Qualifikationsoffensive : Änderungen im Lehramtsstudium angekündigt

Mecklenburg-Vorpommern benötigt jedes Jahr 700 neue Lehrerinnen und Lehrer, um den Bedarf an Lehrkräften im Land zu decken. Viele junge Leute bringen ihr Lehramtsstudium in Mecklenburg-Vorpommern aber nicht zu Ende. Das soll sich ändern. Die Landesregierung will nun mit konkreten Maßnahmen Studierende besser unterstützen.

30. April 2019
Lehramtsstudenten im Hörsaal
Lehramtsstudierende sollen in Mecklenburg-Vorpommern besser unterstützt werden, damit mehr Studierende den Abschluss schaffen. Derzeit schließen nicht einmal die Hälfte der Lehramtsstudierenden in dem Bundesland ihr Studium ab.
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Die Universitäten in Rostock und Greifswald planen gravierende Änderungen im Lehramtsstudium, um die extrem hohe Abbrecherquote zu senken. So sollen Studienanfängerinnen und -anfänger eine individuellere Betreuung erhalten, damit sie sich frühzeitig über ihre Eignung für den Beruf als Lehrerin beziehungsweise Lehrer klar werden können und dann auch bei der Stange bleiben. „Wir haben in den kommenden Jahren jeweils 700 Lehrerstellen und mehr neu zu besetzen. Dafür müssen wir mehr junge Leute ausbilden und auch zum Abschluss bringen“, sagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) in Schwerin bei der Vorstellung der mit den beiden Universitäten verabredeten Neuerungen.

Dazu gehört auch, dass die Vermittlung von Fachwissen insbesondere in den naturwissenschaftlichen Bereichen einen deutlich stärkeren Bezug zum Unterricht haben soll. Studierende hatten zuvor häufig beklagt, dass die wissenschaftlichen Ansprüche zu hochgeschraubt seien. Praktika an Schulen sollen besser in das Studium integriert und dann auch ausgewertet werden. „Der Berufsfeldbezug muss von Anfang an klar werden“, so Carolin Retzlaff-Fürst, Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung.

Weniger Prüfungen an Universitäten geplant

Die Bildungsministerin will jährlich 1,1 Millionen Euro für zusätzliche Stellen in der Lehrkräfteausbildung bereitstellen. Mit bis zu 200.000 Euro sollen Studierende unterstützt werden, die ihre Praktika auch außerhalb der Universitätsstädte absolvieren und dadurch höhere Fahrtkosten zu tragen haben.

Die zeitlichen Abläufe sollen besser koordiniert werden. Das soll für eine verringerte Prüfungslast an den Unis sorgen. Dem Ministerium und den Universitäten zufolge wird auch eine geringere Zahl von Prüfungen je Semester erwogen. „Wir prüfen einfach zu viel“, konstatierte der Prorektor für Studium und Lehre an der Universität Greifswald, Steffen Fleßa.

Gewerkschaft begrüßt die Neuerungen

Knapp 1.000 Abiturientinnen und Abiturienten beginnen jedes Jahr ein Lehramtsstudium in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht einmal die Hälfte der Studierenden kommt ans Ziel. Einer im Vorjahr veröffentlichten Studie zufolge schließt nur etwa ein Viertel der angehenden Regionalschullehrkräfte das Studium ab. Ein weiteres Viertel wechselt die Schulart, etwa die Hälfte gibt auf.

Der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm urteilt, dass Regierung und Universitäten mit den angekündigten Änderungen wichtige Impulse setzten. „Mit Blick auf die Größe des Personalmangels an den Schulen ist dies jedoch zunächst nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Universitäten müssen jetzt ernsthaft zeigen, dass das Lehramtsstudium nicht, wie bisher, das dritte Rad am Wagen bleibt.“ Nach Berechnungen der GEW gehen in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2030 vier von fünf der derzeit aktiven Lehrkräften in den Ruhestand.

(dpa)