PISA 2018 : Die zehn wichtigsten Ergebnisse der PISA-Studie

Die PISA-Studie 2018 ist die siebte Leistungsvergleichsstudie der OECD seit 2000 und die größte ihrer Art. Insgesamt haben sich 600.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren in 79 Ländern beziehungsweise Regionen beteiligt. Getestet wurden die Jugendlichen in den drei Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Hauptdomäne war die Lesekompetenz. In dem zweistündigen Test wurde weniger das Fachwissen getestet als vielmehr die Fähigkeit, das Wissen kreativ in realen Alltagssituationen anzuwenden. Das Schulportal hat die zehn wichtigsten Ergebnisse der Studie hier zusammengefasst.

Florentine Anders / 03. Dezember 2019
Vorstellung der PISA-Studie
Alexander Lorz (l-r), Präsident der Kultusministerkonferenz, Kristina Reiss, PISA-Projektleiterin, Anja Karliczek (CDU), Bundesbildungsministerin, und Ludger Schuknecht, Vize-Generalsekretär der OECD, stellen vor der Bundespressekonferenz die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie der OECD vor.
©dpa

1. Deutschland im internationalen Vergleich: Im Ländervergleich liegt Deutschland in den drei Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften jeweils etwas über dem OECD-Durchschnitt, jedoch nicht in der Spitzengruppe. Unter den OECD-Ländern sind im Bereich Lesekompetenz Estland, Kanada und Finnland ganz vorn. In Mathematik belegen Japan und Korea die ersten Plätze im OECD-Vergleich. Und in den Naturwissenschaften ist ebenfalls Estland auf dem ersten Platz, dicht gefolgt von Japan. Estland, Irland, Polen haben sich im Vergleich zu 2009 stark verbessert. Korea, der Spitzenreiter von 2009, verliert ebenso wie Japan. Außerhalb der OECD liegen der Stadtstaat Singapur und verschiedene chinesische Provinzen weit vorn.

2. Entwicklung der Lesekompetenz: Die durchschnittlichen Leseleistungen in Deutschland sind nach den Verbesserungen bis 2012 wieder auf das Niveau von 2009 zurückgegangen. Betrachtet man die 35 OECD-Länder liegt Deutschland beim Lesen auf Platz 15. Jeder fünfte 15-Jährige erreicht gerade einmal Grundschulniveau. Der Anteil dieser besonders leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler hat sich gegenüber 2009 um 4 Prozent erhöht. Der Anteil der leistungsstarken Schüler ist seit 2009 gewachsen und liegt nun bei 11 Prozent. Daraus folgt, dass sich die Schere zwischen leistungsstarken und -schwachen Schülerinnen und Schüler weiter geöffnet hat. Die Lesefreude ist geringer ausgeprägt als im OECD-Durchschnitt. In Deutschland gibt die Hälfte der Jugendlichen an, nicht zum Vergnügen zu lesen. In nahezu allen OECD-Staaten ist dieser Anteil höher.

3. Leistungen in Mathematik: Mehr als ein Fünftel der 15-Jährigen verfügt lediglich über rudimentäre Mathematik-Kenntnisse. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die am Mindestniveau scheitern, ist im Vergleich zu 2012 von 18 auf 21 Prozent gestiegen. 79 Prozent erreichen das Mindestniveau oder mehr. Eine der beiden höchsten Kompetenzstufen schaffen in Deutschland 13 Prozent der Getesteten. Insgesamt ist der Trend negativ. 2012 zählten noch 17 Prozent zu den Leistungsstarken.

4. Trend in den Naturwissenschaften: Am stärksten abgefallen sind in Deutschland die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften. Im Vergleich zu PISA 2006 verringert sich der Durchschnitt laut OECD um 13 Punkte. 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler scheitern in PISA 2018 an den Mindestanforderungen. Der Anteil der besonders leitungsschwachen Jugendlichen hat im Vergleich zu PISA 2015 zugenommen. Zur Kategorie der besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schüler zählen 10 Prozent.

©OECD, PISA-2018-Datenbank, Tabelle I. B1.10, I. B1.11 und I. B1.12.

5. Zusammenhang von Kompetenzen und sozialer Herkunft: Die Abhängigkeit der Lesekompetenz vom sozioökonomischen Hintergrund der Eltern wächst in Deutschland. Die privilegiertesten 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben beim Lesen einen Leistungsvorsprung von 113 Punkten gegenüber den am stärksten benachteiligten 25 Prozent. Im Jahr 2009 war dieser Abstand mit 104 Punkten deutlich geringer. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 89 Punkten. Unter den begünstigten Kindern zählen 28 Prozent zu leistungsstarken Schülerinnen und Schülern, unter den benachteiligten Jugendlichen gilt dies nur für 3 Prozent. Auch in Mathematik und in den Naturwissenschaften waren die Leistungsunterschiede je nach sozialem Hintergrund in Deutschland größer als im OECD-Durchschnitt.

6. Chancengerechtigkeit und Migrationshintergrund: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, hat sich in Deutschland zwischen 2009 und 2018 von 18 auf 22 Prozent erhöht. Zwischen den Jugendlichen ohne und mit Migrationshintergrund besteht im Bereich Lesekompetenz ein Abstand von 63 Punkten. Berücksichtigt man das sozioökonomische Profil, dann ist der Abstand mit 17 Punkten immer noch vergleichsweise groß. In der Gruppe der Schülerinnen und Schüler der ersten Generation, die selbst im Ausland geboren sind, hat sich der Abstand zu den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund im Vergleich zu 2009 deutlich verschlechtert. Die Hälfte der ersten Generation verfügt nur über eingeschränkte Lesekompetenzen. Bei den Jugendlichen der zweiten Generation, die in Deutschland geboren sind, gibt es hingegen Verbesserungen im Vergleich zu 2009.

7. Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen: Im Bereich Lesen schneiden die Mädchen immer noch besser ab als die Jungen, wenn auch die Differenz kleiner geworden ist. Sie erzielten nun 26 Punkte mehr, im Jahr 2009 betrug der Leistungsvorsprung noch 40 Punkte. Die Jungen haben sich etwas verbessert und die Mädchen etwas verschlechtert, wodurch der Abstand zwischen den Geschlechtern geringer wurde. In Mathematik erzielten die Mädchen im Schnitt 7 Punkte weniger als die Jungen, damit hat sich der Abstand zwischen den Geschlechtern verringert. Ursache dafür ist aber nicht eine Verbesserung der Mädchen sondern ein Rückgang der Leistungen bei den Jungen. Ähnlich sieht es in den Naturwissenschaften aus, wo beide Geschlechter durch den Leistungsabfall der Jungen nun auf einem ähnlichen Niveau liegen.

8. Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler: Erstmals wurde auch die Einstellung der 15-Jährigen im Hinblick auf ihre Zukunft erfragt. Dabei zeigt sich, dass viele Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien weniger ehrgeizige Ziele haben, als angesichts ihrer Leistungen zu erwarten wäre. Zwei Drittel der leistungsstarken, aber sozial benachteiligten Jugendlichen rechnen nicht damit, einen Hochschulabschluss zu erwerben. Bei den leistungsstarken Jugendlichen aus privilegierten Familien trifft das nur bei einem Viertel zu.

9. Angaben zum Schulklima: In Deutschland geben 23 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, mindestens ein paar Mal pro Monat von Mitschülern drangsaliert zu werden. Das entspricht dem OECD-Durchschnitt. 13 Prozent der Jugendlichen hatten nach eigenen Angaben in den zwei Wochen vor dem PISA-Test einen ganzen Schultag geschwänzt. Der OECD-Durchschnitt liegt hier mit 21 Prozent deutlich höher. Und 72 Prozent geben an, dass ihre Lehrkraft Freude am Unterricht zeigt. Im OECD-Durchschnitt stimmen 74 Prozent der Schülerinnen und Schüler dieser Aussage zu.

10. Personal- und Ausstattung: Im Rahmen der PISA-Erhebung wurden auch Schulleitungen zur Ausstattung befragt. In Deutschland berichten Schulleitungen demnach über größere Personal- und Ausstattungsmängel als im OECD-Durchschnitt, und Schulen in sozial kritischen Lagen sind davon am stärksten betroffen. 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Schulen in kritischen Lagen sind von Lehrkräftemangel betroffen. An Schulen in günstigen sozialen Lagen gilt das nur für 34 Prozent der Schülerinnen und Schüler.