Lehrermangel : Anreize für Lehrkräfte in unbeliebten Regionen

Schulen auf dem Land und in wenig attraktiven Regionen haben es in Zeiten des Lehrermangels besonders schwer, Personal zu gewinnen. Viele Stellen bleiben oft ein Jahr oder länger unbesetzt. Kultusministerien bieten deshalb immer häufiger Zulagen, Umzugshilfen und andere Anreize, um Lehrkräfte für die Arbeit in abgelegenen oder unbeliebten Regionen zu gewinnen. Das Schulportal hat sich die Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genauer angesehen.

Florentine Anders / 29. Januar 2020
An Schulen in ländlichen Regionen bleiben einige Stellen oft lange Zeit unbesetzt. Häufig bieten die Kultusministerien in solchen Fällen Gehaltszulagen.
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Mecklenburg-Vorpommern

  • Ende Mai geht es wieder los. Dann startet zum zweiten Mal die Bustour der Lehrerbildungslandpartie zu Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. Lehramtsstudierende aus Rostock und Greifswald besuchen in diesem Jahr ausgewählte Schulen in Vorpommern und an der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Teilnehmenden hospitieren, erhalten Führungen und befragen Lehrkräfte und Schulleitungen zum Lehrersein auf dem Lande. Im vergangenen Jahr hatte das Bildungsministerium zum ersten Mal eine solche Landpartie auf den Weg gebracht. Die Rückmeldungen waren laut Bildungsministerium „außerordentlich positiv“. Im Jahr 2021 soll es auch eine zusätzliche Landpartie für berufliche Schulen in Vorpommern-Greifswald geben.
  • Zweimal im Jahr kommen abgelegene ländliche Schulen auch zu den Studierenden. Auf zwei Schulmessen an den beiden lehrerbildenden Universitäten in Rostock und Greifswald stellen sich 30 bis 40 Schulen aus dem ländlichen Raum vor. In diesem Jahr ist in Rostock eine zusätzliche Messe für berufliche Schulen geplant.
  • Noch in diesem Jahr wird es laut Bildungsministerium eine neue Reisekostenrichtlinie geben: Lehramtsstudierende können – je weiter weg sie sich mit der Wahl ihres Praktikumsplatzes bewegen – nicht nur Fahrtkosten, sondern auch Pauschalen für Unterkunft und Verpflegung beantragen. „So können Studierende, die zum Praktikum nicht pendeln, sondern vor Ort wohnen, in den vier oder sechs Wochen einen echten Eindruck vom Leben und Arbeiten im ländlichen Raum bekommen“, hieß es aus dem Bildungsministerium auf Anfrage des Schulportals.

Sachsen-Anhalt

  • Das Modell der Landpartie gibt es auch in Sachsen-Anhalt. 2018 startete eine Bustour mit Lehramtsstudierenden aus Halle nach Gardelegen, eine Stadt mit zahlreichen eingemeindeten Dörfern. Ziel der Tour war es, die Vorzüge der Arbeit auf dem Lande anschaulich zu machen, wie etwa kleine Schulen mit überschaubaren Klassen.
  • Mit der Tour startete auch das Kooperationsprojekt „Gardelehrer“ zwischen dem Ministerium für Bildung und der Gemeinde. Das Stipendium für „Gardelehrer“ beinhaltet einen Zuschuss von 300 Euro pro Monat während der Ausbildung. Im Gegenzug verpflichtet sich die Stipendiatin oder der Stipendiat, nach der Ausbildung in Gardelegen zu arbeiten – und zwar mindestens so lange, wie sie oder er zuvor das Stipendium bezogen hat. Außerdem unterstützt die Stadt bei der Wohnungssuche oder der Bereitstellung von Bauland.
  • An Schulen, die bereits zweimal erfolglos Stellen ausgeschrieben haben, erhalten neu eingestellte Lehrkräfte eine Zulage. In der Regel werden sie dann eine Gehaltsstufe höher eingruppiert. Durch diesen finanziellen Anreiz seien positive Effekte spürbar, sagte Michael Schulz, Pressereferent des Bildungsministeriums, dem Schulportal. Viele der neu ausgeschriebenen Stellen, die zuvor nicht besetzt werden konnten, seien so vergeben worden.

Niedersachsen

  • Das niedersächsische Kultusministerium startet für Schulen der Sekundarstufe I in wenig attraktiven Regionen ab Februar das Sonderprogramm „Starke Sek I Schulen“, um die Lehrkräfteversorgung sicherzustellen. Als Modellregionen wurden Salzgitter, Heidekreis, Holzminden, Nienburg und Wilhelmshaven ausgewählt. In diesen Regionen lag die Unterrichtsversorgung in den vergangenen drei Jahren unter dem Durchschnitt. Zum Sonderprogramm gehören Basis- und flexible Zusatzmaßnahmen, je nach Bedarf der Schule.
  • Zum Basisangebot gehören nach Einzelfallprüfungen Zuschläge bei der Ausschreibung von schwer zu besetzenden Stellen an Haupt-, Real- und Oberschulen. Zudem können Umzugskosten für neu eingestellte Lehrkräfte übernommen werden. Gymnasiallehrkräfte, die sich verpflichten, für drei Jahre an einer Schule der Sekundarstufe I in den Modellregionen zu unterrichten, erhalten anschließend die Option, an ein Gymnasium zu wechseln.
  • Schulen in den Modellregionen können darüber hinaus eigene Maßnahmen entwickeln, wie etwa das Distanzlernen per Videokonferenz oder den Einsatz von nichtpädagogischen Fachleuten im Unterricht. Die Schulen entscheiden selbst, welche Schwerpunkte sie setzen wollen. Die Landesschulbehörde berät und unterstützt sie dabei.

Nordrhein-Westfalen

  • Um Referendare in schwer zu versorgenden Regionen frühzeitig zu binden, gibt es in Nordrhein-Westfalen das sogenannte „vorgezogene Listenverfahren. Angehenden Lehrkräften, die kurz vor dem Ende des Vorbereitungsdienstes stehen, kann somit ein frühzeitiges Einstellungsangebot gemacht werden. Dadurch soll der nahtlose Übergang vom Referendariat in den Schuldienst gesichert werden.
  • Die größten Schwierigkeiten gibt es auch hier bei der Versorgung von Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I. Gymnasiallehrkräfte, die bereit sind, für einen festgelegten Zeitraum an Grundschulen oder Schulen der Sekundarstufe I zu arbeiten, erhalten deshalb die Möglichkeit, sich anschließend an ein Gymnasium versetzen zu lassen.
  • Bei Neueinstellungen an Schulen in schwer zu versorgenden Regionen können Zuschläge in Höhe von monatlich 350 Euro brutto für zweieinhalb Jahre an Lehrkräfte gezahlt werden. Voraussetzung ist, dass die Schule die Stelle innerhalb des letzten Jahres nicht besetzen konnte. An Gymnasien gilt diese Regelung nur für bestimmte Mangelfächer, an allen anderen Schulformen für alle Fächer.