wollen sich hinterher nicht in die Karten schauen lassen.“ Ausnahmen seien Bundesländer, die ohnehin auf datenbasierte Steuerung der Bildungslandschaft setzen.

„Beim Corona-Aufholprogramm macht jedes Bundesland etwas anderes, und viele Länder wollen sich hinterher nicht in die Karten schauen lassen.“
Olaf Köller, Co-Vorsitzender der SWK

Um solche Förderprogramme wie das Aufholprogramm evaluieren zu könnten, müssten die Länder vorab mögliche Maßnahmen und damit verbundene Zielsetzungen abstimmen. In einem zweiten Schritt müssten dann gemeinsame Indikatoren für das Monitoring festgelegt werden, um hinterher entscheiden zu können, was effektiv war und was nicht. Die SWK hatte den Bundesländern für das Corona-Aufholprogramm Empfehlungen gegeben, doch was daraus umgesetzt wurde, entschied jedes Bundesland für sich. Selbst bei der empfohlenen Lernstandserhebung gingen die Länder wie berichtet ganz unterschiedlich vor.

Das Expertengremium  SWK, das von den Kultusministerien selbst eingesetzt wurde, will das jetzt ändern und Wirkungsanalysen von Förderprogrammen im Bildungsbereich zum Standard machen. Zur Verfügung gestellte Gelder könnten somit künftig klüger eingesetzt werden, argumentieren die Forscherinnen und Forscher.

SWK will genauer hinschauen, was die Länder von ihren Empfehlungen umsetzen

„Ein erster Schritt zur Entwicklung von Leitlinien könnte ein Fachgespräch sein, das die Kultusministerkonferenz gemeinsam mit der SWK unter Beteiligung des Bundes ausrichtet. Gegenstand des Treffens sollte sein, wie sich Bildungsprogramme so evaluieren lassen, dass wir möglichst viel über ihre Wirksamkeit lernen“, erklärt Felicitas Thiel, Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der Freien Universität Berlin und Co-Vorsitzende der SWK.

Es gibt auch bereits positive Beispiele im Bildungsbereich. Köller nannte etwa das „QuaMath“-Programm für einen besseren Matheunterricht. Hier hätten sich alle 16 Bundesländer nach einer sogenannten Ex-ante-Analyse auf übergreifende Maßnahmen verständigt. Auch der Blick in andere Länder lohne, wenn es um die Evaluation von Förderprogrammen gehe. In den USA beispielsweise sei es auch bei Bildungsprogrammen die Regel, dass überprüft wird, ob Kosten und Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis stehen, so Köller.

Künftig will die SWK nachträglich genauer hinschauen, was aus den Empfehlungen des Beratungsgremiums in den Ländern geworden ist.

Auf einen Blick

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) ist ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium der Kultusministerkonferenz. Ihr gehören 16 Bildungsforscherinnen und Bildungsforscher aus unterschiedlichen Disziplinen an. Die SWK berät die Länder zu bildungspolitischen Fragen und veröffentlicht Gutachten, Stellungnahmen und Impulspapiere zu bildungspolitischen Entwicklungen und Entscheidungen. Alle Veröffentlichungen gibt es hier.