Corona in den Schulen : Das Risiko der Schülertests

An vier Schulen im Main-Taunus-Kreis gibt es freiwillige Schnelltests für Schüler. An der Eichendorffschule in Kelkheim wollen viele Gewissheit – und sind trotzdem aufgeregt.

Dieser Artikel erschien am 16.03.2021 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Florentine Fritzen
Schüler beim freiwilligen Corona-Schnelltests
Ein Schüler führt einen freiwillige Schnelltests durch (Symbolbild aus Halberstadt)
©dpa

Die Fünftklässlerin rutscht auf dem Stuhl hin und her. „Ich musste das schon mal machen, bei Streptokokken, das war so unangenehm.“ Aber die Eltern haben sie für den Corona-Schnelltest an der Eichendorffschule in Kelkheim angemeldet, „weil ich bald wieder zu meiner Oma gehe“. Das Mädchen sitzt mit drei Klassenkameraden in einem Container auf dem Schulgelände. Gerade hat ein Mann in weißem Schutzanzug mit Maske und Visier erklärt, was gleich passiert: Er nimmt mit dem Stäbchen einen Abstrich im Rachen, und zwanzig Minuten später steht das Ergebnis des Schnelltests fest.

Das Mädchen nimmt hinter einer Sichtwand Platz. „Mein Gott, jetzt komm ich!“ Der Mitarbeiter des vom Main-Taunus-Kreis beauftragten Unternehmens Invitago mit Sitz in Wiesbaden und Neuss klebt den Aufkleber, den das Mädchen wie alle Schüler mitgebracht hat, auf das Röhrchen. Dann Mund auf, „Aaaa“ sagen. Das Kind zuckt, der Mann muss noch einmal stochern. „Bei den Streptokokken war es schlimmer“, sagt das Kind. „Da wurde es mit einem Holzstäbchen gemacht.“

Zufrieden ist auch Stefan Haid. Er leitet die Kooperative Gesamtschule, eine von vier Pilotschulen für Schüler-Schnelltests im Kreis. Von den 1300 Gesamtschülern werden am Montag 100 freiwillig getestet, am heutigen Dienstag etwas weniger. Zudem sind Anfang der Woche Grundschüler der Hochheimer Astrid-Lindgren-Schule an der Reihe, am Mittwoch und Donnerstag Gymnasiasten der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule und Grundschüler der Flörsheimer Paul-Maar-Schule.

„Es ist natürlich auch ein Risiko für die Schule“, sagt Haid – das Gesundheitsamt könnte Lerngruppen nach Hause schicken. „Aber wir beschleunigen etwas.“ Nämlich herauszufinden, wie viele Schüler symptomfrei infiziert sind. Falls sich beim Testen herausstellt, dass das mehr sind als gedacht, könnte das die allmähliche Schulöffnung gefährden. Die Schule will sich dem Risiko stellen, sagt auch Ulrike Schmidt, die das Projekt an der Schule koordiniert. „Der Nutzen, dass wir Infizierte identifizieren können und sie nicht an der Schule haben, überwiegt.“

Nur Schüler mit positivem Ergebnis bekommen Rückmeldung

Die wöchentlichen freiwilligen Tests an den vier Schulen gehen zunächst bis zu den Osterferien. Dann wird geschaut, ob das Projekt ausgeweitet wird. Die Schnelltests werten die Mitarbeiter in einem Raum direkt im Container aus, in den auch vier Klassenzimmer zu Testräumen umfunktioniert sind. Die Streifen werden in eine Lösung getunkt, die nach oben wandert. Bei den allermeisten wird nur ein Streifen sichtbar, nicht zwei – negativ. Nur Schüler mit positivem Ergebnis bekommen eine Rückmeldung.

So wie am frühen Morgen ein Neuntklässler. Nach dem schwach positiven Ergebnis hat Haid ihn nach Hause geschickt. Vorher hat das Abstrich-Team einen PCR-Test gemacht, dessen Ergebnis am nächsten Morgen kommen soll. Dann entscheidet das Gesundheitsamt, wie es weitergeht. Die Schulleitung hat sich Gedanken gemacht, wie sie jüngere Kinder beruhigen will, die positiv sind. An den Grundschulen werden oft auch die Eltern dabei sein. Ob das auf Dauer praktikabel ist, muss sich aber zeigen – sie müssen schließlich meist eigentlich arbeiten.

Auch für die jüngeren Gesamtschüler ist der Test aufregend. „Wir sind doch noch so kleine Fünftklässler!“, piepst ein Mädchen. Die Testerin kündigt an: „Ich gehe in euren Hals, einmal schnell mit dem Stab.“ Ein Junge fragt: „Was ist, wenn er stecken bleibt?“ – „Das kann nicht passieren, es sei denn, du beißt zu!“

Bei allen, die älter sind als 14, dürfen die Tester je nach Anatomie auch in der Nase abstreichen. Ein Fünftklässler macht mit, um seine Klassenkameraden zu schützen. „Man trifft sich ja auch mal in der Freizeit, ohne Maske.“ Die Älteren sprechen von den Großeltern und davon, „Gewissheit zu haben“. Eine Zwölftklässlerin hat es sich schlimmer vorgestellt – sie musste nicht einmal würgen. „Das könnte man auch täglich machen.“