„Schule macht stark" : Bund und Länder wollen „Brennpunkt­schulen“ stärken

Mit dem Programm „Schule macht stark“ wollen Bund und Länder Schulen in kritischen Lagen unterstützen. Insgesamt sollen dafür 125 Millionen Euro bereit stehen. Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sollen neue Strategien und Unterrichtskonzepte für diese Schulen entwickelt werden.

25. Oktober 2019
Schüler der Peter-Pan-Schule (School Turnaround) im Stuhlkreis, eine Schülerin meldet sich
Die Berliner Peter-Pan-Grundschule ist eine der größten Grundschulen in Berlin-Marzahn. Dank des Pilotprojekts „School Turnaround” für Schulen in kritischen Lagen hat ihre Schulentwicklung wieder an Fahrt aufgenommen.
©Tobias Bohm

Mit einem auf zehn Jahre angelegten Förder- und Forschungsprogramm wollen Bund und Länder Hunderten sogenannter Brennpunktschulen in Deutschland unter die Arme greifen. So sollen die Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler dort verbessert werden. „Es kann nicht sein, dass wir anhand der Postleitzahl einer Schule die Qualität der Bildung ablesen könne, die ein Kind dort erhält“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei der Vorstellung des Programms in Berlin. Opposition und Verbände kritisierten die Initiative als „halbherzig“.

Karliczek präsentierte Details des Programms „Schule macht stark“ gemeinsam mit dem hessischen Bildungsminister und Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz (CDU), und Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Bund und Länder wollen dafür zusammen 125 Millionen Euro bereitstellen – verglichen mit anderen Programmen, wie dem milliardenschweren sogenannten Digitalpakt Schule, eine sehr kleine Summe. Darum gehe es aber hier auch nicht, sagte Rabe, sondern um die Frage, „was wirkt wirklich“.

Neue Konzepte sollen an Brennpunkt­schulen erprobt werden

Konkret geplant ist Folgendes: Bis Oktober 2020 werden in einem ersten Schritt aus allen Brennpunktschulen in Deutschland 200 ausgewählt. Dort werden dann mit Hilfe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern neue Strategien und Unterrichtskonzepte entwickelt und ausprobiert, um die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Bereichen wie Lesen, Schreiben und Mathematik zu verbessern. Die Erkenntnisse werden untereinander ausgetauscht und wissenschaftlich ausgewertet. Die Schulen sollen sich darüber hinaus stärker mit Eltern, örtlichen Vereinen und der örtlichen Kinder- und Jugendhilfe vernetzen. Konzepte, die gut funktionieren, sollen danach in einem zweiten Schritt auf weitere Schulen übertragen werden.

Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland wachse in einer „schwierigen sozialen Situation auf”, sagte Karliczek. „Gute Bildung muss es überall im Land geben – in den Villenvierteln, aber auch an Orten, in denen die Situation vor Ort nicht einfach ist.“ Ihren Angaben zufolge haben Schülerinnen und Schüler in „sozial begünstigten Schulen“ einen Leistungsvorsprung von bis zu fünf Jahren gegenüber Kindern, die sogenannte Brennpunktschulen besuchen. In Ballungsgebieten oder Stadtstaaten sind das rund zehn Prozent der Schulen, sagte Hamburgs Schulsenator Rabe.

KMK-Präsident Lorz sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Zahl der Schulen, die aufgrund der Zusammensetzung ihrer Schülerschaft vor besonderen Herausforderungen stehen, hat ohne Zweifel zugenommen.“ Es werde mit Programmen zwar bereits dagegen angearbeitet, aber man sei noch nicht an dem Punkt, wo man sagen könne, alles Mögliche wurde getan. Die Bund-Länder-Initiative solle nun Instrumente entwickeln, die wirken und dann flächendeckend eingesetzt werden könnten.

Kritisch äußerte sich der Verband Bildung und Erziehung (VBE). VBE-Chef Udo Beckmann begrüßte in einer Mitteilung am Mittwoch zwar grundsätzlich das Vorhaben von Bund und Ländern, nannte es jedoch gleichzeitig „halbherzig“. Die Umsetzung werde erst zum Schuljahr 2021/22 starten. „Das grenzt an Verschleppung. Zumal in der ersten Phase nur 200 von 32.577 allgemeinbildenden Schulen beteiligt werden.“ Die Bildungsexpertin der Grünen, Margit Stumpp, kritisierte, dass sich das Programm vor allem auf die Erforschung von Methoden konzentriert. „Noch einmal fünf Jahre Forschung sind wieder fünf Jahre verlorene Zeit für Schülerinnen und Schüler.“

dpa