Abitur 2021 : Besserer Abi-Schnitt trotz Corona

Die Abiturprüfungen im zweiten Corona-Jahr sind inzwischen abgeschlossen. Das Schulportal stellt vor, welche Erleichterungen Abiturientinnen und Abiturienten wegen der  Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr hatten, welchen Abi-Schnitt sie erreicht haben und was in diesem Jahr schiefgelaufen ist. Vor allem an den Mathe-Abiturklausuren gibt es in manchen Bundesländern heftige Kritik.

Annette Kuhn 01. Juli 2021 Aktualisiert am 24. August 2021
Abitur 2021 Jugendliche im Raum bei den Prüfungen
Die Abiturprüfungen laufen zum zweiten Mal unter Pandemie-Bedingungen.
©Sebastian Kahnert/dpa

Prüfungen für das Abitur und die anderen Abschlüsse haben auch im zweiten Corona-Jahr stattgefunden. In den ersten Bundesländern stehen auch schon die Noten fest. Dabei zeigt sich, dass sich die Abiturientinnen und Abiturienten in einigen Bundesländern trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie bei den Abiturprüfungen sogar verbessern konnten. Allerdings gab es auch einige Streitpunkte und Besonderheiten beim diesjährigen Abitur.

Die Kultusministerkonferenz hatte sich bereits im Januar darauf verständigt, dass die Prüfungen auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie regulär stattfinden. Allerdings gab es in diesem Jahr für die Schülerinnen und Schüler einige Erleichterungen im Sinne eines Nachteilsausgleichs, weil die Voraussetzungen für die Vorbereitung auf das Abitur 2021 und die anderen Abschlussprüfungen sehr unterschiedlich waren.

Daher gab es auch zunächst Forderungen, den Abschlussjahrgängen in diesem Jahr einen Corona-Bonus zu geben, also die Abschlussnoten insgesamt anzuheben. Diskutiert wurde auch immer wieder, die Abiturprüfungen abzusagen und stattdessen ein sogenanntes „Durchschnittsabitur“ zu vergeben. Dabei errechnet sich die Abschlussnote aus dem Durchschnitt der in der Oberstufe erbrachten Leistungen. Solche Forderungen gab es bereits im vergangenen Jahr. In einigen EU-Ländern wie Frankreich und den Niederlanden wurden sie auch umgesetzt. Und auch 2021 haben bereits Großbritannien und Schweden die Abschlussprüfungen abgesagt.

Erleichterungen für Abi und andere Abschlussprüfungen

Eine Absage der Abschlussprüfungen sollte es in Deutschland aber nicht geben. Die KMK hat sich aber auf einen veränderten Rahmen für die Prüfungen verständigt. Dieser Rahmen soll Standards sichern, um die Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse zu gewährleisten. Die Länder sollen zugleich individuelle Spielräume bekommen, um die durch die Corona-Pandemie entstandenen Einschränkungen kompensieren zu können. Im Einzelnen ist vorgesehen:

  • Verschiebung von Prüfungsterminen: Die Abiturtermine  und die Termine für andere Abschlussprüfungen können in diesem Schuljahr später stattfinden, um mehr Zeit für die Vorbereitung zu gewinnen. Allerdings haben die Bundesländer hier unterschiedlich große Spielräume – je nachdem, wann die Sommerferien beginnen.
  • Mehr Zeit: Im letzten Kurshalbjahr der Oberstufe und im zweiten Halbjahr der Abschlussklassen in der Sekundarstufe I kann die Anzahl der eigentlich vorgesehenen Klausuren und Klassenarbeiten reduziert werden. Auch während der Prüfungen wird den Schülerinnen und Schülern mehr Arbeitszeit gewährt.
  • Mehr Flexibilität bei Prüfungsinhalten: Es gibt beim Abi 2021 gewisse Abweichungen vom sonst üblichen Zentralabitur. So können die Länder den Schulen eine größere Auswahl von Aufgaben für die zentralen Abiturprüfungen zur Verfügung stellen. Die Lehrkräfte treffen dann eine Vorauswahl. So soll vermieden werden, dass die Prüflinge Aufgaben bekommen, auf die sie sich aufgrund der Unterrichtseinschränkungen nicht vorbereiten konnten. Außerdem kann der mögliche abzufragende Prüfungsstoff beim Abitur 2021 auf bestimmte Themenbereiche reduziert werden. Schulen können den Prüflingen auch mehr Wahlmöglichkeiten bei den Themen geben.
  • Wiederholen ist erlaubt: Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an Gymnasien und anderen weiterführenden Schulen sollen wegen der Corona-Pandemie die Möglichkeit bekommen, das Schuljahr zu wiederholen, ohne dass dieses zusätzliche Jahr auf die Schulzeit angerechnet wird.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Verabredung der KMK um einen gemeinsamen Rahmen, der rechtlich aber nicht bindend ist, weil die Bundesländer für die Schulpolitik selbst verantwortlich sind. Die Bundesländer haben die von der KMK vorgeschlagenen Erleichterungen zum Abitur 2021 und den anderen Schulabschlüssen aber weitgehend aufgegriffen. Entsprechend haben sie die Bestimmungen für die Abschlussprüfungen, Abiturtermine und Themenauswahl inzwischen angepasst. Das Schulportal stellt hier dar, welche Regelungen es in den einzelnen Ländern zum Abi und den anderen Abschlüssen gab und – soweit gemeldet – welchen Abi-Schnitt es in den Ländern gab.

Aktuelle Bestimmungen in den Bundesländern

Die wichtigsten Fragen rund ums Abitur

Wie werden Prüfungsaufgaben für das Abitur entwickelt?

In den meisten Ländern wird zumindest in bestimmten Fächern ein Zentralabitur geschrieben. Das heißt, die Aufgaben werden in einer zentralen Behörde des Bundeslandes erstellt. Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, in dem kein Zentralabitur stattfindet. Das heißt, die Abituraufgaben werden in Rheinland-Pfalz nicht zentral vom Kultusministerium, sondern von der jeweiligen Fachlehrkraft gestellt.

Immer wieder gibt es Streit um die Prüfungsaufgaben für das Abitur. Insbesondere die Mathe-Abi-Klausuren lösen – wie auch wieder in diesem Jahr – Diskussionen aus. Aber wie entstehen eigentlich die Aufgabenpools der Länder für das Abitur? Wer überprüft die Aufgaben und entscheidet, welche Aufgaben schließlich zum Einsatz kommen? Das hat Petra Stanat im Interview mit dem Schulportal erklärt. Die Bildungswissenschaftlerin ist Direktorin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), das die Aufgabenpools koordiniert. Jedes Bundesland entsendet demnach eine Vertreterin oder einen Vertreter in eine Arbeitsgruppe, die für die Entwicklung der Abituraufgaben für das jeweilige Fach zuständig ist.

Die Bundesländer haben sich für die Fächer Deutsch, Englisch/Französisch und Mathematik auf gemeinsame Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife geeinigt. Diese bilden die Grundlage für die Entwicklung der Aufgaben zum Abitur.

Jedes Bundesland entscheidet für sich, welche Aufgaben es aus dem jeweiligen Pool verwendet. Auch die Zusammenstellung von Aufgaben für eine Abiturprüfung ist Sache der Länder.

Wie sehen die Prüfungen für das Abitur aus?

Jedes Bundesland regelt den Ablauf der Abiturprüfungen selbst. Die Prüfungen sind aber überall in schriftliche und mündliche Prüfungen aufgeteilt. Geprüft wird entweder in vier oder in fünf Fächern. Wenn es große Abweichungen bei den Ergebnissen der Klausuren für das Abitur gibt, können die Abiturientinnen und Abiturienten auch noch mündliche Nachprüfungen ablegen.

In den Corona-Schuljahren 2019/2020 und 2020/2021 wurde auch diskutiert, ob die Abiturprüfungen aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie überhaupt stattfinden sollten. Zwei Drittel der Abiturnote sind ja schon vor den Prüfungen erreicht. Auch die Abiturientinnen und Abiturienten selbst haben dieses Thema kontrovers diskutiert. Das Schulportal hat die Vorsitzende des Landesschülerrats Sachsen, Joanna Kesicka, und den Landesschülervertreter von Niedersachsen, Florian Reetz, im März 2021 zum Streitgespräch eingeladen.

Die Kultusministerkonferenz hat sich aber dagegen entschieden, die Prüfungen abzusagen. Die Abiturprüfungen haben in allen Bundesländern in beiden Jahren stattgefunden – allerdings gab es für das Abitur 2021 die oben beschriebenen Erleichterungen für Abiturientinnen und Abiturienten im Sinne eines Nachteilsausgleichs.

Wie setzt sich die Abiturnote zusammen?

Die Abiturnote setzt sich aus den Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Qualifikatonsphase der Oberstufe und den Abiturprüfungen zusammen. Die Noten der in den zwei Jahren bis zum Abitur eingebrachten Kurse werden dabei unterschiedlich stark bewertet – je nachdem, ob es sich um einen Grund- oder Leistungskurs handelt. Insgesamt können Abiturientinnen und Abiturienten 900 Punkte erreichen, das entspricht dann einer Note im Abitur von 1,0. Die Mindestpunktzahl sind 300, dann steht auf dem Abizeugnis eine 4,0. Anhand einer Tabelle lässt sich die individuelle Abinote berechnen.

Wie lange dauert die Schulzeit bis zum Abitur?

Das Abitur kann nach 12 bzw. 13 Jahren abgelegt werden. An den Gesamtschulen oder Sekundarschulen führt die Schullaufbahn über 13 Jahre zum Abitur. An den Gymnasien hängt es davon ab, ob die Schule über G8 oder G9 zum Abitur führt, also ob die Schulzeit am Gymnasium acht oder neun Jahre dauert.

Die G8-Reform wurde in den meisten Bundesländern zwischen 2012 und 2015 eingeführt und damit die bis dahin geltende 13-jährige Schulzeit zum Abitur um ein Jahr verkürzt. Inzwischen haben einige Bundesländer diesen Schritt aber wieder zurückgenommen und sind zu G9 zurückgekehrt oder bieten G8 und G9 parallel an. Das ist ist zum Beispiel in den Bundesländern  Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Fall.

Das erste Land, das die Rückkehr zu G9 auf dem Weg zum Abitur umgesetzt hat, war 2014 Niedersachsen. Inzwischen kehren auch Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wieder zurück zu G9.

Die Debatte um G8 und G9 läuft aber weiter. Auch das Schulportal hat sie in mehreren Beiträgen abgebildet.

Welche Formen der Hochschulreife gibt es?

Unterschieden werden drei Arten von Hochschulreife:

Allgemeine Hochschulreife: Der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife ist mit dem Abitur an einem Gymnasium oder auch an einer Sekundarschule bzw. Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe möglich. Auch das Abitur an einem Berufskolleg mit gymnasialer Oberstufe führt zur allgemeinen Hochschulreife. Die allgemeine Hochschulreife ist die Grundvoraussetzung für ein Studium an den Universitäten und Hochschulen in Deutschland.

Allgemeine Fachhochschulreife: Die allgemeine Fachhochschulreife ist die Grundvoraussetzung für ein Studium an einer Fachhochschule. Wer ein Fachabitur mit allgemeiner Fachhochschulreife erwirbt, kann grundsätzlich an jeder Fachhochschule jedes Fach studieren – soweit die sonstigen Studienvoraussetzungen erfüllt sind. In der Regel lässt sich die allgemeine Fachhochschulreife in zwei Jahren an einer Fachoberschule, einem beruflichen Gymnasium oder an einer Berufsfachschule erreichen.

Fachgebundene Fachhochschulreife: Das Abitur mit fachgebundener  Fachhochschulreife berechtigt zur Aufnahme eines Studiums in bestimmten Fachrichtungen. Das Fachabitur mit fachgebundener Hochschulreife kann an  Berufsoberschulen abgelegt werden. Voraussetzung für den Besuch der Berufsoberschule ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit. Berufsoberschulen gibt es allerdings nicht in allen Bundesländern. An der Berufsoberschule ist es teilweise auch möglich, die allgemeine Hochschulreife abzulegen.