Schulabschluss : Abitur und MSA 2022: Prüfungen und Notenschnitt

Die Prüfungen für das Abitur 2022 und die Schulabschlüsse nach der Sekundarstufe I sind in allen Bundesländern inzwischen abgeschlossen. Zum dritten Mal waren die Schulabschlüsse von der Corona-Pandemie stark geprägt. Die Schülerinnen und Schüler, die 2022 ihr Abitur machen, haben ihre Oberstufenzeit sogar komplett unter Corona-Bedingungen absolviert. Offenbar hat sich das aber nicht auf den Abi-Schnitt ausgewirkt, wie die Ergebnisse zeigen.

Annette Kuhn 08. Februar 2022 Aktualisiert am 27. Juli 2022
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Abitur 2022 Jugendliche schreiben eine Prüfung
Ende April haben in den meisten Fällen die schriftlichen Prüfungen für das Abitur 2022 begonnen - wie hier in Hessen. Die Oberstufe haben die Schülerinnen und Schüler komplett unter Corona-Bedingungen erlebt.
©Sebastian Gollnow/dpa

Noch Anfang des Jahres gab es wie in den zwei Jahren zuvor noch Diskussionen, ob die Prüfungen für das Abitur und andere Schulabschlüsse 2022 wegen der Pandemie tatsächlich stattfinden können. Aber die Kultusministerkonferenz hatte sich bereits Ende 2021 darauf verständigt, dass die Prüfungen stattfinden sollen  und einen entsprechenden Beschluss formuliert. Inzwischen sind die Corona-Einschränkungen an den Schulen auch überall entfallen – auch wenn einige Verbände noch im April gewarnt haben, Dass es durch die Aufhebung der Maskenpflicht in den relativ großen Prüfgruppen zu Problemen kommen könnten und mehr Schülerinnen und Schüler auf die Nachschreibetermine ausweichen müssen. Das ist es allerdings nicht gekommen.

Umfrage: Zwei Drittel der Abiturienten fühlen sich nicht gut vorbereitet

Doch der Wegfall der Maskenpflicht ist nicht die einzige Sorge, die viele bezüglich der Abschlussprüfungen im Vorfeld umgetrieben hat. Wie eine Umfrage unter 1.281 Abiturientinnen und Abiturienten der Online-Lernplattform Simpleclub ergab, sehen sich 68 Prozent der Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs 2022 nicht gut vorbereitet. 16 Prozent beklagen außerdem, viel verpasst und daher Angst vor einem schlechten Abschneiden beim Abi zu haben. Lediglich 13 Prozent der Befragten sind demnach positiv gestimmt, sehen sich gut vorbereitet und von den Lehrerinnen und Lehrern ausreichend unterstützt.

Weil die Vorbereitungen für das Abitur 2022 und die anderen Prüfungen aber so unterschiedlich waren, sollte es wie schon im vergangenen Schuljahr einige Erleichterungen im Sinne eines Nachteilsausgleichs für die Schülerinnen und Schüler geben. Manche Schülerinnen und Schüler waren zum Beispiel wochenlang in Quarantäne oder hatten viel Unterrichtsausfall, weil Lehrkräfte erkrankt waren, andere vielleicht gar nicht.

Die unter den Ländern vereinbarten Maßnahmen zur Erleichterung der Prüfungen sollen für die Länder eine „Hilfestellung“ sein, um den Abschlussjahrgängen vergleichbare Rahmenbedingungen zu schaffen, und die Prüfungsvorbereitung unterstützen, „ohne das von der Kultusministerkonferenz definierte Anspruchsniveau abzusenken“, heißt es weiter in dem Beschluss der Kultusministerkonferenz.

Welche Erleichterungen gibt es 2022 für Abitur und andere Abschlüsse?

Die möglichen Erleichterungen stimmen weitestgehend mit den Regelungen überein, auf die sich die Länder bereits für das Abitur 2021 und die anderen Abschlüsse verständigt haben.

Konkret kann es diese Erleichterungen geben:

  • Verschiebung von Prüfungsterminen: Die Abiturtermine  und die Termine für andere Abschlussprüfungen können später stattfinden, um mehr Zeit für die Vorbereitung zu gewinnen. Allerdings haben die Bundesländer hier unterschiedlich große Spielräume – je nachdem, wann die Sommerferien beginnen.
  • Weniger Klausuren: Im letzten Kurshalbjahr der Oberstufe und im zweiten Halbjahr der Abschlussklassen in der Sekundarstufe I kann die Anzahl der eigentlich vorgesehenen Klausuren und Klassenarbeiten reduziert werden, um mehr Lernzeit zu gewinnen.
  • Prüfungsaufgaben: Bei den Prüfungsinhalten können länderintern Schwerpunkte gesetzt oder Wahlthemen ermöglicht werden. Außerdem können Schulen bei zentralen Prüfungsaufgaben eine Auswahl treffen, und sie können den Schülerinnen und Schülern eine größere Auswahl von Aufgaben zur Verfügung stellen.
  • Mehr Zeit: Während der Prüfungen können die Schülerinnen und Schüler einen Zeitzuschlag von 30 Minuten für die Bearbeitung oder die Auswahl der Aufgaben bekommen.
  • Wiederholen: Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen können wegen der Corona-Pandemie das Schuljahr wiederholen, ohne dass dieses zusätzliche Jahr auf die Schulzeit angerechnet wird. Insbesondere gilt das auch beim Abitur für die Verweildauer in der gymnasialen Oberstufe.

Repräsentative Umfragen zur Lage der Schulen in Deutschland

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Aktueller Stand zu den Abschlussprüfungen und zum Notenschnitt in den Bundesländern

Im vergangenen Jahr haben die Schülerinnen und Schüler beim Abitur in den meisten Bundesländern einen besseren Schnitt gemacht als in den Jahren zuvor. Allerdings hatten sie auch da schon einige Erleichterungen bei den Prüfungen bekommen. Einen Überblick, wie die Prüfungen für das Abitur und die anderen Schulabschlüsse 2021 liefen, welche Ergebnisse die Abschlussjahrgänge im vergangenen Jahr erzielt haben und welche Erleichterungen sie hatten, gibt es hier:

Die wichtigsten Fragen rund ums Abitur

Wie werden Prüfungsaufgaben für das Abitur entwickelt?

In den meisten Ländern wird zumindest in bestimmten Fächern ein Zentralabitur geschrieben. Das heißt, die Aufgaben werden in einer zentralen Behörde des Bundeslandes erstellt. Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, in dem kein Zentralabitur stattfindet. Das heißt, die Abituraufgaben werden in Rheinland-Pfalz nicht zentral vom Kultusministerium, sondern von der jeweiligen Fachlehrkraft gestellt. Die Aufgaben werden dann noch durch eine Fachberatung geprüft.

Immer wieder gibt es Streit um die Prüfungsaufgaben für das Abitur. Insbesondere die Mathe-Abi-Klausuren lösen oft Diskussionen aus. Aber wie entstehen eigentlich die Aufgabenpools der Länder für das Abitur? Wer überprüft die Aufgaben und entscheidet, welche Aufgaben schließlich zum Einsatz kommen? Das hat Petra Stanat im Interview mit dem Schulportal erklärt. Die Bildungswissenschaftlerin ist Direktorin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), das die Aufgabenpools koordiniert. Jedes Bundesland entsendet demnach eine Vertreterin oder einen Vertreter in eine Arbeitsgruppe, die für die Entwicklung der Abituraufgaben für das jeweilige Fach zuständig ist.

Die Bundesländer haben sich für die Fächer Deutsch, Englisch/Französisch und Mathematik auf gemeinsame Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife geeinigt. Diese bilden die Grundlage für die Entwicklung der Aufgaben zum Abitur.

Jedes Bundesland entscheidet für sich, welche Aufgaben es aus dem jeweiligen Pool verwendet. Auch die Zusammenstellung von Aufgaben für eine Abiturprüfung ist Sache der Länder.

Wie sehen die Prüfungen für das Abitur aus?

Jedes Bundesland regelt den Ablauf der Abiturprüfungen selbst. Die Prüfungen sind aber überall in schriftliche und mündliche Prüfungen aufgeteilt. Geprüft wird entweder in vier oder in fünf Fächern. Wenn es große Abweichungen bei den Ergebnissen der Klausuren für das Abitur gibt, können die Abiturientinnen und Abiturienten auch noch mündliche Nachprüfungen ablegen.

In den Corona-Schuljahren 2019/2020 und 2020/2021 wurde auch diskutiert, ob die Abiturprüfungen aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie überhaupt stattfinden sollten. Zwei Drittel der Abiturnote sind ja schon vor den Prüfungen erreicht. Auch die Abiturientinnen und Abiturienten selbst haben dieses Thema kontrovers diskutiert. Das Schulportal hat die Vorsitzende des Landesschülerrats Sachsen, Joanna Kesicka, und den Landesschülervertreter von Niedersachsen, Florian Reetz, im März 2021 zum Streitgespräch eingeladen.

Die Kultusministerkonferenz hat sich aber dagegen entschieden, die Prüfungen abzusagen. Die Abiturprüfungen haben in allen Bundesländern in beiden Jahren stattgefunden – allerdings gab es für das Abitur 2021 die Erleichterungen für Abiturientinnen und Abiturienten im Sinne eines Nachteilsausgleichs, die weitestgehend auch beim Abitur 2022 in diesem Jahr gewährt werden.

Wie setzt sich die Abiturnote zusammen?

Die Abiturnote setzt sich aus den Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Qualifikationsphase der Oberstufe und den Abiturprüfungen zusammen. Die Noten der in den zwei Jahren bis zum Abitur eingebrachten Kurse werden dabei unterschiedlich stark bewertet – je nachdem, ob es sich um einen Grund- oder Leistungskurs handelt. Insgesamt können Abiturientinnen und Abiturienten 900 Punkte erreichen, das entspricht dann einer Note im Abitur von 1,0. Die Mindestpunktzahl sind 300, dann steht auf dem Abizeugnis eine 4,0. Anhand einer Tabelle lässt sich die individuelle Abinote berechnen.

Wie lange dauert die Schulzeit bis zum Abitur?

Das Abitur kann nach 12 bzw. 13 Jahren abgelegt werden. An den Gesamtschulen, Sekundarschulen oder anderen weiterführenden Schulen mit gymnasialer Oberstufe führt die Schullaufbahn über 13 Jahre zum Abitur. An den Gymnasien hängt es davon ab, ob die Schule über G8 oder G9 zum Abitur führt, also ob die Schulzeit am Gymnasium acht oder neun Jahre dauert.

Die G8-Reform wurde in den meisten Bundesländern zwischen 2012 und 2015 eingeführt und damit die bis dahin geltende 13-jährige Schulzeit zum Abitur um ein Jahr verkürzt. Inzwischen haben einige Bundesländer diesen Schritt aber wieder zurückgenommen und sind zu G9 zurückgekehrt oder bieten G8 und G9 parallel an. Das ist zum Beispiel in den Bundesländern  Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Fall.

Das erste Land, das die Rückkehr zu G9 auf dem Weg zum Abitur umgesetzt hat, war 2014 Niedersachsen. Inzwischen kehren auch Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wieder zurück zu G9.

Die Debatte um die Dauer und auch die Inhalte der gymnasialen Oberstufe hält aber an. Das Schulportal hat verschiedene Beiträge im Dossier Neue Wege für die Oberstufe gesammelt.

Welche Formen der Hochschulreife gibt es?

Unterschieden werden drei Arten von Hochschulreife:

Allgemeine Hochschulreife: Der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife ist mit dem Abitur an einem Gymnasium oder auch an einer anderen weiterführenden Schule mit gymnasialer Oberstufe möglich. Auch das Abitur an einem Berufskolleg mit gymnasialer Oberstufe führt zur allgemeinen Hochschulreife. Die allgemeine Hochschulreife ist die Grundvoraussetzung für ein Studium an den Universitäten und Hochschulen in Deutschland.

Allgemeine Fachhochschulreife: Die allgemeine Fachhochschulreife ist die Grundvoraussetzung für ein Studium an einer Fachhochschule. Wer ein Fachabitur mit allgemeiner Fachhochschulreife erwirbt, kann grundsätzlich an jeder Fachhochschule jedes Fach studieren – soweit die sonstigen Studienvoraussetzungen erfüllt sind. In der Regel lässt sich die allgemeine Fachhochschulreife in zwei Jahren an einer Fachoberschule, einem beruflichen Gymnasium oder an einer Berufsfachschule erreichen.

Fachgebundene Fachhochschulreife: Das Abitur mit fachgebundener  Fachhochschulreife berechtigt zur Aufnahme eines Studiums in bestimmten Fachrichtungen. Das Fachabitur mit fachgebundener Hochschulreife kann an  Berufsoberschulen abgelegt werden. Voraussetzung für den Besuch der Berufsoberschule ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit. Berufsoberschulen gibt es allerdings nicht in allen Bundesländern. An der Berufsoberschule ist es teilweise auch möglich, die allgemeine Hochschulreife abzulegen.