Unterrichtsausfälle und die Folgen : Aktualisiert: Was tun Schulen gegen Lernrückstände?

Derzeit werden in vielen Bundesländern noch die Lernstände erhoben. Das passiert zwar in jedem Schuljahr, aber in diesem Jahr liegt ein besonderes Augenmerk darauf, weil die Schulen feststellen wollen, wie groß die Lernrückstände sind, die die Corona-Pandemie verursacht haben könnte. Erste Ergebnisse dieser Analysen liegen jetzt zum Beispiel für Brandenburg vor, aber auch andere Länder haben bereits angekündigt, wie sie auf mögliche Defizite reagieren wollen. Neben zusätzlichen Förderangeboten gibt es Vorhaben zur Umgestaltung der Lehrpläne und neue Termine für die Abschlussprüfungen im kommenden Jahr. Das Schulportal hat in Brandenburg, Hamburg und Rheinland-Pfalz nachgefragt, wie jetzt die Lernstände erhoben werden und welche Fördermaßnahmen geplant sind.

Annette Kuhn / 07. Oktober 2020
Lernrückstände Schreibtisch mit Utensilien
Die Schulen stehen in diesem Schuljahr vor der Herausforderung, die im vergangenen Schuljahr entstandenen Lernrückstände aufzuholen.
©Uli Deck/dpa

Die Schulschließungen und eingeschränkten Öffnungen bis zu den Sommerferien haben bei vielen Schülerinnen und Schülern zu Lernrückständen geführt. Die Schulen stehen in diesem Schuljahr nun vor der Herausforderung, neuen Lernstoff zu vermitteln und zugleich die im vergangenen Schuljahr coronabedingt entstandenen Lücken zu schließen. „Die Probleme aus den Schulschließungen haben wir mitgeschleppt“, sagte kürzlich Ilka Hoffmann, Schulexpertin bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Lernrückstände benachteiligter Schüler wieder auszugleichen sei zeitlich und personell kaum möglich.

Schon bei der Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern für das Deutsche Schulbarometer Spezial im April hatten zwei Drittel der Befragten befürchtet, dass es schwierig sei, die Leistungsrückstände bei längeren Schulschließungen aufzuholen. Das sei vor allem dann ein Problem, wenn es zu weiteren Schulschließungen komme.

Um Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, Lernrückstände aufzuholen, haben viele Bundesländer bereits Ende des vergangenen Schuljahres Angebote gemacht. Zum Beispiel haben sie Sommerschulen und andere Nachhilfeprogramme eingerichtet. Einige Länder, zum Beispiel Berlin, wollen dieses Angebot auch in den Herbstferien fortsetzen.

In manchen Bundesländern wird der Lehrplan unter die Lupe genommen

Auch der Lehrplan spielt eine wichtige Rolle. Im Interview mit dem Schulportal vor Beginn des neuen Schuljahres hat Bildungsforscher Kai Maaz betont, jetzt sei „ein guter Zeitpunkt, sich Lehrpläne aus einer mittelfristigen Perspektive anzuschauen“. Das Kultusministerium in Niedersachsen hat den Schulen für das neue Schuljahr zum Beispiel eine große Flexibilität eingeräumt, die Stundentafeln umzugestalten. Eine umfangreiche Handreichung, wie mit den coronabedingten Lernrückständen im Unterricht umzugehen ist, wurde den Schulen bereits in den Sommerferien zugesandt. Auch Baden-Württemberg hat angekündigt, die Bildungsinhalte im kommenden Schuljahr in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum zu reduzieren. Damit sollen die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit für Wiederholung und Vertiefung bekommen. Für das Kerncurriculum sind etwa 75 Prozent der Unterrichtszeit vorgesehen.

Um Lernrückstände aufzuholen, verschieben einige Bundesländer Abschlussprüfungen

Außerdem wollen viele Bundesländer einen zeitlichen Puffer einräumen. Einige Länderhaben schon jetzt angekündigt, die Prüfungstermine für das Abitur und die anderen schulischen Abschlüsse nach hinten zu verschieben oder zusätzlich Ausweichtermine anzubieten. In Nordrhein-Westfalen sollen die Prüfungen, die nicht bundesweit festgelegt sind, zum Beispiel neun Tage später, in Hessen sogar vier Wochen später beginnen. Für die Abiturprüfungen soll es weiter zentrale Aufgaben geben, aber in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel mit einer erweiterten Auswahl von Prüfungsaufgaben. So sollen Schulen bei der Auswahl der Aufgaben sicherstellen können, dass der Stoff tatsächlich auch im Unterricht behandelt wurde.

Um überhaupt erst mal festzustellen, wie groß die Lernrückstände tatsächlich sind, wurden in den ersten Wochen des neuen Schuljahres die Lernstände erhoben. Das Schulportal hat beispielhaft in Brandenburg, Hamburg und Rheinland-Pfalz nachgefragt, wie das läuft und welche Konsequenzen diese Länder aus den Ergebnissen ziehen.