Neue Studie : Auslandsschulen sind Sprungbrett nach Deutschland

Insgesamt 140 Auslandsschulen vermitteln in 72 Ländern die deutsche Sprache und Kultur. Davon profitiert auch die deutsche Wirtschaft.

Florentine Anders / 08. Juni 2018
Die Deutsche Internationale Schule in Johannesburg ist eine der 140 Deutschen Auslandsschulen. Vor zwei Jahren hatte die Schule den Deutschen Schulpreis gewonnen.
Die Deutsche Internationale Schule in Johannesburg ist eine der 140 Deutschen Auslandsschulen. Vor zwei Jahren hatte die Schule den Deutschen Schulpreis gewonnen.
©Robert Bosch Stiftung/Theodor Barth

Im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe leisten die Deutschen Auslandsschulen weltweit einen erheblichen Beitrag. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Wertschöpfung der Auslandsschulen, die am 8. Juni auf dem Weltkongress Deutscher Auslandsschulen in Berlin vorgestellt wurde. Erstellt hat die Studie das Institut für Wirtschaftsforschung WifoR im Auftrag des Weltverbandes Deutscher Auslandsschulen e.V. (WDA). Dabei haben die Autorinnen und Autoren verschiedene Aspekte der Wertschöpfung im Ausland und für Deutschland genauer unter die Lupe genommen.

Insgesamt gibt es derzeit 140 Deutsche Auslandsschulen in 72 Ländern. Von den 83.380 Schülerinnen und Schülern sind im Durchschnitt 25 Prozent deutscher Herkunft, ein Großteil der Kinder kommt aus den Gastländern. Etwa 58 Prozent des Unterrichts an Deutschen Auslandsschulen findet auf Deutsch statt und mehr als die Hälfte der Schulen bietet einen Abschluss, der zum Hochschulstudium in Deutschland berechtigt. Unter den nicht-deutschen Absolventinnen und Absolventen haben laut Studie zehn Prozent den Wunsch, ein Studium in Deutschland zu absolvieren. Besonders hoch ist die Quote der Schülerinnen und Schüler mit Studienwunsch in Deutschland in den Schulen auf dem afrikanischen Kontinent mit 18 Prozent.

Detlef Ernst, Vorstandsvorsitzender des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen, sagt dazu: „Die Deutschen Auslandsschulen bilden globale Knotenpunkte der kulturellen Infrastruktur Deutschlands.“ Bei jungen Menschen im Ausland würden sie ein nachhaltiges Interesse an Deutschland erzeugen und Bindungen schaffen, die oft ein Leben lang bestehen bleiben, so Ernst.

Das große Potenzial, das sich daraus zur Kooperation mit der deutschen Wirtschaft ergibt, wird laut Studie bisher jedoch nicht optimal genutzt. Nur sieben Prozent der Schülerinnen und Schüler absolvieren im Durchschnitt ein Praktikum in Deutschland. Die Gründe dafür seien je nach Standort vielfältig, auch fehlende finanzielle Mittel könnten dafür ausschlaggebend sein, schreiben die Wirtschaftsforscher und -forscherinnen.

Die Deutschen Auslandsschulen erwirtschaften 72 Prozent ihrer Mittel eigenständig

Die Auslandsschulen finanzieren sich zum Teil durch staatliche Förderung und zum Teil durch Eigenmittel. Die Deutschen Auslandsschulen sind freie Träger, die 72 Prozent der Einnahmen vor allem durch Schulgeld und Spenden selbst erbringen. Insgesamt 8.450 Lehrkräften unterrichten an den Einrichtungen weltweit, davon werden 1.100 Pädagoginnen und Pädagogen als Auslandsdienstlehrkräfte aus Deutschland entsendet. Die staatliche Förderung für diese Lehrkräfte deckt aber nur einen geringen Teil der Kosten an den Schulen ab. Legt man die durchschnittlichen Kosten von 7.500 pro Schülerin oder Schüler in Deutschland zugrunde, dann erbringen die Auslandsschulen eine Dienstleistung im Wert von 158 Millionen Euro pro Jahr. Diese Summe würde pro Jahr anfallen, wenn die Schülerinnen und Schüler deutscher Staatsagehörigkeit nicht im Ausland sondern an einer staatlichen Schule in Deutschland unterrichtet werden würden.

Laut Studie die Bildungsbedingungen vor Ort oft sogar besser als in Deutschland. An den Auslandsschulen kommen im Schnitt acht Schülerinnen und Schüler auf eine Lehrkraft, das liegt deutlich unter dem Durchschnitt von Deutschland, der bei 13 Kindern pro Lehrkraft liegt. Durch ihre Attraktivität würden die Auslandsschulen ein positives Bild von Deutschland vermitteln, konstatieren die Experten des Wirtschaftsforschungsinstituts.

Auf einen Blick

  • Es gibt 140 Deutsche Auslandsschulen in 72 Ländern. Von den 83.380 Schülerinnen und Schülern sind im Durchschnitt 25 Prozent deutscher Herkunft, ein Großteil der Kinder kommt aus den Gastländern.
  • Etwa 58 Prozent des Unterrichts an Deutschen Auslandsschulen findet auf Deutsch statt und mehr als die Hälfte der Schulen bietet einen Abschluss, der zum Hochschulstudium in Deutschland berechtigt.
  • Unter den nicht-deutschen Absolventinnen und Absolventen haben laut Studie zehn Prozent den Wunsch, ein Studium in Deutschland zu absolvieren.
  • 72 Prozent ihrer Mittel erwirtschaften die freien Schulträger in öffentlich-privater Partnerschaft selbst
  • Die gesamte Studie „Weltweite Wertschöpfung: Quantifizierung des Wertbeitrags Deutscher Auslandsschulen“ können Sie unter www.auslandsschulnetz.de/downloads lesen.
Sie verwenden einen veralteten Browser. Aktuelle Browser finden Sie hier. x