Bund und Länder : Das sind die neuen Köpfe in der Bildungspolitik

Deutschland hat eine neue Bundesbildungsministerin. Bettina Stark-Watzinger (FDP) tritt die Nachfolge von Anja Karliczek (CDU) an. Doch das ist nicht der einzige Wechsel in der Bildungspolitik. In fünf Bundesländern gab es 2021 Veränderungen an der Spitze der Bildungsressorts, zuletzt in Berlin. Wofür stehen die neuen Ministerinnen in der Bildungspolitik? In kurzen Steckbriefen gibt das Schulportal einen Überblick.

Florentine Anders 08. Dezember 2021 Aktualisiert am 03. Januar 2022
Ampel
Eine neue Bundesbildungsministerin und fünf neue Kultusministerinnen in den Ländern – in welche Richtung wollen sie? Ein Überblick.
©Peter Kneffel/dpa

Bettina Stark-Watzinger (FDP), Bundesministerin für Bildung und Forschung

Bettina Stark-Watzinger
Bettina Stark-Watzinger (FDP)
©Michael Kappeler/dpa

Wo kommt sie her?
Im Anschluss an ihr Studium der Volkswirtschaftslehre war Bettina Stark-Watzinger in der Finanzbranche in Frankfurt tätig. Nach einem Auslandsaufenthalt in Großbritannien wechselte sie in das Bildungswesen als kaufmännische Geschäftsführerin der Forschungseinrichtung LOEWE-Zentrum, die 2020 ins Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung (SAFE) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main umgewandelt wurde.

2017 zog sie für die FDP in den Bundestag ein. Sie ist seit Ende 2020 Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion und seit März 2021 Vorsitzende des FDP-Landesverbands Hessen.

Wo will sie hin?
Die 53-Jährige übernimmt das Amt von der CDU-Politikerin Anja Karliczek. Ihre Schwerpunkte in Bezug auf Schulen sind bessere Bildungschancen für alle, mehr Kompetenzen für den Bund und mehr Digitalisierung in der Bildung.

Vor allem bei der Digitalisierung will sie durch ein „Kooperationsgebot“ von Bund und Ländern schneller vorankommen. Für mehr Bildungsgerechtigkeit steht im Koalitionsvertrag ein „Chancenbudget“ für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Als Vorbild verweist sie dabei auf das Modell der Talentschulen in NRW – ein Programm, das Schulen in besonders herausfordernden Lagen besonders unterstützt.


Simone Oldenburg (Die Linke), Bildungsministerin und Vize-Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern

Wo kommt sie her?
Die 52-jährige ehemalige Lehrerin und Schulleiterin aus Gägelow bei Wismar ist seit zehn Jahren Spitzenkandidatin der Linken im Schweriner Landtag. Seit 2016 ist sie Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. In der Opposition hatte sie sich immer wieder für mehr Lehrkräfte und für eine Entlastung durch weniger Deputatsstunden stark gemacht.

Wo will sie hin?
Seit 15. November ist Simone Oldenburg als Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern im Amt. In den Koalitionsverhandlungen für Rot-Rot hatte sie sich vor allem für zusätzliche Lehrkräfte eingesetzt. Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger sollen zudem durch ein verpflichtendes Referendariat besser qualifiziert werden. Auch gegen die hohe Abbrecherquote im Lehramtsstudium will sie aktiv werden. Ein weiteres Vorhaben ist das kostenlose Mittagessen an Schulen und Kitas.

Simone Oldenburg
Simone Oldenburg (Linke)
©Jens Büttner/dpa

Eva Feußner (CDU), Bildungsministerin von Sachsen-Anhalt

Eva Feußner
Eva Feußner (CDU)
© Rayk Weber/CDU/dpa

Wo kommt sie her?
Eva Feußner studierte an der Pädagogischen Hochschule Erfurt und war anschließend als Lehrerin an der Sekundarschule in Eckartsberga tätig. Von 2018 bis 2021 war sie Staatssekretärin im Bildungsministerium von Sachsen-Anhalt. Zuvor war sie Abgeordnete für die CDU im Landtag und das ist sie seit 2021 erneut.

Wo will sie hin?
Die 59-Jährige ist seit dem 16. September 2021 Bildungsministerin des Landes Sachsen-Anhalt im Kabinett Haseloff III. In dieser Funktion will sie vor allem die Lehreroffensive im Kampf gegen den Lehrermangel fortsetzen.

Auch die Zahl der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Schulverwaltungsassistenzen sollen erhöht werden, um Lehrkräfte zu entlasten. Ab 2022 sollen alle Lehrkräfte einen sogenannten Präventionstag nehmen können. An dem unterrichtsfreien Tag soll es Angebote zur Gesundheitsvorsorge geben. Mit Blick auf die Digitalisierung kündigte sie an, bis Ende 2022 alle Schulen an das Glasfasernetz anschließen zu wollen.


Theresa Schopper (Grüne), Kultusministerin in Baden-Württemberg

Wo kommt sie her?
Bevor Theresa Schopper das Amt der Kultusministerin übernahm, war sie Staatsministerin und eine enge Beraterin des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Die 1961 im Allgäu geborene Politikerin ist ein Import aus Bayern. Sie studierte Soziologie, Psychologie und Kriminologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Von 1988 bis 1994 war sie Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen im Bayerischen Landtag. Bis 2013 gehörte sie als Abgeordnete dem Bayerischen Landtag an. Ihre politischen Schwerpunkte lagen in der Sozial- und Gesundheitspolitik sowie in der Umwelt- und Landwirtschaftspolitik. 2014 wechselte sie ins Staatsministerium Baden-Württemberg.

Theresa Schopper (Grüne)
Theresa Schopper (Grüne)
©Bernd Weiflbrod/dpa

Wo will sie hin?
Seit dem 12. Mai 2021 ist Theresa Schopper Ministerin für Kultus, Jugend und Sport der baden-württembergischen Landesregierung. In Abgrenzung zu ihrer Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) versprach sie den Schulen vor allem einen neuen Politikstil. Schopper setzte durch, dass die bisher geplanten zusätzlichen 212 Lehrerstellen um 150 aufgestockt werden. Die neuen Stellen sollen als Krankheitsreserve dienen sowie der Inklusion und dem Ganztagsausbau zugutekommen. Zum Amtsantritt hatte sie die Digitalisierung als eine der drängendsten Aufgaben bezeichnet. Ein wichtiger Punkt dabei: Der Aufbau einer gut funktionierenden datenschutzkonformen Bildungsplattform. Außerdem will sie sich dafür einsetzen, dass Diversität in den Lehrplänen und in der Lehrerbildung eine größere Rolle spielt.


Sascha Karolin Aulepp (SPD), Bildungssenatorin in Bremen

Sascha Aulepp
Sascha Karolin Aulepp (SPD)
©Jörg Sarbach/dpa

Wo kommt sie her?
Die 1970 geborene Politikerin hat Rechtswissenschaften studiert und arbeitete von 2008 bis zum Einzug in die Bremische Bürgerschaft 2015 als Jugendrichterin. Von 2016 bis 2021 war sie Landesvorsitzende der SPD Bremen. In ihrer Fraktion war sie Sprecherin für Recht und Justiz und für Haushaltsfragen zuständig.

Wo will sie hin?
Am 7. Juli 2021 übernahm Sascha Aulepp das Amt der Bildungssenatorin von der zuvor zurückgetretenen Parteikollegin Claudia Bogedan. Im Senat setzt sie den Kurs der Vorgängerin fort. Angetreten ist sie mit dem Credo „Ungleiches ungleich behandeln“, das bedeutet, Schulen in herausfordernden Lagen sollen auch besondere Unterstützung erhalten. Im Oktober fiel sie in der Kultusministerkonferenz mit der Forderung nach einer Impfpflicht für pädagogisches Personal auf.


Astrid-Sabine Busse (SPD), Bildungssenatorin in Berlin

Wo kommt sie her?
Astrid-Sabine Busse arbeitete bis zur Vereidigung als Senatorin rund drei Jahrzehnten als Schulleiterin im Bezirk Neukölln. Außerdem war sie Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen. In diesem Amt machte sie sich unter anderem für die Personalgewinnung für Schulen stark.

Wo will sie hin?
Am 21. Dezember 2021 wurde Astrid-Sabine Busse im Berliner Abgeordnetenhaus für die SPD als Bildungssenatorin der rot-grün-roten Koalition in Berlin vereidigt. Wichtige Punkte im Koalitionsvertrag der Koalition sind die Verbeamtung der Lehrkräfte, die Abschaffung des Probejahrs am Gymnasium, die beschleunigte Schulbauoffensive sowie der Ausbau der Digitalisierung der Schulen. Vor ihrer Amtsübernahme bekräftigte sie, dass sie die Verbeamtung der Lehrkräfte in Berlin für die wichtigste Reform der kommenden Legislatur hält.

Astrid-Sabine Busse
Astrid-Sabine Busse
©Carsten Koall/dpa

„Als Schulleiterin weiß ich, wie schwer es ist, gutes Personal zu finden – und ich selbst musste zusehen, wie jedes Jahr gute Lehrerinnen und Lehrer unsere Schule verlassen haben, weil sie bei uns nicht verbeamtet werden konnten”, sagte Busse der „Berliner Zeitung”.

Die Grundbildung der Schülerinnen und Schüler zu verbessern, sei für sie ein weiteres Herzensanliegen. „Unsere Kinder müssen erst einmal gut lesen, schreiben und rechnen lernen, dann können sie später auch Informatiker werden”, sagte Busse.