Protest : Berliner Schule fordert qualifizierte Fachkräfte

In Berlin protestierte am Freitag die Sonnen-Grundschule, weil es an ausgebildeten Fachkräften fehlt. An der Neuköllner Schule sind 50 Prozent der Lehrkräfte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.

Florentine Anders / 17. August 2018
Lehrer protestieren vor der Bildungsverwaltung
Mit einer Mahnwache vor der Bildungsverwaltung protestierten am Freitag Lehrkräfte der Sonnen-Grundschule gegen die unzureichende Personalausstattung.
©Florentine Anders

Um offene Stellen an Schulen zu besetzen, werden bundesweit immer häufiger Seiteneinsteigerinnen oder Seiteneinsteiger eingesetzt, denn es fehlt an ausgebildeten Fachkräften. Welche Auswirkungen das haben kann, machte am Freitag in Berlin die Sonnen-Grundschule mit ihrer Protestkundgebung vor der Senatsverwaltung für Bildung deutlich. An der Grundschule aus einem Neuköllner Brennpunktkiez sind 50 Prozent der Lehrkräfte inzwischen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.

Schon im Frühjahr hatte sich das Kollegium deshalb mit einem offenen Brief an die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gewandt. „Wir arbeiten in einer der ärmsten Nachbarschaften Neuköllns, die in allen Sozialstatistiken einen der negativen Spitzenplätze belegt. Alle Probleme, von denen Sie aus den Brennpunkten dieser Stadt hören, treffen in besonders dramatischer Weise gerade auf unseren Kiez zu…“, hieß es in dem Brief. Es sei geradezu fahrlässig angehende Lehrerinnen und Lehrer an so belasteten Schulen wie dieser auszubilden. Die Schule sei zeitweise nur zu 83 Prozent mit Personal ausgestattet, es fehle an Zeit und Kraft, um die neue Kolleginnen und Kollegen ausreichend zu begleiten.

GEW: Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger müssen gerechter verteilt werden

Der Brief wurde zwar beantwortet, doch professionelle Unterstützung blieb aus. „Stattdessen wurden die drei offenen Stellen zum neuen Schuljahr wieder mit drei Quereinsteigern besetzt“, sagte eine Lehrerin der Schule, die ihren Namen nicht nennen wollte.

„An Brennpunktschulen droht die Situation völlig aus dem Ruder zu laufen“, warnte Tom Erdmann, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin, der bei der Protestveranstaltung mit vor Ort war. Schließlich hätten die ausgebildeten Lehrkräfte angesichts des Fachkräftemangels die Wahl und würden deshalb oft einen Bogen machen um Schulen in schwierigen sozialen Lagen. Die Verwaltung müsse dafür sorgen, dass die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger besser verteilt werden. Der Vorschlag der GEW: Schulen, die in den vergangenen drei Jahren keine Quereinsteigerin oder keinen Quereinsteiger beschäftigt haben, dürften vorerst keine ausgebildete Lehrkraft mehr einstellen, so Erdmann.

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses in Berlin sagte, die Verwaltung müsse Anreize schaffen, damit qualifizierte Lehrkräfte an Schulen in einem schwierigen Umfeld unterrichten. Notfalls sollten verbeamtete Lehrkräfte auch dazu verpflichtet werden.

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