Master für Schulmanagement : Das System Schule verändern

Schulentwicklung versandet viel zu oft. Lehrer David Neumann wollte sich damit nicht abfinden und hat berufsbegleitend einen Master für Schulmanagement und Qualitätsentwicklung absolviert. Dabei hat er Antworten auf viele Fragen aus der Praxis bekommen. Unterrichtliche und außerunterrichtliche Projekte geht er jetzt anders an.

Regina Köhler 03. November 2021 Aktualisiert am 08. November 2021 2 Kommentare
Studierende von hinten in einem Hörsaal
Mehrere Universitäten bieten berufsbegleitende Masterstudiengänge für Schulmanagement.
©Getty Images

Wenn David Neumann davon erzählt, wie gern er unterrichtet, welchen Spaß es ihm macht, mit seinen Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen, würde man am liebsten selbst noch einmal zur Schule gehen.

Neumann unterrichtet die Fächer Spanisch und Geschichte am Städtischen Hansa-Gymnasium in Köln. Er ist seit zwölf Jahren Lehrer und immer noch überrascht, wie sich eine Unterrichtsstunde entwickeln kann. Im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern gebe es oft unerwartete Wendungen, sagt er. „Keine Stunde gleicht der anderen.“ Das sei das Schöne an seinem Beruf. Auch mit den Kolleginnen und Kollegen und Eltern arbeitet er gern zusammen. Schulfahrten planen, Vertretungsplanung, Projekte in Gang bringen — etwa jedes Jahr den Karnevalsumzug vorbereiten — all das macht ihm Spaß.

Langwierige Arbeitstreffen ohne Ergebnis

David Neumann
©Privat

Doch es gibt auch einiges, was Neumann richtig nervt. Arbeitstreffen und Besprechungen, die ergebnislos verlaufen und trotzdem sehr lange dauern. Oder Schulentwicklungsprojekte, in die von allen Seiten eine Menge Engagement gesteckt wird und die dennochversanden. Auch endlose Diskussionen, die sich im Kreise drehen und „bei denen die persönlichen Befindlichkeiten und nicht der eigentliche Diskussionsanlass im Vordergrund stehen“, sind nicht sein Ding.

Er hat versucht, diesbezüglich etwas zu ändern. Er hat verschiedene Fortbildungen besucht, um herauszufinden, was man tun kann, damit Schulentwicklungsprojekte eben nicht versanden und die Arbeitszufriedenheit der Kolleginnen und Kollegen besser wird. Zufriedenstellende Antworten hat er jedoch nicht bekommen.

Schulmanagement kann man lernen

„Irgendwann war mir klar, dass Führung eine große Rolle spielt“, sagt er. Sein Interesse an einem entsprechenden Studium war geweckt. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel fand er einen Masterstudiengang für Schulmanagement und Qualitätsentwicklung. „Der hat mich überzeugt.“ Es sei ihm nicht darum gegangen, Karriere zu machen. „Ich wollte einfach so viel wie möglich darüber erfahren, wie man bestimmte Dinge im System Schule verändern kann.“

Seine Schulleiterin habe ihn von Anfang an unterstützt, sagt Neumann. „Sie hat mich in meinem Wunsch, dieses Studium zu absolvieren, bekräftigt. Außerdem haben wir uns häufiger über die Inhalte des Studiums unterhalten. Sie zeigte während der gesamten Studiendauer großes Interesse an den einzelnen Modulen.“

Im Frühjahr 2019 hat David Neumann mit dem Studium begonnen. Während der folgenden zwei Jahre wurden sieben Module bearbeitet. Zu jedem Modul gehörten zwei Präsenztage und fünf Webseminare, drei schriftliche Einsendeaufgaben und eine abschließende Online-Klausur oder eine schriftliche Ersatzleistung. Zudem mussten zwei fünftägige Praktika absolviert und dazu jeweils ein 10- bis 15-seitiger Bericht geschrieben werden. Den Abschluss bildete die Masterarbeit.

An seiner Schule haben sie wenig davon mitbekommen, dass Neumann studiert hat. Das Studium war berufsbegleitend, Neumann hat es in seiner Freizeit absolviert. Ermäßigungsstunden gab es für ihn nicht. Präsenz-Seminare und Veranstaltungen fanden nur freitags und sonnabends statt. Während der Corona-Pandemie gab es dann gar keine Präsenzveranstaltungen mehr. „Insgesamt war ich vier Tage nicht in der Schule“, sagt Neumann. Seine Schulleiterin habe ihm diese betreffenden vier Freitage als Fortbildungsmaßnahme genehmigt. „Da ich an diesen Tagen nur Oberstufenunterricht hatte, fielen für meine Kolleginnen und Kollegen keine zusätzlichen Vertretungsstunden an.“

David Neumann hat das Studium in seiner Freizeit absolviert

Auf sein Gehalt hatte das Studium keine Auswirkungen und Entlastungsstunden habe er keine bekommen, so Neumann. „Allerdings musste ich die Studiengebühren für vier Semester (etwa jeweils 750 Euro), und die Kosten für die Bahnfahrten (Köln-Kiel) und die Unterkünfte in Kiel selbst tragen.“ Steuerlich sei das aber absetzbar.

Kürzlich hat David Neumann sein Abschlusszeugnis bekommen. „Das Studium war sehr herausfordernd, aber genau so habe ich mir das gewünscht“, sagt er. Er habe so viel wie möglich lernen und verstehen wollen, das sei ihm gelungen. Als besonders positiv bezeichnet er die Tatsache, dass die Dozentinnen und Dozenten zu großen Teilen aus der pädagogischen Psychologie und der Sozialpsychologie kamen und nicht unmittelbar Teil des Systems Schule waren. „Sie haben den Blick von außen mitgebracht und immer wieder gefragt, was machbar wäre, statt festzustellen, was nicht machbar ist.“

Die Arbeitszufriedenheit wächst, wenn man sich einbringen kann

Gelernt hat David Neumann, dass Schulentwicklung ein Prozess ist, den nicht eine oder wenige Personen allein gestalten sollten. Es sei wichtig, Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern einzubinden, sagt er. „Jeder einzelne bringt seine spezifischen Erfahrungen und Perspektiven in diesen Prozess ein, darauf darf man nicht verzichten.“

Die Rahmenbedingungen, in denen Schulentwicklung stattfindet, spielen eine tragende Rolle. Lehren und Lernen sollte Freude bereiten, mit Fehlern konstruktiv umgegangen werden. „Das erhöht die Arbeitszufriedenheit der Kolleginnen und Kollegen“, sagt Neumann. Die lasse sich zusätzlich verbessern, wenn das besondere Potenzial jedes und jeder Einzelnen erkannt und aktiviert wird. „Am Ende führt das auch zu besseren Schülerergebnissen.“ Schulentwicklung bedeute schließlich auch, zuhören und mit Enttäuschungen umgehen zu können und sich immer wieder mit den Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.

Nicht mehr alles allein machen

Es sei ein gutes Gefühl, diese Erkenntnisse nun im Arbeitsalltag anzuwenden, sagt Neumann. Etwa wenn es jetzt darum geht, den Relaunch der Schulhomepage durchzuführen, für die er verantwortlich ist. „Ich mache das nicht mehr allein, sondern hole mir Rat und Hilfe von Kolleginnen und Kollegen und von Eltern.“ Ähnlich ist er auch bei der Implementierung der Arbeit mit der Schulcloud vorgegangen, der während der Schulschließungen in der Corona-Pandemie eine besondere Bedeutung zukam.

Wohin ihn die nächsten Jahre bringen werden und ob er in die Schulleitung wechseln wird, weiß Neumann heute noch nicht. „Fest steht, dass ich mein erworbenes Wissen in das Bildungssystem einbringen werde“, sagt er. Im Studium habe er Antworten auf seine Fragen bekommen und erste Eindrücke gewonnen, wie er unterrichtliche und außerunterrichtliche Projekte gestalten kann. Auch sei ihm klar geworden, in welchen Bereichen er sich weiterentwickeln will. „Dazu gehört vor allem das eigene Agieren in den unterschiedlichen Kommunikationssituationen an der Schule.“

Gegenwärtig beschäftigt David Neumann das Verhältnis von Mensch und Technik und die Auswirkungen sowohl auf das gesellschaftliche Miteinander als auch auf die Gestaltung des Lernens. „Die Frage ist doch, wie sich Schule diesbezüglich weiterentwickeln muss“, sagt er.

Corona hat das Knüpfen von Netzwerken im Studium erschwert

Dass sein Studium aufgrund der Corona-Pandemie etwas anders verlaufen ist als geplant, war kein Problem für Neumann. „Das Studium bot mir im Gegenteil die Möglichkeit, die allgemeine Situation etwas zu vergessen und in der inhaltlichen Arbeit Ablenkung zu finden“, sagt er. Schließlich habe er sich sogar in seiner Masterarbeit mit den durch Corona geänderten Rahmenbedingungen für die Schule beschäftigt.

Seine Kommilitoninnen und Kommilitonen, die aus unterschiedlichen Bundesländern und Nationen kamen, hätte er allerdings gern häufiger in der realen Welt getroffen. „Corona führte dazu, dass keine sehr engen Netzwerke geknüpft werden konnten“, bedauert Neumann. Einige Male haben sie sich aber doch treffen und austauschen können. „Ich habe das als gewinnbringend und unterstützend erlebt“, sagt er und hofft, dass man sich nicht ganz aus den Augen verliert. „Vielleicht lassen sich in der Zukunft doch noch Verbindungen herstellen“, sagt Neumann.

Mehr zum Thema

Diese Universitäten bieten berufsbegleitend einen Masterstudiengang für Schulmanagement bzw. Bildungsmanagement:

  • Technische Universität Kaiserslautern: Der Fernstudiengang Schulmanagement richtet sich unter anderem an Personen, die bereits in Schulleitungen tätig sind, sowie an Lehrende und pädagogisches Personal, die Funktionsstellen in einer Schule sowie Schulverwaltung oder anderen Bildungsinstitutionen anstreben.
  • Universität Potsdam: Der weiterbildende Masterstudiengang „Schul- und Bildungsmanagement“ beschäftigt sich mit der Professionalisierung und Qualifizierung von Führung in und für Bildungseinrichtungen. Vermittelt werden Gestaltungskompetenzen in den Bereichen Bildungspolitik, der Organisations-, Personal-, Schul- und Unterrichtsentwicklung.
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Im Rahmen des Masterstudiengangs Schulmanagement und Qualitätsentwicklung sollen die in einem Lehramtsstudium und der entsprechenden Berufstätigkeit bereits erworbenen Qualifikationen vertieft werden. Das Weiterbildungs-/Fernstudium hat das Ziel, Wissen über Schulmanagement und Qualitätsentwicklung an Schulen zu lehren und die Fähigkeit zu vermitteln, dieses auf bekannte und neue Probleme der Führungsarbeit an Schulen anzuwenden.
  • Universität Tübingen: Kürzlich wurde der neue Studiengang „Schulmanagement und Leadership” ins Leben gerufen. Ziel des Weiterbildungsmasters ist es, professionelle und starke Führungspersönlichkeiten für den Bildungs- und Schulkontext aus- und weiterzubilden. Start ist im November 2021. Daneben gibt es an der Uni Tübingen den Master-Studiengang „Schulforschung und Schulentwicklung“, ein universitäres Angebot für Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten mit und ohne Berufspraxis sowie für Absolventinnen und Absolventen eines i.d.R. erziehungswissenschaftlichen Bachelor-Studiums oder eines Ersten Staatsexamens Lehramt. Das Studium ist in Vollzeit (vier Semester) oder in Teilzeit (acht Semester) möglich. Lehrkräfte können sich ihre schulpraktischen Erfahrungen anrechnen lassen. In diesem Fall kann sich das Studium auf ein Studienjahr plus Abschluss-Semester verkürzen.
  • TU Dortmund: „Führung und Management in Bildungseinrichtungen“ ist ein zweijähriger berufsbegleitender Masterstudiengang an der Deutschen Akademie für Pädagogische Führungskräfte der TU Dortmund. Er ist aufgeteilt auf 22 Präsenztage, der mit dem “Master of Arts” abschließt. Zielgruppe sind Personen aus Schulleitung, Schulaufsicht und Weiterbildung sowie pädagogisches Personal, die Funktionsstellen an Schulen, Schulverwaltung oder anderen Bildungsinstitutionen anstreben und/oder innehaben.
  • Universität Kassel: Der berufsbeleitende Master Bildungsmanagement bereitet auf Management- und Führungsaufgaben in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen vor. Der weiterbildende Studiengang ermöglicht den Studierenden, einen ganzheitlichen Blick auf die eigene Bildungsinstitution und die darin laufenden Lehr-Lernprozesse und deren organisationale Planung, Steuerung und Kontrolle.